Zeit für Kirche - Mein Ehrenamt | Teil 07
Gern dabei, wenn Menschen fertig leben

Unterhaltung zählt. Elfriede Neumeisters Besuche machen Freude.
  • Unterhaltung zählt. Elfriede Neumeisters Besuche machen Freude.
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Wenn Sie jemanden brauchen, selbst wenn es drei Uhr früh ist: „Das Handy liegt neben dem Bett.“ Elfriede Neumeister ist bereit. Die Arbeit für die Palliativbetreuung ist etwas, was für sie passt, so meint die 72-Jährige, denn sie sei nun einmal ein Nachtmensch. Sterbesituationen bedeuten freilich eine große Herausforderung: „Es ist notwendig, dass man die Stille aushält. Irgendwann kommt der Moment, dann geht alles vorbei, ich kann das nicht nachvollziehen.“ Aber „es ist wichtig, dass der Mensch spürt, es ist jemand da“. Jemand, der ihn nicht allein lässt. Gehen müsse er den Weg freilich allein. Die Vorbereitung auf die so unabwendbar kommende entscheidende Situation des Übergangs beginnt Elfriede Neumeister schon früher. Mit Besuchen in den Caritasheimen Wies und Eibiswald, damit die Menschen in ihrer Sterbephase „nicht mit einem Fremden konfrontiert sind“.

„Man kann das gar nicht lernen“, findet sie. Die Palliativausbildung hat sie natürlich gemacht, schon 1997, zwei Jahre bevor sie in Pension gegangen ist. „Damals wollte ich etwas machen, was ganz anders ist.“ So ist die Entscheidung gefallen. Die Belastung, der sie dadurch ausgesetzt wird, will Elfriede Neumeister aber nicht leugnen. „Wenn junge Menschen sterben, das halte ich fast nicht aus.“

Der Leidenschaft ihres Lebens, der Musik, widmete sie sich beruflich. Auch heute füllt sie noch einen großen Teil ihrer Stunden aus. Ein bis zwei Stunden Klavierspielen muss für die ehemalige Musiklehrerin am Konservatorium in Graz sein. „Da kann ich mich abreagieren“, erklärt sie. In Wies versieht sie gemeinsam mit zwei anderen Organisten den Dienst, „damit nicht einer allein ang’hängt ist“.

Seit der Pension spielt sie die Orgel aber im ganzen Dekanat, verlässliche Musikerinnen mit umfassender Erfahrung werden ja überall gewünscht. Als eine, die auch das Studium der Kirchenmusik abgeschlossen hat, kann Elfriede Neumeister diese schon mitbringen. Dazu kommt das Musizieren mit ihrem eigenen Instrument. Das erklingt, „wenn wir in Wies etwas aufführen, wo Blockflöte verlangt wird“. Chorprobe auf jeden Fall jeden Montag. „Wir haben da wirklich Disziplin beim Proben.“ Es macht Spaß und ist nicht nur irgendwas: Mozart, Bruckner, Haydn, auch moderne Komponisten. „Zu Fronleichnam singen wir im Petersdom, im Mai eine Messe in Mariazell.“

Familiär kann es im Hause Neumeister immer wieder einmal turbulent werden. „Ich habe vier Enkel, eine meiner Töchter wohnt auch bei uns im Haus.“ Das führt dazu, dass Elfriede Neumeister täglich für fünf Menschen das Essen herbeizaubert. Manchmal gehe es schon rund, aber „es wird alles ausdiskutiert“. Die Oma muss sich zur Entspannung auch ganz private Momente gönnen. Sie ist dann ein paar Stunden weg und macht vielleicht auch einmal „gar nichts. Dann komm ich wieder heim, und es passt.“

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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