Konzil - Teil 01
Überraschend, aber erhofft

Johannes XXIII. bezeichnete das 2. Vatikanum als „Licht eines großen Beispiels“.
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  • Johannes XXIII. bezeichnete das 2. Vatikanum als „Licht eines großen Beispiels“.
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Ein wichtiger Impuls zur Abhaltung des II. Vatikanums war der Abbruch des I. Vatikanischen Konzils (1869/1870). Der Grund für den Abbruch war die militärische Besetzung Roms. So konnte das Dokument zum Thema „Kirche“ nicht fertig gestellt werden, mit Ausnahme jenes Teiles, der sich mit dem Papst, seinem Primat und seinen unfehlbaren Entscheidungen ‚Ex cathedra‘ befasste. Das führte in der Folge zu einer starken Betonung des Papsttums. Unter Theologen wurde sogar die Frage erörtert, ob es in Zukunft überhaupt noch ein Konzil braucht. Auf der anderen Seite dachte man immer wieder an eine Fortsetzung des Konzils.

 

Die Vorbereitung des Konzils

Die unerwartete Ankündigung eines Konzils durch Johannes XXIII., dessen Wahl zum Papst verbreitet als eine Übergangslösung eingestuft wurde, war schließlich aber eine echte Sensation. Dabei war Johannes alles andere als ein progressiver Reformer – in Theologie und Frömmigkeit grundsätzlich traditionell ausgerichtet, war er vor allem sehr menschlich. Die Ankündigung des Konzils erfolgte am 25. Jänner 1959 im Kloster San Paolo fuori le mure vor einer Anzahl in Rom anwesender (Kurien-)Kardinäle. Dass das Konzil begonnen und durchgeführt werden konnte, verdankt die Kirche einerseits der Tatsache, dass der Papst seine durch das Erste Vatikanum definierte Entscheidungsbefugnis einsetzte, andererseits der von Johannes vorgenommenen Internationalisierung des Kardinalskollegiums.

In der Enzyklika Ad Petri Cathedram (29. Juni 1959) charakterisiert Papst Johannes das Konzil: „Hauptzweck wird es sein, das Wachstum des katholischen Glaubens zu fördern, die Sitten des christlichen Volkes zu erneuern und die kirchlichen Rechtsnormen den Bedürfnissen und dem Denken unserer Zeit anzupassen. Ein wunderbares Schauspiel der Wahrheit, der Einheit und der Liebe. Ein Schauspiel, dessen Anblick, wie wir hoffen, auch für die vom Apostolischen Stuhl Getrennten eine sanfte Einladung darstellen wird, jene Einheit, um die Jesus Christus seinen himmlischen Vater so inständig gebeten hat, zu suchen und zu erlangen.“

So beginnt 1959 eine erste Phase der Vorbereitung: Es kommt zur ersten Sondierung der Wünsche und Erwartungen.

1960 erfolgt die Einsetzung der Zentralkommission und neun weiterer Kommissionen: Lehrfragen, Bischöfe und Diözesanverwaltung, Disziplin, Sakramente und Liturgie, Studien und Schulen.

Diese Kommissionen erarbeiten die Schemata, die Entwürfe für die Dokumente, die vom Konzil verabschiedet werden sollen. Des Weiteren kommt es zur Gründung zweier Sekretariate – für die Einheit der Christen, zu dessen Leitung Johannes den Jesuiten Augustin Bea beruft, und für die Nichtglaubenden, das Kardinal Franz König übernimmt.

1961 beginnt die dritte Phase der Vorbereitung: Die Zentralkommission nimmt ihre Arbeit auf – 59 Schemata sind vorbereitet. Die Texte sind, auch wenn sie aus heutiger Sicht ganz der damaligen Schultheologie verhaftet waren, hervorragend ausgearbeitet – die tatsächliche Arbeitszeit des Konzils wird daher mit wenigen Wochen veranschlagt. Umso erstaunlicher: Keines der Schemata hat die Diskussion des Konzils „überlebt“; schließlich wurden 16 Dokumente vom Konzil verabschiedet: 4 Konstitutionen, 9 Dekrete und 3 Erklärungen.

Johannes XXIII. bezeichnete das 2. Vatikanum als „Licht eines großen Beispiels“.
Feierliche Eröffnung
des 2. Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962 in der Peterskirche, die als Konzilsaula diente.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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