Sonntag - Teil 06
Zeichen der Einheit

Sonntag ist der Haupt-Tauftag. Die Tauffeiern sollten in der Gottesdienstordnung aufscheinen, weil die Tauffeier ein selbstständiger Gottesdienst ist.
  • Sonntag ist der Haupt-Tauftag. Die Tauffeiern sollten in der Gottesdienstordnung aufscheinen, weil die Tauffeier ein selbstständiger Gottesdienst ist.
  • Foto: Foto: Josef Heinz
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Dr. Reinhard Meßner, Univ.-Prof. für Liturgiewissenschaft in Innsbruck, war in diesem Jahr der Referent des Fachtages für Liturgie. Wir bringen hier den 2. Teil der Zusammenfassung seines Referates „Sonntag feiern“.

 

Die Messe am Sonntag ist Zeichen der Einheit des Volkes Gottes

Wir sind in größter Gefahr, dass wir uns in einen religiösen Dienstleistungsbetrieb für Einzelne verwandeln. Die Messfeier darf als Zeichen der Einheit des Volkes Gottes nicht zum Angebot für Einzelne verkommen! In Korinth hat der Apostel Paulus die Praxis der vielen Tische beim einen Herrenmahl angeprangert (1 Kor 11,17-34). Die Versammlung darf nicht aufgeteilt werden, sonst ist es kein Herrenmahl mehr, sonst stellt es den Leib Christi nicht dar.

In der Orthodoxie gilt bis heute die Regel: an einem Tag auf einem Altar eine Eucharistie. In der römisch-katholischen Tradition ha-ben wir die Häufigkeit der Messe vom Priester her geregelt: Ein Priester soll an einem Tag eine Messe (im Notfall auch zwei Messen und im absoluten Notfall – mit Einzelerlaubnis des Bischofs – drei Messen) feiern. Die eine Sonntagsmesse lebt noch in der Ordnung der Messstipendien weiter: Der Pfarrer muss am Sonntag eine Messe für die Pfarre feiern.

Nur wenn der Kirchenraum zu klein ist, sollte am Sonntag eine zweite Messe gefeiert werden. Wenn schon mehrere Messen gefeiert werden, dann sollte sich die Hauptmesse in der Gestaltung von den anderen wirklich unterscheiden.

 

Die Eucharistiefeier prägt die Kultur mit

Das kulturelle Niveau der Sonntagseucharistie hat über Jahrhunderte die Gesamtkultur geprägt. Die Kultur der Sonntagseucharistie müsste auch heute der Lebenskultur der Gesellschaft entsprechen und sie mitprägen.

Die Sprach- und Musikkultur unserer Gottesdienste kann zwar nicht mehr unsere Gesamtkultur entscheidend prägen, aber sie soll nicht belanglos sein.

 

Eucharistie ist keine 
Lehrveranstaltung

Manchmal hat man den Eindruck, dass in der Eucharistie einzelne Personen hintereinander ihren Auftritt haben. Alles wird der Gemeinde gegenüber als Text vorgetragen (Begrüßung, Lesung, Predigt, Fürbitten, Gesang, Meditation…). Wenn alles im Gegenüber erlebt wird, wirkt sich das problematisch auf die Erfahrung der Feier aus.

Was tun wir, damit die Eucharistie als gemeinsame Feier der Auferstehung erlebt werden kann?

 

Eucharistie schmeckt nach Vollendung

Alles Leibliche ist religiös besonders bedeutend, weil wir mit Leib und Seele himmlisch kommunizieren. Religion ist nicht etwas rein Geistiges, denn der Tempel des Heiligen Geistes ist der Leib.

Der Wein ist das Zeichen der Freude des Christseins, die aus der Geistsendung kommt. Der Wein ist der Vorgeschmack auf das Mahl des Himmels. Wir empfangen Christus im Essen und Trinken, in Brot und Wein. Warum ändert sich da in der Praxis von unten nichts?

Wie gehen wir mit der Materie Brot um? Kein Kommunikant erkennt am Geschmack, dass die Hostie ein Brot ist. Im Gegenteil, wir müssen denken, dass die Hostie ein Brot ist. Warum soll das eucharistische Brot nicht vorzüglich schmecken, wenn es doch um einen Vorgeschmack auf die Vollendung geht? Die liturgische Ordnung schreibt reinen Weizen und reinen Wein vor, also wertvollstes Brot und besten Wein. Das darf man, soll man schmecken.

Die Liturgiekreise sollten einmal alle leiblichen Vollzüge einer Inventur unterziehen!

 

Vesper statt Vorabendmesse

Was markiert in der christlichen Tradition den Sonntagsbeginn? In der jüdischen Tradition gibt es in der Hausliturgie und in der Syna-goge einen eigenen Sabbateröffnungsritus. Es würde schon einen großen Unterschied darstellen, wenn der Priester das Stundengebet – vor allem am Samstagabend die Vesper – nicht im Schlafzimmer, sondern in der Kirche beten würde.

 

Die Wortgottesfeier am Sonntag

Ein allzu regelmäßig gefeierter Sonntagswortgottesdienst kann zur Nivellierung der Sonntagseucharistie führen. Da müssen wir uns etwas überlegen. Besonders wichtig ist es, die Form des Wortgottesdienstes (auf keinen Fall mit Kommunionfeier) so zu wählen, dass er nicht als eine „andere Messe“ (kleine Messe) erlebt werden kann.

Leider haben wir die Mentalität eines eigenartigen Eucharistieverständnisses verfestigt: Die Messe besteht aus Wandlung und Kommunion, und zwar als zwei verschiedenen Vollzügen. Der Priester konsekriert die Hostien, die dann in vielen anderen Messen den Gläubigen aus dem Tabernakel gespendet werden.

Die Kommunion der Gemeinde soll in die Eucharistiefeier integriert werden, damit alle Mitfeiernden von den aktuell konsekrier-
ten Gaben vom Altar kommunizieren.

 

Sonntagslicht – 
Sonntagsbibelgespräch

Sonntag feiern wir nicht nur in der Kirche, sondern auch zu Hause. In der jüdischen Tradition ist der Sabbat wesentlich in den Riten der Familie verankert (Entzünden der Sabbatkerzen durch die Frau des Hauses, und anderes). In der evangelischen Kirche gibt es noch die Tradition der Sonntagsbibellesung zu Hause.

Wir könnten auch in der katholischen Kirche eine neue Sonntagstradition prägen, durch das Sonntagslicht beim Sonntagsmahl. Auch eine Sonntagsbibel, ein Sonntagsbibelgespräch zu Hause könnte die Bedeutung der Bibel im Leben der Gläubigen vertiefen.

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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