Schön fürs Leben | Teil 02
Dankbarkeit als Haltung christlicher Spiritualität

Danken kommt vom Denken!

Sie klingt nicht nach Arbeit wie etwa die asketische Spiritualität. Sie lässt sich vom Schönen überraschen. Allerdings verlangt auch diese Spiritualität unser Tun. Denn es braucht Achtsamkeit, um das Schöne wahrzunehmen. Und es bedarf unserer Ehrfurcht. Ohne Ehrfurcht verbirgt sich das Schöne vor unseren Blicken. Die Spiritualität der Schönheit ersetzt auch nicht die anderen Formen der Spiritualität. Aber sie ergänzt sie und gibt ihnen einen Geschmack von Freude und Liebe. Denn, wie Thomas von Aquin sagt: Schön ist das, was als Erschautes gefällt. Das Schöne gefällt, erfreut. Und das Schöne ruft Liebe hervor. Aber das Schöne ist nicht ein moralischer Appell, dass wir einander lieben sollen. Es weckt vielmehr die zweckfreie, noch nicht auf irgendein „Objekt“ gerichtete Liebe in uns. Im Schönen – so lesen wir bei Simone Weil – begegnet uns das zärtliche Lächeln Jesu.

Die Spiritualität der Schönheit betont vor allem menschlichen Tun das Empfangen des Menschen. Die Schönheit ist uns vorgegeben. Sie ist schon da, bevor wir etwas tun. Unsere Aufgabe ist, das, was Gott uns in der Schönheit geschenkt hat, dankbar anzunehmen. Wir sollen die Schönheit empfangen wie ein Gast, der uns entgegenkommt.

Ursprünglich ist das Empfangen nichts Passives, sondern ein aktives Aufnehmen dessen, was mir entgegenkommt. Andererseits wird Empfangen auch als das passive Hinnehmen einer Wohltat verstanden, die uns erwiesen wird. Und wir sprechen von Empfangen im Sinne von Schwangerwerden. Alle drei Bedeutungen sagen etwas über die Spiritualität der Schönheit aus. Wir nehmen aktiv das in uns hinein, wir nehmen in unser inneres Seelenhaus auf, was uns in der Schönheit des Seins, in der Schönheit der Natur oder der Kunst entgegenkommt. Wir empfangen in der Schönheit die Wohltat Gottes. Wir öffnen unsere Hände, damit wir die Schönheit aufnehmen können. Und indem wir die Schönheit in uns aufnehmen, werden wir schwanger davon, wird die Schönheit unseren Leib und unsere Seele verwandeln. Es wächst etwas Neues in uns. Wir werden fruchtbar.

Zu diesem dreifachen Sinn des Empfangens gehört aber auch die Dankbarkeit. Danken kommt von denken. Wenn wir richtig denken, wenn wir über die Welt angemessen nachdenken, dann werden wir dankbar für die Schönheit, die uns in allem begegnet. Täglich dürfen wir Schönes empfangen. Wir schauen mit den Augen ständig das Schöne, das in allem verborgen ist. Wir hören schöne Worte und schöne Musik. Wir sind dankbar für all das Schöne, das uns entgegenkommt und uns täglich geschenkt wird. Die Dankbarkeit ist eine wesentliche Haltung christlicher Spiritualität. Der Höhepunkt christlicher Gottesdienste ist die Eucharistie, die Danksagung für die schönen Werke Gottes, für das schöne und gute, für das angemessene und heilsame Handeln Gottes in Jesus Christus.

Aus: Anselm Grün, Schönheit. Eine neue Spiritualität der Lebensfreude, Münsterschwarzach: Vier-Türme-Verlag 2014.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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