Leben leben lassen - Teil 03
Was Familien brauchen

Beruflicher Druck kann harmonisches Familienleben manchmal zer-
stören.
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„Druck, Überforderung und Mobbing im Beruf sind häufige Ursachen für Paarkonflikte“, stellt Winfried Pabst, Theologe, Psychotherapeut und Leiter des Instituts für Familienberatung und Psychotherapie der Diözese, fest.

Auch Eva Hierzberger, Leiterin der Caritas-Wohngemeinschaft „Offene Tür“, beobachtet eine „tragische Entwicklung“ am Arbeitsmarkt, welche das Familienleben beeinträchtige: Die Anforderungen im Beruf steigen, und junge Alleinerziehende mit wenig Ausbildung fallen aus dem Markt hinaus. Als Betreuerin von sieben allein erziehenden Frauen, die aufgrund akuter familiärer und persönlicher Konfliktsituationen in der Caritas-Wohngemeinschaft leben, fragt sie sich oft: „Wofür versuche ich Frauen zu einer Ausbildung zu bringen, wenn sie am Arbeitsmarkt gar nicht gebraucht werden?“

Es sei daher umso schwieriger, mit den Frauen Perspektiven zu erarbeiten. Doch die Gesellschaft trage genauso Verantwortung, um zu einer positiven Entwicklung dieser jungen Mütter beizutragen: „Mir tut es so weh, wenn Alleinerziehende nicht als Familie gewertet werden und ihnen somit das Gefühl vermittelt wird, sie seien nicht vollständig“, betont sie.

Auch Birgit Posch, Verantwortliche für das „Projekt Alleinerziehende“, kritisiert das gesellschaftliche Desinteresse gegenüber Al-leinerziehenden: „Ich glaube, dass Leute, die nicht betroffen sind, mediale Berichte über Alleinerziehende gar nicht lesen und daher auch wenig über deren Schwierigkeiten wissen.“

Viele der Alleinerziehenden seien einsam und hätten Angst, sich aufzudrängen, stellt sie fest. An Grenzen stößt sie bei ihren psychologischen und juristischen Beratungen oft: „Immer dann, wenn’s ums Geld geht.“ Große finanzielle Sorgen, unregelmäßiger oder gar kein Kindesunterhalt und zunehmende Überlastungen im Beruf zeigen Auswirkungen auf das persönliche Befinden und somit auf die Kindererziehung, stellt sie fest.

Marlies Haderspeck vom Familienreferat der Diözese möchte wiederum das „manchmal einseitige Bild“ vom gegenwärtigen Familienleben zurechtrücken: „Es gibt viele Eltern, die sehr glücklich über ihre Familie sind – auch Alleinerziehende können es schätzen, Kinder zu haben.“

Winfried Pabst gibt dafür folgenden Rat: „Sobald sich beruflich oder auch privat etwas ändert, sollte man immer neue Vereinbarungen mit dem Partner und den Kindern treffen.“ Er fügt hinzu: „Viele ziehen sich nämlich zurück oder fallen gar in Depressionen.“ Und kommen erst dann zu einer Beratung, wenn es vielleicht schon zu spät ist.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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