800 Jahre Diözese Graz-Seckau | Teil 03
Frauenorden als prägende Kräfte

Barmherzige Schwestern beim Wiederaufbau des durch Bombenschäden zerstörten Klosters in der Grazer Mariengasse. Beim Ziegelklopfen und als Löschtrupp legen die Schwestern Hand an.
  • Barmherzige Schwestern beim Wiederaufbau des durch Bombenschäden zerstörten Klosters in der Grazer Mariengasse. Beim Ziegelklopfen und als Löschtrupp legen die Schwestern Hand an.
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Nachdem das Stift Göß als erstes Frauenkloster in der Steiermark zu Beginn des 11. Jahrhunderts errichtet worden war, kam es erst im Spätmittelalter zu weiteren Neugründungen des weiblichen Ordenswesens. 1253 entstand in Judenburg ein Kloster der Klarissen, wobei die Gründungsschwestern aus dem Mutterkonvent San Damiano in Assisi kamen. 1307 hatten sich die Dominikanerinnen als erster Frauenorden im Grazer Raum, zunächst am südöstlich vor der Stadtmauer liegenden „Grillbühel“ (im Bereich der heutigen Technischen Universität), niedergelassen. Für fast drei Jahrhunderte (1517–1785) bestand sodann ihr Haus im Bereich des heutigen Akademischen Gymnasiums.

Prägekraft auf steirischem Boden entfalteten auch jene Klöster, die sich im Zuge der katholischen Erneuerung des 16. und 17. Jahrhunderts allesamt in Graz ansiedelten. Erzherzogin Maria von Bayern (1551–1608) ließ 1602 ein weiteres Kloster der Klarissen mit einer Kirche zu Ehren „aller Heiligen im Paradeis“ im Gebäude der aufgehobenen evangelischen Stiftsschule einrichten, woran die Paradeisgasse erinnert. Das ebenso kontemplativ ausgerichtete Karmelitinnenkloster „Maria Verkündigung“ stiftete 1643 Eleonora Gonzaga (1598–1655), die Witwe von Kaiser Ferdinand II. Diese Niederlassung im Kälbernen Viertel (zwischen Hauptplatz und Mur) fiel 1782 den josephinischen Klosteraufhebungen ebenso zum Opfer wie die Klöster der Klarissen, Dominikanerinnen, der Benediktinerinnen in Göß und der beschaulichen Karmelitinnen, die sich in der Grazer Grabenstraße 1829 wieder ansiedelten.

Einzig die im 17. Jahrhundert in Graz eingeführten Ursulinen und Elisabethinen überstanden die Säkularisierung. Seit 1686 trieben die Ursulinen die Frauenbildung pionierhaft voran. Für ihre Niederlassung war Maria Theresia Gräfin von Wagensperg (1651–1716) ebenso eine wichtige Förderin wie für die Elisabethinen, die 1690 kamen und das älteste Krankenhaus für Frauen in Graz schufen.

Ein faszinierender Aufbruch des weiblichen Ordenswesens erfolgte im 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Bedarf an geistlichen Schwestern im pflegerischen, pädagogischen und sozialkaritativen Sektor war groß, sie wurden fast überall „gebraucht“. Im Sinne der zahlreichen Neugründungen und Niederlassungen kann in unserer Diözese von einem regelrechten Frauenkongregationsfrühling gesprochen werden. Die Grazer Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul, die Grazer Schulschwestern und die Kreuzschwestern, deren erste Häuser in Rein und Aussee waren, entwickelten sich zu den mitgliederstärksten Gemeinschaften. Die Frauen vom heiligsten Herzen Jesu (Sacré Cœur), die Guten Hirtinnen und die Armen Schulschwestern von unserer Lieben Frau in Wildon widmeten sich der Mädchenerziehung.

Während des Ersten Weltkrieges nahmen sich Ordensspitäler und Klosterfrauen der Versorgung verwundeter und kranker Soldaten an. Mit den Kriegswirren hängt die Besiedelung der Abtei St. Gabriel bei Fehring (1919) durch die Prager Benediktinerinnen zusammen, die in der Zwischenkriegszeit eine spirituelle, künstlerische und personelle Blüte erlangten. Kleinere Gemeinschaften, wie die Trösterinnen der Armen Seelen (Helferinnen) und die Caritas Socialis, kamen in den 1920er Jahren nach Graz.

Bis in die 1970er Jahre gab es einige beachtenswerte Ordensinitiativen, wie die Benediktinerinnen des Unbefleckten Herzens Mariä in Admont und Frauenberg, die Salvatorianerinnen in Kalwang und Mariazell, die Karmelneugründungen in Mariazell und Bärnbach sowie die Dienerinnen Christi (Služavke Kristove) in Ulrichsbrunn in Graz. Des Weiteren leben Mitglieder der weiblichen Institute von der Gemeinschaft Unserer Lieben Frau vom Wege und vom Werk der Frohbotschaft in der Steiermark. Doch hat sich die einst dichte und blühende steirische Klösterlandschaft besonders seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fortlaufend ausgedünnt.

Den dramatischen Wandel zeigen nicht nur der Weggang vieler Ordensgemeinschaften und die Schließung beträchtlicher Einrichtungen an, sondern auch die folgenden Zahlen: 1938 lebten in der Steiermark 3463 Ordensleute, wovon 71 Prozent weiblichen Geschlechts (2459) waren und in 127 Niederlassungen wirkten. Derzeit sind es um die 180 Ordensmänner und 480 Ordensfrauen.

Geblieben ist über die Grenzen der katholischen Kirche hinweg die Anerkennung für ein vielfältiges sozialkaritatives, schulisches, pastorales und missionarisches Wirken.

Michaela Sohn-Kronthaler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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