Warum Theologie studieren? | Teil 06
Herausforderungen im Hörsaal des Lebens

Ganz Ohr. Beim Gespräch mit einem Patienten in der Schmerzambulanz.
  • Ganz Ohr. Beim Gespräch mit einem Patienten in der Schmerzambulanz.
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Nach der Matura konnte sich die gebürtige Grazerin noch nicht gleich für Theologie entscheiden, sondern begann zuerst mit dem Studium der Altphilologie und Volkskunde an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Nach einem Semester kam dann der Umstieg zur Theologie, weil sie bemerkt hatte, „das ist nicht das, was mich so interessiert, dass ich es beruflich ausüben will“.

Fasziniert hat sie die Breite, von der Philosophie bis hin zur Ethik, Geschichte, Liturgie und Bibeltheologie, kurz gesagt „einfach im Denken gefordert zu sein“. Spannend war, geistiges Neuland zu betreten. „Ich stamme aus einer religiösen Familie.“ Das Grundbeet war also da, auf der „Theologischen“ fand die Vertiefung statt, die Christine Pagger mit der „Bepflanzung eines Gartens“ vergleicht. Neben der intellektuellen Herausforderung genoss sie den Austausch mit Kollegen.

Nach ersten beruflichen Engagements als Religionslehrerin und Pastoralassistentin in Graz kehrte sie mit ihrem Mann, dem Montangeologen Josef Pagger, im Jahr 1992 in die „Waldheimat“ Krieglach zurück. Danach: „Das Geschenk der Geburt von drei Kindern und sie beim Aufwachsen begleiten zu dürfen.“ Neben Haushalt und Kindererziehung absolvierte sie den dreijährigen Pastoralpsychologischen Lehrgang und begann 2000 als Krankenhausseelsorgerin im Krankenhaus Bruck. „Wir haben in einem Umfeld, das von Zeitdruck geprägt ist, den Luxus, dass wir uns Zeit für die Menschen nehmen können“, erklärt sie das Schöne ihrer Tätigkeit. Bei den Patienten ist sie fast immer auf Wohlwollen gestoßen, obwohl sie oft nicht als Seelsorgerin erkannt wurde und es hieß: „Was, Sie sind von der Kirche?“ Anfangs gab es oft Erstaunen, dass es schon weibliche Seelsorger gibt.

Bei Gesprächen versucht die 55-Jährige ganz Ohr zu sein, Menschen in ihrer Lebenwirklichkeit ernst zu nehmen. Wichtig dabei, „dass man betroffenes Schweigen aushält“. Seelsorge bedeute, sich Zeit zu nehmen. Nach ganz tiefen Gesprächen über das Leben fragt sie, wenn es „atmosphärisch passt“: „Darf ich Ihnen ein Segenszeichen mit auf den Weg geben und mit Ihnen beten?“ Diese berührenden Momente seien ein Geschenk. „Der Heilige Geist wirkt!“ Die Vielfalt der Begegnungen zeigt für Christine Pagger eines: „Jeder Mensch ist und bleibt ein Geheimnis, hüte dich, ihn vorschnell einzukastln!“ Auch mit dem Personal herrscht gutes Einvernehmen, obwohl diese Zusammenarbeit erst wachsen musste. Heute hieße es schon oft: „Nehmen Sie sich Zeit für diesen Patienten.“

Christine Pagger

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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