Religion am Ball. Fußballleuropameisterschaft 2016 | Teil 04
Glaubensdressen

Die Bilder gingen um die Welt, in unzähligen Kopien: der jubelnde erfolgreiche David Alaba und dessen Verweis auf seinen persönlichen Star.
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Der 1981 verstorbene Liverpool-Trainer Bill Shankly meinte, bei einem Fußballklub gebe es so etwas wie eine „Dreifaltigkeit“: die Spieler, den Trainer und die Fans. Während der EM sieht man es immer wieder: Spieler fordern die im Stadion anwesenden Fans auf, sie durch Jubeln, Trommeln und Singen zu unterstützen. Tausende Menschen in den Trikots „ihrer“ Mannschaft feuern ihre Elf auf dem Platz an. Damit machen sich die Fans für alle Welt kenntlich: durch „Uniformierung“. Sie schmücken sich mit Fahnen, mit den Nummern ihrer Lieblingsspieler, mit Perücken und Tröten und schließlich einer ordentlichen Portion Kriegsbemalung. Den Heiligen, den Göttern, den – etwas weniger überzogen ausgedrückt – Idolen möchten alle dadurch nahe sein.

Bekenntnisse machen auf den Tribünen nicht halt: Fußballfreunde erinnern sich an das nahezu legendäre Champions League Finale am 26. Mai 1999. Bayern München verlor in der Nachspielzeit 1:2 gegen Manchester United. Die Niederlage zwang Samuel Kuffour sprichwörtlich in die Knie. Eine Kamera zeigte den Bayernspieler auf dem Rasen liegend. Unter seinem Trikot blitzte ein T-Shirt auf, vorbereitet für den Fall des Sieges: „Thank you, god“. Nun hielt er dieses Bekenntnis verborgen, die Fernsehaufnahmen jedoch „outeten“ mit diesem einen Bild den wohl größten Schmerz des Fußballprofis.

Anders im Champions League Finale 2013. Diesmal durfte Bayern München den Sieg feiern. Unter ihnen: David Alaba. Jubelnd rannte er über das Feld und riss sein Trikot hoch, worauf der darunter getragene Spruch zu lesen war: „Meine Kraft liegt in Jesus.“ Die Bilder gingen um die Welt. Welches Risiko Alaba auf sich nahm, als er sein T-Shirt entblößte, zeigt das Regelwerk der FIFA: Unter dem Punkt „Ausrüstung der Spieler“ ist nachzulesen, dass das Tragen von T-Shirts mit religiösen Bekenntnissen gänzlich verboten sei. Gott wird das nicht kümmern. Im Berliner Olympiastadion begleitet er die Mannschaften auf dem Weg von den Kabinen auf das Spielfeld. Dort wurde eine Tafel angebracht: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?“ (Mt 16,26)

So sehr „das Religiöse am Fußball“ angezweifelt werden kann, so sehr sind Fußballspieler oftmals Botschafter des Glaubens. Gerald Asamoah, der aus Ghana stammende Fußballprofi und inzwischen -trainer, meinte in einem Interview, für ihn sei Religion etwas anderes als Fußball. Er glaube an den christlichen Gott, das sei seine Religion.

Fußball ist weltumspannender Ritus. Darin vielleicht liegt die viel diskutierte Nähe zum Religiösen. Historische Zeichen dazu sind die Embleme auf den Trikots: Als das protestantische Schweden im Dreißigjährigen Krieg durch Europa zog, zierten Goldene Kreuze auf blauem Grund ihre Schilde. Heute ist dieses Symbol auf den Nationaltrikots der schwedischen Elf zu sehen.

 

 

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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