Engagement leben | Teil 08
Vom Highlight, einmal im Jahr königlich zu sein

Schon mit sechs Jahren begann die heute 44-Jährige bei der Jungschar, und dabei gehörte das Sternsingen dann einfach dazu. „Das gibt es nur einmal im Jahr, und deshalb war das für uns Kinder eben immer ganz besonders faszinierend. Es stellte für mich immer ein absolutes Highlight dar.“ Zumal die Unterhaltungsangebote während ihrer Kindheit in der Obersteiermark sonst doch eher eingeschränkt waren.

Diese Faszination vom großen Erlebnis, einmal im Jahr ein König sein zu können, ist für sie bis heute geblieben. „Wenn bei unserer Sternsingermesse alle feierlich einziehen in ihren Königskleidern, und es glitzert nur so, das ist sehr berührend, und man merkt, wie stolz die Eltern sind, dass ihre Kinder mit dabei sind“, erzählt Heidrun Feßl (im Bild oben mit einer „ihrer“ Gruppen). „Sternsingen ist noch immer eine Superferienbeschäftigung.“ Der Spaß, die Freude, die die Kinder und Jugendlichen dabei haben, ist wichtig, und es ist schön, ein Brauchtum aufrechtzuerhalten. Ein Effekt der Aktion, der zwar nicht im Vordergrund steht, aber unübersehbar ist: Sie stiftet Gemeinsamkeit, und die Beziehung zur Kirche wächst, wird positiv gestärkt, dadurch dass eben etwas Schönes gemeinsam erlebt wird.

Nach einer Pause bot sich Heidrun Feßl vor neun Jahren dann wieder als Helferin an. „Ich habe einfach angerufen und gesagt ,Braucht’s was, ich steh zur Verfügung‘“, erinnert sie sich. „Danach hat das Sternsingen mir gehört.“ Im Hintergrund der beliebten Aktion steckt sehr viel an Arbeit, wo viele Hände zusammengreifen müssen. 23 Gruppen zu managen erfordert von Heidrun Feßl zumindest von Dezember bis Ende Jänner Totaleinsatz. „Das funktioniert bei uns wirklich sehr gut, anders könnte ich das gar nicht machen, aber ich habe viele Menschen, die mich unterstützen, die das erst möglich machen. Die Organisation, das Waschen der Kleider, die Werbung, um die Kinder anzusprechen.“ Die Vorbereitung läuft heute freilich teilweise schon anders als früher ab. „Ja, ich sage den Kindern, sie sollen sich die Lieder auf You Tube anschauen. So können sie zu Hause mit dem Lernen beginnen.“

Ungebrochen ist die Freude vieler Menschen, wenn die Sternsinger dann anklopfen. „Viele warten den ganzen Tag. Ich habe auch schon erlebt, dass jemand, der nicht zu Hause sein konnte, Süßigkeiten und einen Brief an die Tür gehängt hat.“

Wichtig ist Heidrun Feßl, den kleinen Königen zu vermitteln, dass es sich dabei nicht nur um eine Verkleidung und einen Spaß handelt. „Sie sollen schon wissen, dass sie einen wichtigen Dienst tun, eine Botschaft übermitteln, und sich dementsprechend verhalten.“ Natürlich kommt immer wieder der einen oder dem anderen ein Lacher aus, aber das gehört eben dazu.

Unterm Jahr hat sich für die Aktive etwas Neues ergeben. Für Jugendliche, die dem Ministrieren entwachsen sind und trotzdem in der Kirche aktiv sein wollen, betreut Heidrun Feßl eine junge Mesnergruppe.

Gisela Remler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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