In Europa zu Hause | Teil 04
Frau Ana aus Rumänien

Ana Jigmut an ihrer Nähmaschine in ihrer Schneiderei in St. Margarethen.
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  • Ana Jigmut an ihrer Nähmaschine in ihrer Schneiderei in St. Margarethen.
  • Foto: Judith Jandrinitsch, Archiv
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Helfen, wo Hilfe benötigt wird

Ana Jigmut kam 1999 als Pflegerin von Rumänien ins Burgenland. Frau Ana, wie sie in St. Margarethen genannt wird, hat sich in Österreich ein eigenständiges Leben aufgebaut.

Ana Jigmut sitzt an der Nähmaschine und lässt die Nadel durch das Kleidungsstück flitzen. Frau Ana, wie ihre Kundschaft sie nennt, ist gelernte Schneidermeisterin. Als Diktator Nicolae Ceausescu in Rumänien noch das Sagen hatte, leitete sie ein Schneideratelier. Doch nach dem Sturz des Diktators 1989 wurde die wirtschaftliche Situation nicht besser, im Gegenteil. „Es wurde nur immer alles schlimmer“, erzählt Ana Jigmut, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Reschitza lebte.

Reschitza ist eine Stadt im Banat, in der viele Angehörige der kroatischen Minderheit leben, so wie Ana Jigmut. Als Kroatin gehört sie der katholischen Kirche an, selbst unter der kommunistischen Diktatur ist sie in die Kirche gegangen – „das hat bei uns am Sonntag einfach dazugehört“, erzählt sie. Nur wer eine Karriere in der kommunistischen Partei anstrebte, für den waren Glaube und Kirche tabu. 1999 ergab sich für Frau Ana die Chance, im Festspielort St. Margarethen im Burgenland als Personenbetreuerin zu arbeiten.

Geld verdienen im Ausland. Die Überlegungen dazu waren völlig pragmatisch: „Mein Mann ist 1997 tödlich verunglückt, meine Kinder waren fast erwachsen, aber noch in Ausbildung. Ich musste etwas tun, um Geld zu verdienen und damit das Überleben meiner Familie zu sichern.“ Ihr Gottvertrauen und ihr Glaube haben ihr geholfen, diesen Schritt zu tun. Und ihre Entschlossenheit hat sich ausgezahlt, denn, so erzählt Frau Ana: „Ich bin in St. Margarethen sehr gut aufgenommen worden. Ich habe in guten Familien gearbeitet, wenn jemand Hilfe gebraucht hat, dann habe ich ihm geholfen und nicht Nein gesagt. Ich glaube, das haben meine Arbeitgeber sehr geschätzt.“

Herausfordernde Arbeit. Doch schönreden will Ana Jigmut die Betreuungsarbeit nicht. „Viele vergessen, was das für eine schwierige Aufgabe ist. Die meisten der Pflegerinnen haben Kinder in Rumänien, vielleicht auch einen Mann, der keine Arbeit findet und dafür auf die Kinder aufpasst. 24 Stunden auf eine Person zu achten, die oft noch dazu dement ist, nur mit einer kurzen Mittagspause als Unterbrechung, das geht bei vielen Frauen wirklich an ihre Substanz.“ Frau Ana hat rumänische Pflegerinnen erlebt, die durch ihre Arbeit depressiv oder krank wurden. Und die obendrein noch hohe Vermittlungsgebühren an Agenturen samt Transportkosten für die Fahrt bezahlen mussten.

Deshalb hat sie 2010 ihre eigene Ver­mittlungsagentur gegründet und 2014 ein ­Transportunternehmen. Ihre Tochter und ihre Schwiegertochter sind dafür verantwortlich, dass die Agentur und das Transportunternehmen auch zum Wohle der rumänischen Frauen florieren, die bei ihr keine Vermittlungsgebühr bezahlen müssen. Ana hat sich in ihrem Haus mitten an der Hauptstraße eine Schneiderwerkstatt eingerichtet. Doch jetzt, kurz vor ihrem 60. Geburtstag, möchte sie in Pension gehen und das Gewerbe zurücklegen. Nur, wie sie das ihren Kunden beibringen soll, weiß sie nicht. Diese waren ja gewohnt, dass Frau Ana immer für sie da war.

Judith Jandrinitsch

 

Ana Jigmut an ihrer Nähmaschine in ihrer Schneiderei in St. Margarethen.
Skulpturen beim bekannten Römersteinbruch in St. Margarethen.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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