Benedikt heute - Teil 4
Was ein Chef können soll

„Der Abt versuche sich dem Charakter und der Fassungskraft jedes Einzelnen so anzupassen, dass er sich am Gedeihen einer guten Herde erfreuen kann.“ (Benediktsregel, Kapitel 2)
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Benediktinische Impulse für das Leben heute

 

 

Wir erwarten mehrjährige Erfahrung und wünschen unternehmerisches Planen und Handeln und eine hohe Fach- und Sozialkompetenz.“ So in einem Inserat. Und die Anforderungen, welche die Benediktsregel für Verantwortungsträger aufstellt?

„Der Abt sei nicht aufgeregt oder ängstlich, nicht maßlos oder engstirnig, nicht eifersüchtig oder argwöhnisch, weil er sonst nie zur Ruhe kommt. Bei Anordnungen sei er weitsichtig und besonnen. Er wisse in allem zu unterscheiden und Maß zu halten.“

 

Tun und Sein.
Vergleicht man die beiden Profile, so erkennt man leicht, dass heute vor allem auf das Tun geschaut wird (Ausbildung, Erfahrung und Leistungsausweis). Bei Benedikt erscheinen im Profil fast nur Eigenschaftswörter. Zählen tut bei ihm der Charakter. Alles andere kann hinzugelernt werden. Gewiss stellt niemand in Frage, dass in einer so spezialisierten Welt wie der unsrigen je nach Job besondere Fertigkeiten verlangt sind. Und doch ist es interessant, wie Benedikt vor allem auf die inneren Fähigkeiten der Führungsperson Wert legt.

 

Mutter der Tugenden.
Die Aufgaben eines Abtes sind sehr vielfältig. Zudem hat er es mit verschiedensten Menschen zu tun. Deshalb muss er eine reife Persönlichkeit sein, die ruhig bleiben kann und an der weder Argwohn noch Eifersucht nagen.

Er muss auch klare Ziele vor Augen haben, die aber realistisch bleiben müssen. Hier führt Benedikt den Begriff der „Discretio“ ein, der „Mutter der Tugenden“, wie er sie nennt. Die Discretio (Unterscheidungsgabe, richtiges Maß) lässt den Ausgleich finden zwischen dem Ideal und der augenblicklichen Situation, zwischen dem Gesetz und dem konkreten Fall. Sie lehrt unterscheiden zwischen dem, was wesentlich, und dem, was unwesentlich ist. Sie bewahrt den Abt vor Über- oder Untertreibung. „Der Abt ordne alles mit Maß, damit die Starken finden, was sie suchen, und die Schwachen nicht weglaufen.“ Es geht also nicht um ein billiges Mittelmaß. Die „Starken“ (die Tüchtigen) sollen durchaus noch ein Ziel vor Augen haben, um sich weiterzuentwickeln. Und doch muss alles so angeordnet sein, dass die „Schwachen“ nicht abgehängt werden.

 

Meister und Vater.
Wahre Discretio ist nur zu realisieren, wenn man die Menschen, die einem anvertraut sind, gut kennt. Wenn Benedikt schreibt, „der Abt soll je nach Zeit und Umständen streng sein oder liebenswürdig“ und „bald den Ernst des Meisters, bald die Güte des Vaters“ zeigen, so ist damit nicht Launenhaftigkeit gemeint. Der Abt soll vielmehr herausspüren, was in der konkreten Situation zum Wohl des Betreffenden das Beste ist. Das kann in einem bestimmten Fall durchaus Tadel sein. Aber dann „tue der Abt nicht zu viel des Guten, damit das Gefäß nicht zerbricht, wenn er den Rost allzu eifrig auskratzen will“.

Ging es früher in der Wirtschaft fast nur um Gewinnmaximierung über Leichen hinweg, so hat man in neuerer Zeit die Wichtigkeit der zwischenmenschlichen Atmosphäre in den Betrieben entdeckt, wie Benedikt sie skizziert. So überrascht es nicht, dass auch Manager ab und zu die Benediktsregel aus der Schublade holen.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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