Im Augenblick | Teil 06
In zehn Jahren wird es keine Bauern mehr geben

Heute werden die Birnen gepflückt. Heuer sind es viel weniger, teilweise groß und schief.“ Nach dem Frost im Frühjahr kein Wunder. Der Einfluss des Wetters ist eben zentral und bestimmt das ganze Jahr und das Leben eines Bauern. „Wir sind von der Natur und der Witterung abhängig.“ Wie viele andere Obstbauern in der Steiermark hat auch Theresia Herka aus St. Ulrich am Waasen schon aus diesem Grund heuer nicht viel zu lachen.

Als junge Frau hätte sie nicht gedacht, dass sie irgendwann den elterlichen Hof übernehmen würde. „Ich bin da einfach irgendwie hineingerutscht“, sagt sie lachend. Zuerst lernte sie Verkäuferin (Einzelhandelskauffrau). Eine typische Frauenwahl. Im Lauf der Jahre merkte sie, dass der erlernte nicht der Beruf war, der ihr lag und Freude machte. Dazu kam, dass sie nie ein ganzes Wochenende frei hatte, sondern am Samstag immer arbeiten musste. „Wenn man sein eigener Chef ist, kann man auch manchmal sagen: Heut mach ich blau“, resümiert die 49-Jährige heute lachend. Das klingt ziemlich verführerisch. Aber natürlich nicht so, dass man einfach alles liegen lassen könnte. Die Arbeit muss gemacht werden, das ist klar, aber „man kann es sich einteilen“. Immer aber nicht, denn in der Erntezeit richtet sich alles danach, wann die Früchte reif sind.

Die Obstbäurin hat sich deshalb spezialisiert: Anders wäre es auch nicht möglich, mit einer Betriebsgröße wie der ihren zu überleben: Nektare, Edelbrände und andere Spezialitäten, die gewünscht werden, sind heute Produkte, die ihre Kunden durchaus zu schätzen wissen. Die Leute kommen zu ihr am Markt, sie verkauft sehr viel ab Hof, weil die Menschen einfach darauf vertrauen, dass die Sachen von der „Resi“ ordentlich gemacht sind und eine entsprechende Qualität haben. Vieles kommt über den persönlichen Kontakt zustande. „Ja, es stimmt schon, viele Leute, die bei mir kaufen, kommen immer wieder und empfehlen mich weiter.“ Darauf kann sie sicher in Zukunft bauen. Für sie wie für viele andere kleinere Bauern ist das die einzige Möglichkeit, um zu überleben. „Da weiß man dann auch, dass man auf dem richtigen Weg ist.“ Sie beliefert Kindergärten und Schulen, ein Teil des Obstes geht an den Händler.

Sie selbst hat aus der Entwicklung eine konsequente Entscheidung für das eigene Verhalten als Konsumentin getroffen: „Ich kauf’ nichts mehr im Supermarkt, man nimmt dann einfach zu viele Dinge mit, die man gar nicht braucht, nur weil sie billig sind und man zu bequem ist und sich nicht damit auseinandersetzen will, wo sie herkommen.“ Für Fisch, Rindfleisch oder Wild findet sie immer jemanden, der gute Qualität bietet. „Das Kochen geht schnell, und der Preisunterschied ist letztlich nicht so groß.“

Theresia Herka ist eine Frau, die geradeheraus sagt, was sie denkt, wie sie die Welt und die Zukunft der Bauern insgesamt sieht. Berauschend nicht gerade, aber das ist noch lange kein Grund aufzugeben. Die Hoffnung bleibt bestehen: „Vielleicht merken die Leut’ ja doch noch, was das, was wir leisten, wert ist.“

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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