Religion am Ball. Fußballleuropameisterschaft 2016 | Teil 03
Toleranz und Respekt

Die Begeisterung kannte keine Grenzen beim Aufeinandertreffen des Bischofs mit dem Superintendenten. Die Freude am Spiel prägte den „kirchlichen Ankick“ der Langen Nacht der Kirchen.
  • Die Begeisterung kannte keine Grenzen beim Aufeinandertreffen des Bischofs mit dem Superintendenten. Die Freude am Spiel prägte den „kirchlichen Ankick“ der Langen Nacht der Kirchen.
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Vor wenigen Tagen schrieb ich: „Es ist immer wieder zu hören: Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Nur eines scheinbar bleibt unveränderlich: Die Freude am Fußball scheint tatsächlich eine ‚weltliche Form der Ewigkeit‘ zu verkörpern.“ Und gleich darauf musste ich mir eingestehen, wie zweischneidig diese Aussage doch war: Straßenschlachten – Fans, die aufeinander losgehen. Ein Drama abseits der Freude, die Fußball verkörpern soll.

Zugleich fand der „Ankick“ zur Langen Nacht der Kirchen statt. Freudvolle Gesichter, Jubel, Partnerschaft. Keiner weiß eigentlich, wie das Spiel zwischen unserem Bischof Wilhelm und dem evangelischen Superintendenten Hermann Miklas ausging. Allein die Freude des Aufeinandertreffens zählte. Tatsächlich steigt die Hingabe an ein Fußballspiel – und sei es am Kicker – bei vielen Menschen ins Unermessliche. Es ist die Freude an der Freude, auch die Freude am Leid. Dann nämlich, wenn die bewunderte Mannschaft ver-
liert.

Mit einem Schmunzeln musste ich in den letzten Tagen auch deutlich zugestehen: Ja, ich habe zu tolerieren, dass die Deutschen einfach eine phantastische Turniermannschaft sind. Ja, und die Deutschen wiederum haben zu tolerieren, dass sie mir im Freudentaumel nicht gerade ans Herz wachsen. Der Pfad der Toleranz ist es doch, der den Weg in einen respektvollen Umgang miteinander eröffnet. Es ist zu respektieren, dass die Deutschen zur Hochform auffahren, sobald der Anpfiff zu einem Turnier erfolgt.

Im entspannten Umgang mit den Ergebnissen der EM-Spiele erleben wir das wohl markanteste Zeichen der Freude: besagten Respekt. Wir gratulieren den „gegnerischen“ Fans. Respekt ist das Vereinende. Darüber hinaus ist es respektabel, dass sich Menschen aus ganz Europa Urlaub nehmen, um nach Frankreich zu fahren. Wenig respektabel sind die Bedrohungen durch Extremisten oder Hooligans, die verschärfte Sicherheitsmaßnahmen erfordern. Fußball, das ist ein völkerverbindendes Spiel. Es darf nun Denken und Handeln beherrschen. Fußball, das enthebt uns dem Alltag und führt uns aufeinander zu (nicht aufeinander los).

Als ich bei der vorletzten EM mit meinem Sohn in Basel beim Achtelfinale „Niederlande gegen Russland“ dabei sein durfte, wurde ich in die Fangemeinde der Holländer aufgenommen, nur weil mein Sitzplatz dort verortet war. Ein Holländer schenkte mir seine Tröte und forderte mich lächelnd auf, mitzujubeln. „Wenn man Frieden will“, schreibt Franzobel über Fußball, „muss man die ganze Schöpfung akzeptieren. Staunen ist der Sinn des Lebens. Toleranz!“

Was unsere Haltung der deutschen Na-tionalmannschaft gegenüber betrifft: Am 21. Juni 1978 immerhin haben wir sie in einem großen Turnier geschlagen. Córdoba. Ist doch auch etwas: Respekt!

 

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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