Weltrezepte | Teil 03
Mit Liebe gekocht

Abdullah Fawal beim Zubereiten einer typisch syrischen Speise.
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Die Küche, in der gekocht wird, ist klein. Doch „das macht nichts“, sagt Abdullah Fawal. Auf die Größe der Küche komme es nicht an. Vielmehr zählt die Qualität der Produkte. Und dass man sie mit Liebe zubereitet.

Das Gericht – Melanzani mit Reis und Hühnerfleisch – ist eine traditionelle syrische Spezialität, die Makluba (Eintopf) genannt wird. „In Syrien wird das in den Familien vor allem am Wochenende, am Freitag und am Samstag, sehr gerne gegessen. Meine Mutter hat es auch oft zubereitet, als ich noch daheim war“, erzählt der junge Syrer. Das typisch Syrische an dem Gericht sind die Gewürze wie Zimt, Kardamom und Muskatnuss sowie die Mandeln, deren leicht bitter-süßlicher Geschmack der Speise eine besondere Note verleihen – und die Art des Servierens. Aber dazu später.

Profi. Abdullah ruht in sich und ist ganz bei der Sache. Jeder Handgriff sitzt. Man erkennt sofort, dass hier ein Profi am Werk ist. Den Beruf hat er in seiner syrischen Heimatstadt Lattakia in einer fünfjährigen Fachschulausbildung gelernt und seine Kenntnisse in Luxushotels und Restaurants vertieft. Beim Kochen mit dem Syrer spürt man, dass er wirklich mit Liebe darangeht, sich den einzelnen Zutaten zu widmen. Während Abdullah die Melanzani in Scheiben schneidet, verrät er, dass er diese Frucht und auch Mandeln besonders gerne mag. „Als Kind war es zu Hause immer meine Aufgabe, die Haut von den blanchierten Mandeln zu lösen.“

Familie. Während die Suppe köchelt und es herrlich nach all den Gewürzen duftet, beginnt der 24-Jährige aus seinem Leben zu erzählen. „Ich bin aus meiner Heimat weggegangen, weil ich nicht im Krieg kämpfen wollte. Es gab für mich keine andere Möglichkeit, als zu fliehen.“

Zunächst ging er 2013 nach Ägypten, gemeinsam mit seinem Bruder Khaled, der mittlerweile in Deutschland lebt. Die Eltern, die fünf Schwestern und noch ein Bruder blieben in Syrien. „Sie sind sehr traurig darüber, dass wir schon so lange weg sind. Sie dachten, es würde höchstens ein paar Monate dauern. Nun sind es bereits drei Jahre. Kontakt haben wir nur per Internet und Handy“, sagt Abdullah bedrückt.

Übers Meer. In Alexandria hat der 5-Sterne-Koch ein kleines Fast-Food-Restaurant aufgebaut. Als die Situation in Ägypten immer konfliktgeladener wurde, entschied sich Abdullah 2014, übers Meer nach Italien zu flüchten. „Es war ein kleines Boot, 24 Meter lang, mit 450 Leuten drauf. Es gab wenig Wasser, wenig Essen, es war oft gewittrig und in der Nacht sehr kalt, man konnte nicht richtig schlafen, weil kein Platz war.“

Alles, was Abdullah damals bei sich hatte, waren eine Umhängetasche mit seinen Papieren, seinem Pass, ein bisschen Geld, einer Kette und ein paar Fotos von seinen Eltern. Nach 13 Tagen gefährlicher Überfahrt landete er auf Sizilien. Von dort ging es nach Mailand und in Folge nach Österreich.

Es geht voran. Ein Jahr und vier Monate hat es gedauert, bis der Syrer endlich seinen Asylbescheid bekam. Es war eine ziemlich schwierige Zeit, sagt Abdullah. Doch nun geht es voran. Seit ein paar Monaten arbeitet er als Koch beim „Ludwig“, einem Burger-Restaurant in der Stadt Salzburg, und gibt nebenbei Kochkurse für Schüler. Abdullah, der die deutsche Sprache schon sehr gut beherrscht, ist zielstrebig, er weiß genau, was er will. Sein Traum ist eine eigene Cateringfirma „oder ein orientalisches Restaurant. Ganz klein, mit fünf Tischen, wo ich zudem auch ein Catering machen kann.“

„Das Essen ist gleich fertig“, verkündet Abdullah lächelnd. In der kleinen Küche werden die letzten Handgriffe vor dem Servieren getätigt. Der in einem Kochtopf geschichtete Reis mit Melanzani wird fest angedrückt und gekonnt auf einen großen Teller gestürzt. Abdullah garniert mit Hühnerfleisch und Mandeln und bittet zu Tisch.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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