Mein Kraftort_6: Kärnten
Auf dem Weg zur hl. Hemma

Johannes Paul II. betet vor dem Grab der hl. Hemma. Er war der erste Papst, der Gurk (1988) besuchte.
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  • Johannes Paul II. betet vor dem Grab der hl. Hemma. Er war der erste Papst, der Gurk (1988) besuchte.
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Papst Johannes Paul II. betete an ihrem Grab. Die heilige Hemma von Gurk, Landespatronin von Kärnten, zieht Menschen aus ganz Europa an, die auf ihre Fürsprache vertrauen.

Ingeborg Jakl

Der Blick hinaus aus den Fenstern führt den Besucher über satte grüne Berghänge zu beiden Seiten hinauf. Im Vordergrund öffnet sich der Innenhof mit der mächtigen Linde, die einige hundert Jahre alt und stumme Zeugin einer bewegten Geschichte ist. Kelten, Römer und Bajuwaren versammelten sich im Laufe der Geschichte in diesem Hof.

Daneben ragen die mächtigen Türme des Domes in den blauen Nachmittagshimmel. Vogelgezwitscher auf der einen, Blütenduft vom nahe gelegenen Kräutergarten auf der anderen Seite. Ein Büro wie dieses, mitten im Torbogen von Gurk, wünscht sich manch einer.
Ignaz Weyrer, Forstverwalter des Domkapitels, lächelt. Zu oft ist er hier allerdings nicht anzutreffen. Als Förster ist er häufig im Revier unterwegs. Rot- und Rehwild, Mufflon, aber auch Wildschweine sowie Biber, Marder und Co. finden in den umliegenden Wäldern und in der Gurk reichlich Nahrung. Weyrer ist für die Erhaltung des Waldes zuständig. Nachhaltig wirtschaften steht an erster Stelle. „Gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Anliegen!“ Nicht, weil er justament jene Wälder hegt und pflegt, die einst die heilige Hemma, Kärntens Landespatronin, in ihre Stiftung einbrachte und die noch heute Bestand haben. Auch die Wege, die Pilgergruppen aus ganz Österreich und den benachbarten Regionen und Ländern nutzen, müssen gepflegt sein.

Mit Glockengeläut
Die Idylle der Berglandschaft lässt eigentlich nicht vermuten, dass sich hier, mitten im Gurktal, Kärntens bekanntester Wallfahrtsort befindet. Wer sich auf den Weg macht, mit Bus, Auto, Fahrrad oder zu Fuß, befindet sich auf uralten Pilgerpfaden. Innere Ruhe finden, Verbundenheit mit der heiligen Hemma spüren und fern vom Alltag neue Kraft und Energie tanken – das ist ein großes Anliegen. Schwester Camilla Franz, CPS., Missionsschwester vom Kostbaren Blut, Stift Gurk, weiß das und begrüßt jede Pilgergruppe mit Glockengeläut.
Es ist eine wohltuende Wirkung, die Pilger auf ihrem Weg erfahren. Das berichtet Monika Gschwandner-Elkins, die als Pilgerbegleiterin viele Gruppen auf dem bekannten Hemmapilgerweg nach Gurk begleitet hat. Hier, an diesem Ort, passiert etwas mit einem, kann sie immer wieder feststellen. „Man muss hingehen, da sein, der Ort nimmt einen mit und für sich ein.“

Am Grab der heiligen Hemma
„Hier vor dem Grab der hl. Hemma sammeln sich die Pilger in gläubiger Hinwendung“, sagt Stiftspfarrer Gerhard Kalidz. Da spielen Namen und Stand keine Rolle, denn hier sind alle gleich. Die Sorgen und Nöte, die jeder mit sich trägt, werden vor ihr vertrauensvoll ausgebreitet. Der Glaube an das Gebet und ihre Fürsprache hat diesen Ort groß gemacht. Wer einmal hier gebetet hat und seine Innerlichkeit nach außen gekehrt hat, weiß, was es heißt, Hoffnung zu schöpfen. Die hl. Hemma ist dabei vielen Menschen zum Vorbild geworden. Ihr Glaube und ihr Vertrauen haben sie in den schwierigsten Lebenssituationen nie verlassen.
Die imposante Domkirche ist eine zwischen 1140 und 1200 erbaute hochromanische Pfeilerbasilika und zählt zu den bedeutendsten Bauten der Romanik in Österreich. Die Anlage wird durch die Doppelturmfassade im Westen mit Bischofskapelle, das Querhaus und den gleichmäßigen Dreiapsidenschluss im Osten geprägt.

PrachtvollUnter dem Chorraum befindet sich die Krypta mit ihren beeindruckenden 100 Säulen und dem Grab der hl. Hemma von Gurk. Die Krypta gilt als Höhepunkt der romanischen Baukunst. Heerscharen von jungen Menschen haben auf dem Weg zur Firmung hier ein kleines Meisterstück bestanden und das Grab mutig auf allen Vieren liegend durchkrochen.

Das Herzstück des Domes ist der vergoldete Hochaltar. 16 Meter hoch, enthält er 72 Figuren und 82 Puttenköpfe. Um diese Pracht auf sich wirken zu lassen, gibt es die kleine und die große Domführung. Je nach Wissensdurst.
Und wer zunächst einmal seinen leiblichen Hunger und Durst stillen möchte: Gurk hat eine durchaus bemerkenswerte Einkehr- und Gasthauskultur, die dem Gast tatsächlich das Gefühl gibt, neben seinen vorab gewonnenen spirituellen Erkenntnissen auch profan gut aufgehoben zu sein.

Kräuter aus Gurk
Gestärkt geht es dann durch die Schatzkammer Gurk. Die Sammlung befindet sich in den restaurierten und museal eindrucksvoll adaptierten Räumen des barocken Propsteihofes. Insgesamt zehn Räume gewähren einen repräsentativen Einblick in die religiöse Kunst vergangener Epochen in Kärnten.
Zu den Kostbarkeiten zählen u. a. die Magdalenenscheibe aus Weitensfeld (Österreichs älteste Glasmalerei, 1170), der romanische Hölleiner Kruzifixus (1170/1180) und die Hemmareliquien (Ring, Anhänger, Schuh und Hut).
Nur wenige Meter weiter wartet ein idyllischer Kräutergarten. Der Kräuterlikör im Zeichen des Gurker Domes bietet ein traditionelles österreichisches Produkt in erstklassiger Qualität. Der „Gurktaler“ verdankt seinen milden Geschmack der ausgewogenen Zusammensetzung von frischen Kräutern eben hier aus dem Gurktal. Aber nicht nur der Duft umweht die Geruchssinne, sondern im angrenzenden Domladen lässt sich ein Stamperl probieren und erwerben. Daneben gibt es Kerzen, Bücher, Rosenkränze – nichts, das von seinem Mitbringselcharme je eingebüßt hätte.

Tipps
Schatzkammer
Geöffnet bis 31. Oktober, Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr (letzter Einlass 16.30 Uhr).

Jufa-Stiftshotel, Eingang direkt im
Innenhof, Tel. (05) 70 83-600,
E-Mail: gurk@jufa.eu

Domladen und Domführungen:
Tel. (0 42 66) 82 36-12.

Hemmapilgerweg
www.pilgerwege-kaernten.at

Schloss Straßburg, ehemaliger Sitz der Bischöfe von Gurk, bis September geöffnet.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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