Sonntag - Teil 5
Welt als Schöpfung

Sonntag ist der Tag der Begegnung mit dem Auferstandenen. Im Bild: Rudolf Szyszkowitz, Ostern, Kapelle des Priesterseminars Graz.
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Reinhard Meßner, gebürtiger Ju-
denburger, Univ.-Prof. für Liturgiewissenschaft in Innsbruck, war in diesem Jahr der Referent des Fachtages für Liturgie. Das Thema, Sonntag feiern, ist brandaktuell, denn die meisten steirischen Pfarren sind bei einer Besuchsaktion dabei, durch die der Sonntag in unserer Gesellschaft, in der Kirche und in den Familien thematisiert werden soll. Einige Grundaussagen aus den Referaten über den Sonntag, warum und wie wir ihn feiern, könnten helfen, das Gespräch über unsere Sonntagskultur zu vertiefen.

 

Der Sonntag ist nicht der Sabbat

Wir dürfen durch die vollständige Gleichsetzung der Inhalte den jüdischen Glaubenden ihren Sabbat nicht wegnehmen. Der Sonntag ist nicht vorrangig von der Arbeitsruhe her zu definieren, sondern von der Auferstehung.

In der Diskussion um die Sonntagskultur sollten die Christen mehr einbringen als die Debatte um den arbeitsfreien Sonntag.

Sonntag ist nicht der letzte, sondern der erste Tag der Woche.

Der Sonntag ist als erster Tag der Schöpfungswoche (Genesis 1) ein Zeit-Zeichen für das ständig neue Werden des Lebens aus dem Chaos. Der Sonntag ist ein Zeit-Zeichen, dass sich das Licht gegen die Finsternis durchsetzt, und zwar nicht als abgeschlossenes Ereignis, sondern als täglich neues Werk Gottes.

Am Sonntag ist also die Pflege der Leiblichkeit, die Pflege der materiellen Welt und der materiellen Kultur angesagt und die Würdigung der Welt als Schöpfung Gottes.

 

Das Zeichen des leeren 
Grabes: der erste Tag der 
neuen Schöpfung

Der Wochenrhythmus ist ein Zeit-Zeichen für die Welt als Ganzes. Der Sonntag ist als 8. Tag ein Zeit-Zeichen für die Begegnung mit dem Auferstandenen, die schon über unsere Zeit hinausreicht. Der Auferstandene beendet das Chaos der Nacht und des Leibes. Er ist der erste Mensch der neuen Schöpfung.

Bei der Gestaltung des Sonn-tags soll etwas von der neuen Welt der Gemeinschaft mit 
dem Auferstandenen „hereinblitzen“.

Sonntag ist Tag der Begegnung mit dem Auferstandenen

Wir leben heute davon, dass der Auferstandene uns entgegenkommt als der Lebendige, der bei Gott lebt und mit dem wir jetzt in Verbindung stehen. Wir sehen eine menschliche Tischgemeinschaft mit Brot und Wein, aber in diesem Geschehen kommt uns der Auferstandene entgegen wie den Emmausjüngern (Lukas 24,13–34).

Die Sonntagseucharistie soll die Einheit der Menschheit über alle Grenzen zum Ausdruck bringen. Sonntagseucharistie ist eine Feier von Lebenden und von Toten, von Menschen und Engeln.

 

Sonntag ist der Tag 
der Geistsendung

Da Ostern und Pfingsten im Zeugnis der Bibel ein Zeitraum sind, ein großer Tag der Heilsgeschichte, ist der Sonntag auch immer ein Pfingstereignis. Pfingsten ist nicht ein Fest, bei dem der Geist nur einem Einzelnen, sondern einer neuen Gesellschaft gegeben wird (deshalb die Anwesenheit der vielen Völker, Apostelgeschichte 2). Der Geist schafft das Volk Gottes als eine die Menschheit umspannende Gesellschaft.

Die Gestaltung der Sonntags­eucharistie ist der weltumspannenden Gemeinschaft des Volkes Gottes verpflichtet, die der Geist immer wieder neu schafft.

 

Eucharistiegemeinschaft 
verbindet Lebende und Tote

Der Sonntag ist der Tag, an dem wir zur himmlischen Gottesstadt hinzutreten: Wir dürfen über den Zaun in den Himmel schauen. Wir sind im Himmel eingetragen, haben eine himmlische Staatsbürgerschaft. Dass Verstorbene im Hochgebet genannt werden, ist nicht primär eine Fürbitte, sondern vor allem eine Verkündigung, dass die Todesgrenze gefallen ist.

 

Der Sonntag ist der Tag der öffentlichen Versammlung 
zur Eucharistie

Sonntag ist nicht vorrangig ein Tag für den Einzelnen, sondern ein Tag, an dem sich die Kirche als Ganze darstellt. Die konkret Feiernden stellen die irdische und die himmlische Kirche dar. Die Bischöfe werden als Vertreter der weltumspannenden Kirche genannt, ebenso die Heiligen im Himmel.

Wenn die Kirche sich am Sonntag nicht mehr als Gemeinde öffentlich versammelt, hört sie auf, Kirche zu sein.Erwin Löschberger

Sonntag ist der Tag der Begegnung mit dem Auferstandenen. Im Bild: Rudolf Szyszkowitz, Ostern, Kapelle des Priesterseminars Graz.
Der aus der Steiermark stammende Theologe Dr. Reinhard Meßner referierte beim Fachtag Liturgie auf Schloss Seggau.
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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