Christentum - Ein Reiseführer | Etappe 077
Bioethik

Wo ökonomische Verzweckung das tradierte Verständnis von Menschenwürde aufzulösen droht, stellt die christliche Botschaft das entscheidende Korrektiv dar.
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Der Mensch – sein eigener Schöpfer?

Die Bioethik ist Anfang der 1970er Jahre entstanden, als die traditionelle medizinische Ethik die neuen biotechnischen Forschungen und Entwicklungen nicht mehr ausreichend erfasste. Neu ins Blickfeld gerieten nun ganz neue Eingriffsmöglichkeiten in die Zusammenhänge des Lebens, bei denen Helfen, Heilen, Manipulation und Selektion dicht nebeneinander lagen und bis heute liegen.

Genetik und Gentechnik

Grundlage der Genetik ist die Erkenntnis, dass der „Bauplan“ jedes Lebewesens im Zellkern jeder einzelnen Körperzelle enthalten ist. Dieser Bauplan, der genetische Code, enthält sämtliche Informationen, durch die die äußere Gestalt des Lebewesens sowie alle seine entscheidenden Lebensfunktionen gesteuert werden. Das Erbmaterial aller Organismen auf der Erde – egal ob Bakterien, Pflanzen, Tiere oder Menschen – besteht aus dem gleichen chemischen Stoff „Desoxyribonukleinsäure“ (DNS/DNA).

Gentechnik versucht auf der Grundlage der Erkenntnisse der Genforschung, mit vielfältigen Methoden fremde oder gar künstlich erzeugte Gene in die Zellen von Organismen einzuschleusen, um so über die natürlichen Artgrenzen hinweg Erbsubstanzen zu übertragen. Während in der Natur der Austausch von Erbinformationen durch Sexualität über Artgrenzen hinweg verhindert wird, kann diese natürliche Barriere durch den Eingriff des Menschen nun durchbrochen werden.


Einsatzgebiete

Während in den Augen vieler Wissenschaftler die Gentechnik zum Vorreiter des Fortschritts und zur Brücke in eine menschenwürdigere Zukunft geworden ist, mit der die Infragestellung überlieferter Werte und die Entwicklung zeitgemäßer Normen einhergeht, halten Kritiker sie andererseits für das Einfallstor von Unmenschlichkeit und Grausamkeit und sprechen ein radikales „Nein“ zu jeglichem Einsatz von Gentechnik aus. „Wir sind besser als Gott“, werden amerikanische Wissenschaftler zitiert.

Wir glauben: Der Mensch ist Abbild Gottes. Als solcher darf er niemals Mittel zum Zweck sein, Objekt oder Ersatzteillager. Aber es ist ihm auch der Auftrag erteilt, sich die Erde verfügbar und nutzbar zu machen, den „Garten Eden“ zu bebauen und für künftige Generationen zu erhalten. In diesem Kontext widerspricht ein Eingriff in die Lebensprozesse, wie ihn die Gentechnik ermöglicht – so er nicht lebenszerstörend, sondern lebensfördernd ist –, aus theologisch-ethischer Sicht zunächst keineswegs dem biblischen Verständnis vom Menschen.

Für bestimmte Erkrankungen beispielsweise können durch genetische Verfahren Medikamente oder Arzneimittel mit geringem Aufwand und größerer Sicherheit hergestellt werden, die bereits vielfach in Gebrauch sind (Insulin bei Diabetes; Interferonen gegen Krebs; körpereigene Schmerzmittel). Stets sind also Güterabwägung und eine sittliche Bewertung nach Berücksichtigung der Fakten und Folgen eine wichtige Prämisse.

Der entscheidende Unterschied für die ethische Bewertung des Einsatzes der Gentechnik liegt daher nicht so sehr in der Methode, sondern in der Zielsetzung: So mag eine genetische Therapie als Beseitigung von Erbschäden im Sinne einer negativen Eugenik berechtigt und durchaus sittlich verantwortbar sein, während eine positive Eugenik im Sinne einer Züchtung von bestimmten Menschentypen und Eigenschaften weiterhin abzulehnen ist.

Der Respekt vor dem Leben des anderen ist eine Grenze, die nie überschritten werden darf, weder aus wirtschaftlichen Gründen noch aus Gründen des Wettbewerbs konkurrierender Forschungsinstitute.

Wo ökonomische Verzweckung das tradierte Verständnis von Menschenwürde aufzulösen droht, stellt die christliche Botschaft das entscheidende Korrektiv dar.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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