Plädoyer für die Zukunft
Von wegen „schwach“ …

Es ist nicht selbstverständlich, dass das Verhältnis von Kirche und Politik auch heute noch fruchtbar ist. Für wen ist Kirche Anwältin, für wen übernimmt sie, wo der Kitt der Gesellschaft nicht mehr sicher ist, in Zukunft die Verantwortung?
  • Es ist nicht selbstverständlich, dass das Verhältnis von Kirche und Politik auch heute noch fruchtbar ist. Für wen ist Kirche Anwältin, für wen übernimmt sie, wo der Kitt der Gesellschaft nicht mehr sicher ist, in Zukunft die Verantwortung?
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Kennen Sie den alten jüdischen Witz, wo der eine zum anderen, der ständig mit seiner mangelnden Bedeutung kokettiert, eines Tages sagt: „Mach dich nicht so klein, so groß bist du auch wieder nicht.“
Angesichts der letzten der acht Fragen zum Diözesanjubiläum 2018, „Wie viel Macht hat eine schwache Kirche?“, kann einem schon auch dieser Witz einfallen. Wie bei vielen solcher Fragen gilt es als erstes aufzupassen, nicht der Fragestellung selbst in die Falle zu gehen, konkret, deren innewohnende Behauptung als gegeben zu respektieren.
Mit dem Attribut „schwach“ wird hier bereits die Denkrichtung vorgegeben, die alles andere als außer Streit zu stellen ist. Natürlich, historisch betrachtet war die realpolitische Macht der Kirche in Zeiten von Thronbündnissen und Staatskirchentum größer, auch der informelle Einfluss korrespondiert immer ein Stück weit mit der Relevanz ihrer Repräsentantinnen und Repräsentanten im öffentlichen Diskurs. So können beispielsweise österreichische Laien nur davon träumen, das innerkirchliche Gewicht, mehr aber noch die gesamtgesellschaftliche Relevanz des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ zu haben. Doch das ist nicht die eigentliche Fragestellung.
Wovon sprechen wir eigentlich, wenn wir von „der Kirche“ sprechen? Auch in der Suche nach einer einfachen Antwort tun sich zumindest zwei Bruchlinien auf: Selbst praktizierende Katholiken meinen zum einen mit „Kirche“ oft die sogenannten Amtsträger als ihr Gegenüber, und Theologen weisen uns zum anderen mit gutem Recht auf die doppelte Gestalt von Kirche als Sakrament und als Institution hin.

Und die Macht?
Auf die Zahlen kommt es wohl nicht an: Der Österreichische Gewerkschaftsbund hat etwas mehr als 1,2 Millionen, Raiffeisen 1,7 Millionen Mitglieder; die Kronen Zeitung ist stolz auf 2,8 Millionen Sonntagsleser, die Katholische Kirche Österreichs hat immerhin knapp weniger als 5 Millionen Mitglieder. Dementsprechend sind die Kirchen allein schon ökonomisch höchst relevant. Zugleich sind ihre Vertreter auch im staatlichen Protokoll der Repräsentanz weit oben. Bischöfe und Landeshauptleute werden ebenso auf gleicher Augenhöhe wahrgenommen wie Bürgermeister und Pfarrer. Ich wiederhole mich ungern, aber auch das ist nicht das eigentliche Thema.
Die Macht der Kirche liegt auch nicht, wie die Fragestellung suggeriert, in ihrer Schwäche. Wer so etwas behauptet, es sind ja leider gar nicht so wenige, erinnert an kleine Kinder, die, wenn es finster wird, laut zu singen beginnen. Sehr sympathisch, aber zumindest ebenso erfolglos. Die vermeintlich besonders Gewitzten sagen dann, dass Erfolg bei Gott ohnehin keine Kategorie sei. Im Sport heißt das übrigens: abstiegsgefährdet!
Nein, Erfolg – ob man dazu Macht sagt oder nicht, ist sekundär – kommt immer aus dem Bewusstsein von Stärke.
Daher mein letztes Plädoyer: Denkt in Euren kirchlichen Kreisen bitte über diese eine Frage gewissenhaft nach: Was von dem, was wir besonders gut können, macht das Leben der Menschen besser? Seelsorge? Seelsorge!

> Die Serie wird begleitet durch die Online-Kolumne „Mitten im Leben“, in der Menschen aus ihrem Alltag im Zusammenspiel mit der jeweiligen Frage berichten. – www.katholische-kirche-steiermark.at/mittenimleben

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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