Kundschafter - Teil 4: Kundschafter in Erfurt
Weihnachtslob für Heiden im Erfurter Dom


Als familiär erlebten (von links) Pfarrer Matthias Keil, Barbara Riegler und Silvia Treichler die Mentalität der Katholiken in Thüringen.
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Gottesdienste für Nichtchristen, aber auch selbstbewusste Katho-liken sahen Kundschafter(innen).

 

Schlicht „Wanke“ steht bei der Türklingel des Bischofs von Erfurt, Joachim Wanke. Den Seelsorgeamtsleiter, einen Domkapitular, reden alle mit „Pfarrer Arndt“ an. Und zu Mittag, wenn einer mit der Glocke läutet, kommen die Angestellten im Bischöflichen Ordinariat aus ihren Büros und beten im Gang gemeinsam mit dem Bischof den Engel des Herrn. Im Anschluss wird informiert und nachgefragt; jeder redet frei und ungezwungen. Diese „familiäre Atmosphäre“ und das „kollegiale Miteinander“ begeisterten die steirischen Kundschafterinnen und Kundschafter im „ost“deutschen Thüringen.

„Ich möchte nicht zurück, auch wenn ich hier weniger verdiene“, bemerkte ein Pastoralassistent aus dem Westen. Das Arbeitsklima und die Mentalität behagen ihm. Ohne Zusammenhalt hätten die wenigen Christen im Kommunismus der DDR nicht überleben können. Auf dem Land nehmen viele weite Wege auf sich, um Gemeinschaft zu haben.

Zum Zusammenhalt kommt der Inhalt: ob auf Großeltern-Enkel-Wochen, bei religiösen Kinderwochen, einer Art Jungscharlager, oder bei Wallfahrten: Das inhaltliche Programm dafür ist in der ganzen Diözese gleich.

Erstaunlich selbstbewusste Katholiken trotz der kleinen Zahl erlebten die Steirerinnen und Steirer, die wie einige Wochen vorher Papst Benedikt XVI. vor allem Erfurt und im Norden das katholische Eichsfeld besuchten. Es sind Dechant Matthias Keil, Pfarrer von Graz-Herz Jesu, die Pastoralassistentin von St. Josef/Weststeiermark und St. Stefan ob Stainz, Silvia Treichler, und die Theologiestudentin Barbara Riegler aus St. Georgen an der Stiefing.

„Erfurt lebt“, schildert Pfarrer Keil. Die Kleinstadt pulsiere, nach der Renovierung sei das alte Erfurt so schön wie nie in seiner Geschichte. Die Bewohner seien zum Großteil „Heiden“, wie sie Weihbischof Reinhard Hauke liebevoll nenne. Sie haben mehrere Generationen keine Erfahrungen mit Kirche.

Am Heiligen Abend feiern die Katholiken vorher in der Pfarrkirche St. Severus neben dem Dom ihre Mette, um Mitternacht lädt dann der Weihbischof auch Nichtchristen zum „Weihnachtslob für alle im Dom“ ein. Den kommerziellen Weihnachtsmarkt am Domplatz füllen Theologiestudierende ökumenisch kreativ unter dem Motto „Folge dem Stern“ mit dem Sinn von Weihnachten, den hier 70 Prozent nicht kennen. Die Kirche lädt zu weiteren Feiern auch für Nichtchristen ein, so zu einer „Feier der Lebenswende“ für Jugendliche in dem Alter, in dem andere zur Firmung gehen, zu einem monatlichen Totengedenken, zu einem Gottesdienst für Kranke und ihre Betreuer oder zu einer Feier für Liebende am Valentinstag.JOHANN A. BAUER

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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