800 Jahre Graz-Seckau - Teil 18
Stifterinnen und Initiatorinnen

Seckauer Widmungsbild. Maria mit dem Jesuskind, zu ihren Füßen Kunigunde, die vermutlich erste Vorsteherin des Seckauer Frauenkonventes, und Richinza, die Ehefrau des Stifters von Seckau, Adalram von Waldeck (linkes Bild).
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  • Seckauer Widmungsbild. Maria mit dem Jesuskind, zu ihren Füßen Kunigunde, die vermutlich erste Vorsteherin des Seckauer Frauenkonventes, und Richinza, die Ehefrau des Stifters von Seckau, Adalram von Waldeck (linkes Bild).
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Frauen ermöglichten als Stifterinnen zahlreiche nicht wegzudenkende religiöse Einrichtungen in unserem Land. Sie förderten als Mäzeninnen Kirchen- und Kapellenbauten, trugen als Wohltäterinnen etwa zu deren kunstvoller Ausstattung bei, riefen Sozialeinrichtungen und Vereine ins Leben oder engagierten sich in religiösen Vereinigun-
gen.

So stiftete beispielsweise das Judenburger Bürgerehepaar Heinrich und Gisela noch zu Lebzeiten der hl. Klara von Assisi († 1253) das hochangesehene Klarissenkloster in der Obersteiermark. Es war das erste in Österreich überhaupt. Das erste Klarissenkloster „im Paradeis“ in Graz gründete Erzherzogin Maria von Bayern († 1608) im Jahr 1602 auf der Basis der Schenkung der ehemals protestantischen Stiftsschule. Als Stifterin des In-
stituts der Frauen vom Heiligsten Herzen Jesu (Sacré-Coeur), die sich 1846 in der Petersgasse in Graz ansiedelten, gilt die aus einer angesehenen Grazer Familie stammende Franziska Möstl (1807–1869).

Maria Theresia Gräfin von Wagensperg 
(1651–1716) trug mit namhaften Spenden zur Niederlassung der Elisabethinen und Ursulinen bei. Mit ihrem Vermögen unterstützte Anna Gräfin von Saurau-Goëss (1806–1880) die Restaurierung mehrerer Kirchen, wie jener von Ligist, Premstätten und der Filialkirche Hl. Maria in den Dornen in der Pfarre Frojach. Sie ermöglichte den Kauf von Kirchenparamenten und stiftete kostenlose Heimplätze in Graz. In Ligist ließ sie ein Waisenheim und „Spital“ (Altersheim) errichten und regte auch den Bau der Grazer Herz-Jesu-Kirche an.

Die Bedeutung von Steirerinnen für die Gründung und Niederlassung neuer Orden im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, so z. B. von Antonia Maria Lampel (1807–1851) für die Grazer Schulwestern, Maria Josefa Gräfin Brandis (1815–1900) für die Barmherzigen Schwestern, Aquinate Hoyos (1828–1886) für die Gleisdorfer Dominikanerinnen und Barbara Sicharter (1829–1905) für die Vorauer Schwestern, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, zumal die Orden großartige Leistungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen hervorbrachten.

Am Wallfahrtswesen beteiligten sich viele Frauen. Stellvertretend sei die Grazerin Maria Schuber (1799–1881) genannt, die wagemutig 1847/48 allein in das Heilige Land reiste und damit eine Männerdomäne durchbrach.

Christliche Hausmütter- und katholische Jungfrauenvereine, denen sich eine Vielzahl von Frauen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts anschloss, existierten in fast allen steirischen Pfarren. Letztere hatten die Aufgabe, die christlichen Wert- und Sittlichkeitsvorstellungen weiterzugeben und auf die christliche Mutterschaft und das Leben als katholische Ehefrau vorzubereiten.

Gräfin Helene Waldstein-Wartenberg (1836–1916) schloss 1906 in Graz mehrere katholische Frauenvereine zu einer großen Organisation, der Katholischen Frauenorganisation, für ein effektiveres gemeinsames Wirken zusammen, aus welcher nach 1945 die Katholische Frauenbewegung hervorging.

Für die sozialrechtliche Besserstellung von Dienstbotinnen bzw. Hausgehilfinnen setzte sich die Mureckerin Johanna Weiß (1874–1932) durch die 1909 erfolgte Gründung des Verbandes christlicher Hausgehilfinnen (heute Berufsverband christlicher Arbeitnehmer im hauswirtschaftlichen Dienst) ein.

Große Werke von Klerikern wurden oft in Zusammenarbeit mit Frauen realisiert. So etwa begann der Priesterpolitiker Josef Steinberger (1874–1961) 1910/11 mit der Volksschullehrerin Karoline Obersky die ersten Fortbildungslehrgänge für Bauernmädchen in St. Johann bei Herberstein und in der Umgebung von Hartberg zu organisieren. Damit legte er den Grundstein für das St. Martiner Volksbildungsmodell. Von 1918 bis 1950 begleitete Emilie von Zeidler (1883–1968) Steinbergers Arbeit als Wirtschaft-, Heim- und Haushaltungsschulleiterin und gab das bekannte „St. Martiner Kochbuch“ heraus, das sie mit Elfriede Temm (1907–2005) mehrfach überarbeitete.

Die Ärztin Hedwig Ehmann (1906–1953) gilt als treibende Kraft hinsichtlich der Pfarr- errichtung von Liebenau-St. Paul (1949). Während der NS-Zeit half sie Flüchtlingen, Kriegsgefangenen und Fremdarbeitern unter Einsatz ihres Lebens.

Zahlreiche ehrenamtliche Dienste in Liturgie und Sakramentenvorbereitung, in Pfarre und Caritas werden heute von Laien – und nicht wenige vor allem von Frauen – ausgeübt.

 

 

Seckauer Widmungsbild. Maria mit dem Jesuskind, zu ihren Füßen Kunigunde, die vermutlich erste Vorsteherin des Seckauer Frauenkonventes, und Richinza, die Ehefrau des Stifters von Seckau, Adalram von Waldeck (linkes Bild).
Pilgerbericht von Maria Schuber (hier in dritter Auflage!), die allein vom 4. Oktober 1847 bis 25. September 1848 über Rom, Griechenland, Ägypten und durch die Wüste ins Heilige Land und zurück gereist war.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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