Prof. Franz Weiß. Zum 100. Geburtstag
Er hat gesät, wir ernten

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Prof. Franz Weiß. Zum 100. Geburtstag eines Künstlers, der die Steiermark mit seinem Werk so reich beschenkt hat.

Franz Weiß, säe Du, und lass uns ernten für die Zeit nach dem Tod.“ So endet Hermann Masser sein Gedicht „Franz Weiß. Ein Versuch“ in der 1988 von Ernst Lassnik herausgegebenen Künstlerbiographie „Franz Weiß“. Und das Schaffen des weststeirischen Künstlers hat eine enorm reiche Ernte beschert. Sein 100. Geburtstag am
18. Jänner gibt Gelegenheit, diese Ernte erneut in den Blick zu nehmen. „Sein Atelier ist die Steiermark“, sagte einst der damalige Kulturlandesrat Prof. Hanns Koren über ihn. Aber auch über unser Land hinaus, bis nach Peru oder Papua Neuguinea, hat das Werk von Prof. Franz Weiß bleibende Spuren hinterlassen.

„Kaum ein anderer prägte die Steiermark wie er“, würdigt Johann Baumgartner, Kulturreferent des Steiermarkhofs, in der Festschrift „Franz Weiß. Eine Hommage zum 100. Geburtstag“ das „Urgestein der steirischen Moderne“. Die Festschrift wird nach dem Lockdown gedruckt werden. Bekanntes und Unbekanntes aus dem reichen Künstlerleben von Franz Weiß bringt sie ins Wort und vor allem ins Bild.

Im Bildungshaus Schloss St. Martin wird es anlässlich des 100. Geburtstages ab 3. März eine Ausstellung geben. St. Martin war für Franz Weiß eine zweite Heimat gewesen. Es steht für Werte, von denen auch seine Kunst kündet. Sehr verbunden war er auch stets mit der Buchhandlung Regner und der dahinterstehenden Familie gewesen.

Die Heimat und der Glaube gehörten zu den tiefen Wurzeln, aus denen Franz Weiß für seine Kunst schöpfte. In seinem Heimathaus im weststeirischen Tregistgraben nahe Voitsberg, einem von seinem Vater errichteten Holzhaus, lebte er einfach und authentisch und hatte er auch sein Atelier. In seinen Werken zeigt er sich immer wieder als Freund der Schöpfung und als Zeuge eines selbstverständlichen Glaubens. In den zahlreichen Glaubenszeichen, die er in unserer Heimat gestaltet hat, kündet er von den Erzählungen und Vorbildern unseres Glaubens und spricht immer auch das Herz an. Ehrlich und aufrichtig ist seine dem Gegenständlichen verpflichtete Kunst, Ausdruck eines Menschen, der seine Heimat liebte, vom Glauben überzeugt war und den Menschen offen begegnete.

„Es gab kein Material, das unter seinen Händen nicht die Würde der Kunst erhielt.“ So würdigt Margit Stadlober in der Festschrift die Vielseitigkeit dieses Künstlers auch in den Techniken: Plastik ebenso wie Malerei, Aquarell und Acryl, Freskomalerei, Glasmalerei, Mosaike, Emailarbeiten, Holzschnitte oder textile Werke gehören unter anderen dazu. Wie ein Gesamtkunstwerk fasst die Tregister Dorfkapelle seiner Heimat, 1986 bis 1992 geschaffen, diese Vielfalt zusammen.

„Ich danke Gott für die Begegnungen mit so vielen wertvollen Menschen“, wird Franz Weiß in der Festschrift zitiert. Viele, auch viele seiner Auftraggeber, sind dem bescheidenen Professor zu Weggefährten und zu Freunden geworden. Die reiche Ernte eines schaffensfrohen Herzens wird nicht aufhören, Gedanken und Herzen anzusprechen.


Prof. Franz Weiß (1921–2014): Stationen eines Weges
Geboren am 18. Jänner 1921 in Södingberg als fünftes von sieben Kindern des Kleinbauern und Tischlers Vinzenz Weiß und seiner Gattin Anna Weiß.
1924 Übersiedlung der Familie in den Tregistgraben bei Voitsberg.
1927 bis 1935 Volksschule und Arbeit als Hüterbub und Milchträger.
1938 bis 1940 und ab 1945 in der Kunstgewerbeschule in Graz Schüler von Werner Seidl und Wilhelm Gösser (Bildhauerei) sowie Rudolf Szyszkowitz (Malerei).
Dazwischen Krieg und Kriegsgefangenschaft.
1948 bis 1951 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien Schüler von Herbert Boeckl und Albert Paris Gütersloh.
1962 Diplom zum „Akademischen Maler“.
Vielfältiges Wirken als freischaffender Künstler, als Bildhauer, Maler und Grafiker. Internationale Kurse z. B. in Augsburg und Brixen. Sein Werk umfasst rund 500 Hinterglasbilder, 400 Holzschnitte sowie rund 500 Objekte für den öffentlichen Raum (mit vorwiegend sakralen Inhalten) an 246 Orten in Österreich und im Ausland.
2004 Gründung des gemeinnützigen Vereines „Freunde Franz Weiß im Imma Waid-Haus“, Mariazell.
2009 Eröffnung des „Prof.-Franz-Weiß-Museums“ in der ehemaligen Volksschule Tregist.
2010 Übersiedelung in die Compass Seniorenresidenz Stallhofen.
Am 4. Juni 2014 ist Prof. Franz Weiß im Alter von 93 Jahren gestorben.
Prof. Weiß wurde mit vielen Auszeichnungen von Gemeinden, Land, Bund und Kirche gewürdigt. Über sein Werk wurden zahlreiche Publikationen herausgegeben. Viele Verwandte und Freunde und namentlich auch Berta F. Prassl standen ihm bis zuletzt zur Seite und gaben Bücher über die Sparten seiner Kunst heraus.
Am wichtigsten war dem bescheidenen und fröhlichen Künstler die Begegnung und Freundschaft mit so vielen Menschen, die in seinem Leben gewachsen ist.

Festschrift
„Franz Weiß. Eine Hommage zum 100. Geburtstag“, hg. von Berta F. Prassl, Eigenverlag Steiermarkhof, erscheint demnächst.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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