Kundschafter - Teil 1: Kundschafter in Bochum
Trotz Umbau-Chaos von Frust kaum eine Spur

Ruth Madl, István Holló und Monika Brottrager-Jury (von links) lassen sich an der Ruhr-Uni Bochum vom Pastoraltheologen Matthias Sellmann neue Blickwinkel öffnen.
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In Bochum sahen drei steirische Kundschafter(innen) leuchtende Augen, wo einst nichts mehr ging.

 

Eine nicht mehr gebrauchte Kirche als Urnenhalle? Viele Leute gehen von früh bis abends in die frühere Pfarrkirche Mülheim bei Bochum. Der Künstler hat mit einem „Band des Lebens“ das Taufbecken, die Urnenwände und den Altar verbunden. Orte, die nicht mehr belebt waren und in ihrer früheren Aufgabe nicht mehr „gehen“ und gebraucht werden, erhalten ein neues seelsorgliches Konzept. „So werden sie zum Segen“, berichten staunend die drei steirischen Kundschafterinnen und Kundschafter, die im Oktober in Bochum und Nachbarstädten Augen und Ohren offen hielten.

Pastoralassistentin Monika Brottrager-Jury aus Trofaiach, der Knittelfelder Kaplan Mag. István Holló und Mag. Ruth Madl vom Generalsekretariat der Katholischen Aktion waren die drei. „Trotz Umbau-Chaos gelingt das Leben“, erfuhren sie. Wie die Zechen im Ruhrgebiet nacheinander zusperren mussten und der Bergbau fast still steht – 15 Prozent der Menschen sind arbeitslos –, waren auch in der Kirche Zusammenschlüsse, Zusperren und Umstrukturierungen „Konfliktpotenzial“. Nach fünf Jahren scheine „die erste Trauer vorbei zu sein“, bemerkt Ruth Madl. Fast 100 Gotteshäuser seien geschlossen worden. Viele Katholiken haben in den 60er-Jahren diese Kirchen mitgebaut. Die Kirche sei aber „im Zugzwang“, so wie die Gesellschaft sich ändere.

„Von Frust hat man nicht viel gespürt“, schildert auch Kaplan Holló. „Altes funktioniert nicht mehr, Neues entwickelt sich“, lässt sich Monika Brottrager-Jury von der Hoffnung der Einsatzfreudigen anstecken. Sie nehme „die leuchtenden Augen mit in die Steiermark, als vor allem Ehrenamtliche von ihren gelungenen Vorhaben erzählt haben“. Sie haben „ihres“ gefunden, etwa wenn sie sich mit dem Motto „Ü 30“ treffen. Erwachsene zwischen 30 und 50 Jahren finden sich gemeindeübergreifend in bestimmten Kirchen zu Gottesdiensten und anderem zusammen. Begeistert sprachen sie gegenüber der steirischen Gruppe von ihrem Glauben, von ihren Hoffnungen und Sehnsüchten.

An einem Ort fasziniert eine „Kunstkirche“, anderswo wurde in eine Kirche eine Glaswand eingezogen, die „mit viel Gefühl“ den Raum für Liturgie von der Hälfte für „Erlebnisgastronomie“, etwa Essen nach Taufen, trennt.

„In vollen Zügen genossen“ habe auch Gastgeber Propst Michael Ludwig seine Arbeit und das abendliche Zusammensein, erzählen die Steirerinnen und der (ungarische) Steirer. Und wenn sie zu später Stunde ihr Quartier in der Jugendherberge aufsuchten, wunderten sie sich über die „Dorfmentalität“ der Bochumer, die bis 3 Uhr in der Nacht draußen vor den Lokalen sitzen.JOHANN A. BAUER

 

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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