Christentum - Ein Reiseführer | Etappe 059
Dienst des Friedens

Papst Paul VI. führt das Konzil nach dem Tod von Johannes XXIII. zu einem guten Ende.
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Krisen und Aufbrüche der Folgezeit

Mit dieser ersten Auslandsreise eines Papstes seit 150 Jahren war faktisch auch der Staat Israel anerkannt. Wie sein Vorgänger Johannes XXIII. stellt sich auch Papst Paul VI. in den Dienst des Friedens. Seine Rede vor den Vereinten Nationen 1965 gehört inmitten des Kalten Krieges zu den wichtigsten Friedensappellen des 20. Jahrhunderts. Enttäuschung unter weiten Teilen der konziliaren Kirche löst der Papst hingegen mit seiner Enzyklika „Humanae vitae“ „Über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens“ im Jahr 1968 aus. Gegen den Rat einer zu Konzilszeiten eingesetzten Expertenkommission fordert das vielfach leider nur einseitig wahrgenommene Dokument katholische Eheleute auf, auf Methoden künstlicher Empfängnisregelung zu verzichten und stattdessen natürliche Methoden zu verwenden. Die deutschen und österreichischen Bischöfe haben daraufhin in eigenen Erklärungen die notwendige Gewissensbildung und Gewissensentscheidung der Eheleute hervorgehoben.

In weiten Teilen der Kirche herrschte nach dem Konzil eine große Euphorie. Man hatte sich der Erneuerung verschrieben, dem Dialog, der Kommunikation. Die Kirche des Konzils machte sich solidarisch mit den Freuden und Hoffnungen, Sorgen und Ängsten der Menschen. Die neue Sicht des Laien in der Kirche, die sich als Weg- und Hoffnungsgemeinschaft verstand, führte zu zahlreichen Neuaufbrüchen.

Der Begriff „konziliare Krise“ markiert ein Phänomen, das mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1968er Jahre begann: Die Kirchen wurden leerer, die Austritte aus ihr stiegen an, und die Zahl der Taufen ging rapide zurück. Viele Priester gaben ihr Amt auf, manche Gottesdienste verflachten, die Theologie wurde auch zum Instrument politischen Protestes umfunktioniert… Auch wenn dies in keiner Weise dem Anliegen des Konzils entsprach, war für viele die Ursache doch in der Öffnung der Kirche zur Welt gefunden.

Die Reformen Pauls VI., insbesondere die Liturgie, die Religionsfreiheit und das veränderte Kirchenbild, führten dazu, dass sich 1968 eine Gruppe französischer Seminaristen um den ehemaligen Generaloberen der Spiritaner, Bischof Marcel Lefebvre, scharte. Der Gründung der „Priesterbruderschaft ­St. Pius X.“ mit Sitz im schweizerischen Econe wurde zunächst ein diözesaner Rechtsstatus verliehen. Konsequent wurde dort im Sinne des „traditionellen Glaubens“ der neue Messritus abgelehnt und die Konzilslehren als ein Werk des Antichristen gedeutet. Als sich Lefebvre 1976 weigerte, sein Seminar auf Geheiß des Vatikans zu schließen, suspendierte ihn Papst Paul VI. von seinen Ämtern. Die Situation eskalierte 1988, als der Erzbischof gegen ausdrückliche Weisung des Papstes vier Bischofsweihen vornahm und sich damit die Exkommunikation zuzog. Nach katholischem Sakramentsverständnis sind diese Weihen zwar gültig, aber illegitim. Die sogenannten „Bischöfe“ besitzen keine Autorität zu kirchlicher Amtsausübung. Gegenwärtig gehören zur Piusbruderschaft knapp 500 Priester und ca. 600.000 Gläubige sowie fünf Seminare, 86 Schulen und zwei Universitätsinstitute. Die von der Bruderschaft vertretenen Positionen sind häufig demokratie- und staatsfeindlich und unverhohlen antisemitisch.

Als Papst Benedikt XVI. 2009 die Aufhebung der Exkommunikation als Grundlage für eine angestrebte Einheit vornahm, wusste er nicht, dass der zur Bruderschaft gehörende englische Bischof Richard Williamson als öffentlicher Leugner des Holocaust hervorgetreten war. Die Piusbrüder distanzierten sich zwar von den Äußerungen Williamsons, verschärften aber gegenüber Papst und Bischö- fen ihre Positionen, so dass weitere Schritte zur vollen Kirchengemeinschaft wohl noch lange auf sich warten lassen.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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