Ordensleben in der Steiermark - Teil 19
Verwalter eines reichen Erbes

Ein Barockjuwel ist die Basilika des Stiftes Rein nordwestlich von Graz. Die Fassade von Johann Georg Stengg beherrscht den Stiftshof.
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  • Ein Barockjuwel ist die Basilika des Stiftes Rein nordwestlich von Graz. Die Fassade von Johann Georg Stengg beherrscht den Stiftshof.
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Als Kulturschaffende und deren Bewahrer haben sich die Zister-zienser in Rein immer verstanden.

Eine radikale monastische Protestbewegung seien die Zisterzienser in ihren Anfängen gewesen. Für P. Benedikt Fink, seit dem krankheitsbedingten Rückzug von Abt Christian Feurstein Administrator des Stiftes Rein, waren sie „die ersten Franziskaner“ – schon hundert Jahre vor dem heiligen Franziskus. Nach der Gründung des ersten Klosters im Jahr 1098 in Citeaux im Burgund setzte ein richtiger Boom ein, und der benediktinische Reformorden hat sich „in Windeseile“ in ganz Europa verbreitet. Innerhalb weniger Jahrzehnte sind 700 Klöster mit zum Teil über tausend Mönchen entstanden.

Die Regel des hl. Benedikt wurde beibehalten, doch hätten die „Grauen Mönche“ elitäre Gewänder abgelehnt – schwarz war die Farbe des Adels und des Klerus –, sich wieder verstärkt körperlicher Arbeit zugewandt und auf Weißbrot, Fleisch, Fisch, Eier und Käse sowie auf das Verpachten von Klostergütern und auf Zehent-Einkünfte verzichtet. „Schlichtheit und länderumgreifende Einheit“ prägten diese Gemeinschaft. Das reichte von den Gebeten und Gesängen bis hin zur Buchmalerei und Architektur. Christus wurde nicht als am Kreuz thronender König verehrt, sondern „als einfacher Mensch in seinem Menschwerden und in seinem Sterben“.

Doch es gebe mehr Gemeinsamkeiten mit anderen monastischen Orden als Unterschiede. Das Besondere am Stift Rein sei die „jahrhundertelange Kontinuität des Bestehens im Wandel der Zeiten“. Es ist weltweit das älteste durchgehend von Mönchen besiedelte Zisterzienserkloster. Was Benedikt Fink daran angesprochen hat? „Das Gemeinschaftsleben, der Choralgesang, das Ordenskleid, die historische Bedeutung und die architektonische Schönheit der Klosteranlage.“

Dem Konvent in Rein gehören derzeit elf Priester, ein Ständiger Diakon, vier Chormönche, ein Kandidat und ein Gastpriester an. Gemeinsame Fixpunkte sind die drei Gebetszeiten um 6 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr, die den Tag gliedern. Dazwischen geht jeder seiner jeweiligen Arbeit nach. Als Grundauftrag des Klosters bezeichnet P. Benedikt das Gebet und die Gastfreundschaft: „Zu den Gebetszeiten ist jeder herzlich willkommen!“ Erholung suchende Männer können als „Kloster auf Zeit“ in der Klausur mitleben. Ein zeitgemäßer Ausdruck dieser Gastfreundschaft ist auch, dass der frühere Gästetrakt gerade dafür adaptiert wird, Flüchtlinge aufzunehmen.

Eine wichtige Aufgabe ist die Seelsorge in der Region. 13 Pfarren werden von den Reiner Patres betreut. Außerdem beherbergt das Stift das einzige Gymnasium im Bezirk Graz-Umgebung. Klöster hätten sich immer als „Kulturschaffende“ verstanden, hätten Wissenschaft und Kunst gefördert, sagt der Administrator, sie sähen sich als „Verwalter eines reichen Erbes“, das sie erhalten und an die Nachwelt weitergeben wollen. Nur in diesem Sinne sei Rein ein „reiches Kloster“. Denn um „das Evangelium mit Freude, in Gemeinschaft zu leben und zu bezeugen“, sei ein „einfacher und glaubwürdiger Lebensstil“ angemessen.

An kulturellen Kostbarkeiten erwartet den Besucher in Rein eine Menge: Das Grab des „ersten Steirischen Landeshauptmannes“ in der Marienkapelle, die zweitgrößte Kirche in der Steiermark, eine lichtdurchflutete barocke Basilika mit originalen Mölk-Fresken, sowie eine Bibliothek mit Handschriften und Drucken, die sämtliche Wissensgebiete abdeckt.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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