Warum Theologie studieren? | Teil 08
Sie ist die „Grande Dame“ der Grazer Theologie

Die andere Seite. Irmtraud Fischer weitet den Blick auf das Alte Testament.
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  • Foto: Gerd Neuhold
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Schad’, dass sie kein Bub ist“, sagte einer der damaligen Professoren der Theologischen Fakultät an der Karl-Franzens-Universität Graz zu den Eltern der jungen Ausseerin, als Irmtraud Fischer begann, Theologie zu studieren. Die Perspektiven waren also nicht unbedingt positiv. Ihr Interesse am Fach war erst kurz vorher erwacht, als sie zum ersten Mal eine „Vollbibel“ in der Hand gehalten und verstanden hatte, dass das Alte Testament zu unserer Bibel gehört.

Mittlerweile ist die 61-Jährige Professorin für Alttestamentliche Bibelwissenschaften und Leiterin des Instituts und kann auf eine Karriere mit vielen Preisen, Auszeichnungen und wichtigen Publikationen verweisen. Ihr erstes „Engagement“ als Assistentin am Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaften ergab sich eigentlich zufällig, weil die Stelle, die vorher 13 Jahre lang besetzt war, rechtzeitig frei wurde. Schließlich hat sie sich als erste Frau in Österreich in Katholischer Theologie habilitiert. Mit einer Arbeit über die Erzelternerzählungen, die damals allgemein nur Patriarchenerzählungen genannt wurden. Sie schlug damit endgültig die Richtung zur feministischen Theologie ein.

Theologie ist für Irmtraud Fischer immer noch „eines der schönsten Studien, die es gibt“, weil sie eben so viele Aspekte umschließt, von der Textwissenschaft bis hin zur Geschichte, zur Philosophie oder Archäologie, und man dabei in die Kulturgeschichte eintauchen könne.

Auch ihr Hobby, dass sie sich beinahe ihre ganze Garderobe selbst schneidert, habe Einfluss auf ihre Arbeit. „Wenn ich nähe, dann bin ich auch beim Schreiben kreativ.“ Aktuelles Thema: Ein Jona-Kommentar, der das Märchenhafte im Buch (großer Fisch, große Stadt …) nicht als Satire deutet, sondern als Anleitung zur Traumabewältigung.

In der Lehre versuche sie, das Alte Testament von einer anderen Seite zu beleuchten. „Wie könnte man den Text noch verstehen“, sei die Frage. Sie möchte den Studierenden „das Denken beibringen“. Was auch geschätzt wird. Das Lob eines Studenten, der sie als „,Grande Dame‘ der Grazer Theologischen Fakultät“ bezeichnet, quittiert sie in der für sie typischen Art als reine „Alterserscheinung“. Wohl nicht nur, zwar mögen Weine mit den Jahren an Substanz gewinnen und reifen, bei WissenschaftlerInnen muss das nicht unbedingt so sein. Kann es aber durchaus, wie man sieht.


Gisela Remler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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