Zeitdiagnose | Teil 09
Das Grab ist leer!

Die „Grabeskirche“ in Jerusalem befindet sich an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu. Sie wird von orthodoxen Christen als „Auferstehungskirche“ (Anastasis) bezeichnet.
  • Die „Grabeskirche“ in Jerusalem befindet sich an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu. Sie wird von orthodoxen Christen als „Auferstehungskirche“ (Anastasis) bezeichnet.
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Wer am Ostersonntagnachmittag im ORF-Teletext auf Seite 133 gelandet ist, dürfte nicht wenig erstaunt gewesen sein. Dort stand doch klar und unmissverständlich: „Christen aus aller Welt haben im Heiligen Land Ostern gefeiert.

Zum Gedenken an die Auferstehung von Jesus Christus wurde in der Grabeskirche in Jerusalem eine Messe zelebriert. Nach christlicher Überlieferung liegt der Heiland in dieser Kirche begraben.“

Kein Grund zur Aufregung?

Nun sind wir Medienkonsumenten schon einiges gewohnt. Alle Jahre mehrmals wieder sorgen Straßenbefragungen zum Sinn und Ursprung christlicher Feste in den diversen Talkshow- und Treffpunktformaten für ungläubiges Staunen bei den einen und schenkelklopfendes Überlegenheitsgelächter bei den anderen. Aber hier ist zumindest – hoffentlich – davon auszugehen, dass viele befragt werden müssen, um wenige dieser skurrilen Antworten zu bekommen.

Nicht ganz unabhängig davon sollte aber auch hier nicht einspruchslos zur Tagesordnung übergegangen werden. Zum einen ist das „Vorführen“ von Menschen zur Belustigung anderer zwar das Grundprinzip von immer mehr Unterhaltungsformaten, mit der ungeteilten Würde aller Menschen ist dies aber nur schwer vereinbar. Zum anderen zeigen uns diese Programme aber auch mehr als nur unterschwellig, dass das Fehlen religiösen Basiswissens kein Grund zur Aufregung ist. Alles nur Spaß. Oder?

Bloß: Der ORF-Teletext sollte nicht der Unterhaltung, sondern der Information dienen. Die drei zitierten Sätze sind auch nicht mit dem Gebot der religiösen Neutralität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens begründbar. Natürlich muss beim ORF niemand den Auferstehungsglauben unhinterfragt verkünd(ig)en, aber wenn schon von der „christlichen Überlieferung“ die Rede ist, dann sollte nicht vom begrabenen Heiland, sondern vom Glauben an das leere Grab berichtet werden. Dass der Verfasser oder die Verfasserin dieser Teletextzeilen auch noch meint, dass nur eine (!) Messe in der Grabeskirche gefeiert wurde, ist schon wieder fast so skurril wie die oben angesprochenen Talkshow-Befragungen.

Verständnislosigkeit

Das Folgende mag Spekulation sein, aber die Vermutung liegt nahe: Der kurze redaktionelle Teletexteintrag dürfte – sehr naheliegend – als Quelle die meist sehr seriösen ORF-Online-Religionsseiten haben. Dort heißt es: „An der Kapelle des Heiligen Grabes, wo der Überlieferung nach Jesus bestattet worden war, zelebrierte der für die christlichen Stätten im Heiligen Land zuständige katholische Franziskaner-Kustos Pierbattista Pizzaballa eine Messe.“

Nur, wenn aus dem geschickt gewählten, weil auferstehungsoffenen Verbum „bestattet“ ein plattes „begraben liegt“ wird, dann muss zumindest die Frage erlaubt sein, wie wenig Grundverständnis für den christlichen Glauben in der Mitte der veröffentlichten Meinung vorhanden ist.

</p>

Hans Putzer

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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