800 Jahre Diözese Graz-Seckau | Teil 20
Der Grazer Dom als geistliche Mitte

Die heutige Domkirche wurde unter Friedrich III. Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut.
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  • Die heutige Domkirche wurde unter Friedrich III. Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut.
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Im Jahre 1786 löste die Grazer Ägidiuskirche die Stiftskirche von Seckau als Kathedrale und somit Bischofskirche der Diözese ab.

Neben ihrer Funktion als Pfarrkirche der Stadt wurde das neu errichtete Gotteshaus unter Friedrich III. kaiserliche Hofkirche. Diese enge Beziehung zwischen der Kirche und dem Herrscher brachte auch der Verbindungstrakt zum Ausdruck, der zwischen Burg und Sakralbau über der Hofgasse bestand, wie dies eindrucksvoll ein Bild von Conrad Kreuzer 1840 zeigt, ebenso das Christophorus-Fresko an der Außenseite: Es trägt die Züge des Habsburgers, der damals jedoch bereits Kaiser war und mit dem steirischen Herzogshut abgebildet ist.

Residenz- und Jesuitenkirche. Eine weitere Funktion erhielt die Ägidiuskirche im 16. Jahrhundert. Graz stieg 1564 zur Residenzstadt Innerösterreichs auf, Erzherzog Karl II. residierte in der dortigen Burg. Im Rahmen der Gegenreformation rief der Landesfürst die Jesuiten nach Graz, zumal beinahe die ganze Stadt um 1570 protestantisch geworden war. Diese erhielten 1577 die Kirche St. Ägidius, die nun fast zwei Jahrhunderte als Ordenskirche der Gesellschaft Jesu fungierte. Aus diesem Grund entstand ein zweiter direkter Zugang bzw. Verbindungstrakt zwischen Jesuitenkolleg bzw. im weiten Sinne Alte Universität (heute Priesterseminar) und Ägidiuskirche.

Die Jesuitenkirche bildete das sakrale Zentrum des Ordens und lag zwischen der Burg des Landesfürsten und dem Jesuitenkollegium. Die Jesuiten waren überpfarrlich aktiv; die Menschen kamen gerne, um ansprechende Predigten zu hören und die Sakramente zu empfangen. Die Ägidiuskirche war die wichtigste Seelsorgekirche von Graz und konkurrierte mitunter mit der Heilig-Blut-Kirche, die an ihrer Stelle 1585 zur Stadtpfarrkirche erhoben worden war.

Das uns heute so vertraute Aussehen des Domes geht maßgeblich auf die Jesuiten zurück. Die prunkvolle Kirchenausstattung wurde in der ausgehenden Renaissance und im Hochbarock geschaffen.

Filialkirche – Universitätskirche – Seminarkirche. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 stand der Ägidiuskirche nun ein Subdirektor vor, an seiner Seite fungierten drei Exjesuiten als Prediger. Rechtlich bildete sie eine Filiale der Stadtpfarrkirche. Kurzfristig war der Sakralbau sogar im Besitz der Universität. 1782 wurde das Gotteshaus zur Kirche des neu errichteten josephinischen Generalseminars Innerösterreichs, das sich im ehemaligen Jesuitenkolleg befand.

Kathedrale und Kirche der Dompfarre. Vielleicht wäre die Ägidiuskirche sogar Metropolitankirche geworden, wenn der vom damaligen Bischof Joseph Adam Graf Arco (1780–1802) unterstützte Plan Kaiser 
Josephs II. zur Schaffung einer innerösterreichischen Kirchenprovinz mit Graz als Metropolitansitz nicht am Widerstand des Salzburger Erzbischofs Hieronymus Graf Colloredo (1772–1812) gescheitert wäre. Arcos Ernennung zum Erzbischof war bereits 1783 ausgesprochen worden. Voller Freude ließ der Grazer Oberhirte voreilig ein erzbischöfliches Wappen am Eingangstor zum Bischofspalais anbringen, das indes die Zeitläufte überstand – bis zur Zerstörung durch einen Bombentreffer 1944.

Mit dem Jahr 1786 erreichte die Ägidiuskirche ihren höchsten Rang als Kathedrale des steirischen Bistums Seckau. Papst Pius VI. stimmte den Plänen von Joseph II. zu, wo-nach der Bischofssitz von Seckau nach Graz verlegt und die Ägidiuskirche Kathedrale mit einem Domkapitel und einer Dompfarre wurde. Das Jesuitenkonvikt wurde zum Domherrenhaus. Der feierliche Einzug von Bischof und Kapitel fand am 26. November 1786 statt. Es war Bischof Arco, der als erster Seckauer Bischof von der Kirche Besitz nahm. Erster Dompfarrer wurde Joseph Maximilian von Heipl (1732–1805). Als Dompfarrer dienten unter anderen Rochus Kohlbach (1892–1964) und Gottfried Lafer von 1968 bis 2015. Anlässlich des 800-Jahr-Jubiläums der Diözese erfolgt unter dem derzeitigen Dompfarrer Heinrich Schnuderl die Renovierung der Bischofskirche.

Joseph II. hatte 1784 ein neues Domkapitel eingerichtet, da das Augustinerchorherrenstift zu Seckau, das zugleich (nominelles) Domkapitel (mit Propst, Dekan, Scholaster und vier Kapitularen) gewesen war, der josephinischen Klosteraufhebung zum Opfer gefallen war. Das Kapitel wurde 1786 mit dem Bischofssitz nach Graz verlegt. Seine Mitglieder übernahmen leitende Stellen in der Diözesanverwaltung. Als Kollegium unterstützte es fortan den Bischof bei seiner Amtsführung.

Michaela Sohn-Kronthaler

Die heutige Domkirche wurde unter Friedrich III. Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut.
1457 schuf Conrad Laib für die nunmehrige Hofkirche mit dem Bild „Kreuzigung im Gedräng“ das größte Holztafelbild im Alpenraum
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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