800 Jahre Diözese Graz-Seckau | Teil 02
Die Bedeutung der Klöster

Bevor die Diözese Seckau im Jahre 1218 errichtet wurde, gab es bereits mehrere wichtige Klöster in der Steiermark, einige von ihnen sogar in Form eines Doppelklosters. Sie stellten geistlich-liturgische Zentren dar, waren Stätten der Erziehung und Bildung, der theologischen Gelehrsamkeit und Geschichtsschreibung, dienten mit als Herberge und Hospital, besaßen Landbesitz und waldwirtschaftliche Domänen. Die Form des Doppelklosters besagt, dass Frauen- und Männerkonvent örtlich nahe beieinander lagen, dem Abt (oder Propst) die volle Jurisdiktion hinsichtlich der weiblichen Gemeinschaft oblag, ebenso die Verwaltung ihrer Güter und die Regelung der geistlichen Statuten.

Göss. Als erstes Kloster auf steirischem Boden entstand um das Jahr 1000 das Kanonissen- oder Chorfrauenstift Göss bei Leoben. Die Stifterin war die als Heilige verehrte Pfalzgräfin Adala aus dem bayrischen Geschlecht der Aribonen (Gedenktag 7. September). Ihr Sohn wurde als Aribo III. sogar Erzbischof von Mainz (1021–1031) und vollendete die Neugründung im Murtal. Im 12. Jahrhundert wurde Göss vorwiegend von Benediktinerinnen aus Nonnberg bei Salzburg besiedelt. Das Frauenkloster, der Gottesgebärerin Maria und dem Apostel Andreas geweiht, bestand bis zur Aufhebung 1782 unter Joseph II. Als bekanntestes Beispiel für die von den Nonnen ausgeübte Paramentenherstellung gilt der farbenprächtige, mit Seide gestickte „Gösser Ornat“ (1239–1269), aufbewahrt im Wiener Museum für angewandte Kunst. Dieser enthält das wahrscheinlich älteste weibliche Stifter-
bild.

Admont. Im 11. Jahrhundert wurde auch das Benediktinerstift Admont gegründet, und zwar auf Gütern, welche die hl. Gräfin Hemma von Gurk der Salzburger Ortskirche hinterlassen hatte. Als Gründer trat Erzbischof Gebhard (1060–1088) hervor. Mönche aus Sankt Peter zu Salzburg bildeten den Gründungskonvent. Unter den Äbten Wolfold (1115–1137) und Gottfried I. (1138–1165) bildete sich ein ausstrahlendes cluniacensisches Reformzentrum aus. Weltruhm bis heute erlangte die Klosterbibliothek. Als Stätte theologischer Gelehrsamkeit ragte Admont unter Abt Engelbert (1297–1327) aus der steirischen Klösterlandschaft heraus. In einem benachbarten Klostergebäude entstand um 1120 ein Nonnenkonvent, der wegen der hervorragenden Bildung der Nonnen großes Ansehen besaß und dessen Schreibschule weit bekannt war. Wie die Admonter Mönche waren auch die Nonnen im Dienste der Reform für andere Klöster hochbegehrt. So erneuerte Regilind (Regilla) die Stifte Bergen bei Neuburg an der Donau und Hohenburg (Odilienberg) im Elsass. Im 16. Jahrhundert verfiel bedauerlicherweise das Kloster.

St. Lambrecht. Der in Bayern und Kärnten verwurzelten Adelsfamilie der Eppensteiner ist die Gründung des benediktinischen Klosters St. Lambrecht 1096 zu verdanken, dem zahlreiche Kirchen im Mur- und Mürztal und bis in die Weststeiermark einverleibt wurden. Die ersten Mönche kamen aus Sankt Blasien im Schwarzwald. Über den dortigen Frauenkonvent, gegründet von Luipirg und Beatrix, haben wir nur spärliche Hinweise. Die Bedeutung des obersteirischen Klosters zeigt sich auch durch die Gründung von Mariazell.

Rein. Aus Burgund hervorgegangen ist der Zisterzienserorden, der sich mit Mönchen aus Ebrach bei Würzburg auch in die Steiermark ausdehnte. Der Traungauer Markgraf Leopold I. der Starke begründete im Jahre 1129 Rein, heute die älteste kontinuierlich bestehende Zisterzienserabtei. Der Konvent wurde für seine Buchbindekunst und die Illuminierung von Handschriften („Reiner Musterbuch“) bekannt.

Seckau. Das von Adalram von Waldeck in St. Marein bei Knittelfeld gegründete und dann auf die Hochebene in Seckau verlegte Augustiner Chorherrenstift wurde zur Wiege der gleichnamigen steirischen Diözese. Auch ein Chorfrauenstift entstand um 1150, ermöglicht durch das Heiratsgut der Richinza von Perg, Gattin des Seckauer Stifters. Bedeutend war das Skriptorium des Doppelklosters, von dem heute noch manche Handschrift in der Grazer Universitätsbibliothek aufbewahrt wird. Ende des 15. Jahrhunderts löste sich der weibliche Konvent auf.

Vorau. Das Augustiner Chorherrenstift wurde vom Traungauer Markgrafen Otakar III. 1163 begründet. Wertvolle Zeugnisse romanischer Buchkunst sind die sogenannte „Vorauer Handschrift“ (mit „Kaiserchronik“) und das Vo-rauer Evangeliar aus dem 12. Jahrhundert. Über den Frauenkonvent wissen wir recht wenig.


Michaela Sohn-Kronthaler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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