Tatorte der Fastenzeit. Fastenserie 2018 | Teil 01
Der Berg Quarantal – Ort der Versuchung Jesu

Nach der christlichen Überlieferung widerstand Jesus auf diesem Berg den Versuchungen des Teufels, nachdem er 40 Tage lang gefastet hatte. Von daher verdankt der Berg seinen Namen „Quarantal“, Berg der vierzig Tage. Der Quarantal liegt wenige Kilometer außerhalb der Stadt Jericho.

Wie ein Wespennest klebt dort 350 Meter über dem Meeresspiegel ein griechisch-orthodoxes Kloster zur Erinnerung an das biblische Geschehen am Felsen des Berges. Zwei Wege führen hinauf: ein schmaler Pfad und eine (österreichische) Seilbahn. Der Gipfel des Berges markiert einen weiteren Ort der 40-tägigen Wüstenzeit Jesu. Hier hatte der Satan Jesus die Herrschaft über die Welt angeboten, wenn er sich zum Teufelsanbeter erniedrigen würde …

„Es gibt viel zu tun – packen wir es an!“, hieß einmal der Slogan eines Benzinkonzerns. So etwas Ähnliches hatten wohl die Menschen jetzt auch von Jesus nach seiner Taufe im Jordan durch Johannes erwartet. Als der Geist Gottes auf ihn herabgekommen war und die Stimme seines Vaters sprach: „Dies ist mein geliebter Sohn.“

Also Aufbruch ist endlich angesagt. Und Jesus geht in die Wüste. Er soll dort der Versuchung ausgesetzt werden. Die Regie führt dabei wiederum Gott – und nicht der Teufel. Der Diabolos, der Durcheinanderbringer, kann nur aktiv werden, insofern der Allmächtige es zulässt. Die Versuchung ist also keine unerwartete Panne.

Jesus befindet sich mit der Taufe an der Schwelle zwischen dem unscheinbaren Leben eines Handwerkers und seinem öffentlichen Wirken. Die 40 Tage dazwischen sollen ihn vorbereiten. Ohne diese Auszeit wäre er umgeben von einem Zuviel an Lärm, Eindrücken, Fragen. Dort auf dem Berg Quarantal beginnt Jesus sein Leben total nach dem Willen seines himmlischen Vaters auszurichten. Um den richtigen Weg einzuschlagen, muss er konsequenterweise zum falschen Weg sein „Nein“ sagen …

Der Diabolos verspricht Jesus Anteil an seiner Macht: „Mit mir wirst du ein Herrscher der Welt!“ Nach dem Willen seines himmlischen Vaters wird Jesus zweifellos Herr der Welt sein, indem er sie erlöst, befreit von der Macht des Bösen und des Todes. Der Weg dorthin ist steinig und führt durch Leiden und Sterben hindurch … Deshalb dieser letzte Anlauf des Teufels mit dem Angebot: „Warum nicht gleich Herr der Welt sein? Ohne Leiden! An meiner Seite! Ist das nicht attraktiv genug?“

Auch der Mensch ist ähnlichen Versuchungen ausgesetzt: Nur den eigenen Interessen dienen! Selbstvergewisserung durch Grenzüberschreitungen und Streben nach Macht. Wenn sich jemand einen Namen gemacht hat, im Beruf, in der Welt der Wissenschaft, in der Kirche, dann kann er endlich mit sich selbst zufrieden sein. Wenn einer alles mitgenommen hat, was ihm erstrebenswert erscheint, ist dann seine Lebenssehnsucht gestillt? Oder trügt der Schein nicht doch?

Gekürzt aus: Karl-Heinz Fleckenstein, Berge im Land der Bibel, Verlag Be&Be

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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