Quelle des Segens -
Schritte zu einer lebendigen Liturgie

Teil 07: Einfachheit, nicht Dürftigkeit

„Die Riten sollen den Glanz edler Einfachheit tragen“, haben die Väter des II. Vatikanischen 
Konzils in dessen Konstitution über die Liturgie gesagt. Diesem Auftrag entsprechend, wurden in der 
Liturgie bald nach dem Konzil Reduktionen vorgenommen.

 

Dieser Weg der Reduktionen war vergleichbar der Tätigkeit eines Gärtners, der eine Hecke zurückschneidet, um ein wucherndes Wachstum zu verhindern, oder der einige Äste eines Baumes entfernt, um die Qualität der Früchte zu verbessern. In Jahrhunderten gewachsene Ranken der Liturgie wurden nun beseitigt, auf vielmalige Wiederholungen von Kreuzzeichen und Kniebeugen wurde verzichtet, Texte wurden gestrafft, prächtige Messkleider durch Einfaches, aber leider oft auch durch Dürftiges, ja Geschmackloses ersetzt.

Papst Paul VI. wollte durch diese Liturgiereform unter heutigen Bedingungen Ähnliches erreichen wie Jahrhunderte vorher der heilige Bernhard von Clairvaux, der die schwelgerische Pracht der Architektur und Liturgie der Mönche von Cluny bekämpft und ihr die edle Einfachheit der Zisterzienserkirchen und der darin gefeierten Liturgie entgegengesetzt hat. Noch heute gehen gläubigen und nichtglaubenden Touristen Herz und Mund zum Staunen auf, wenn sie in Südfrankreich die in ursprünglicher Gestalt erhaltenen Zisterzienserabteikirchen von Senanque oder Le Thoronet besuchen. Gleiches gilt für die Abteikirche von Heiligenkreuz bei 
Wien.

Anders als im 12. Jahrhundert und bis weit hinein in das 20. Jahrhundert ist aber heute der Sinn für Gestalt und Gestaltung in der Kirche weithin gestört. Es gibt nur wenige Werkstätten, die qualitätsvolles Kunsthandwerk im Dienst der Liturgie anbieten. Leicht handhabbare Technik erspart das Ringen um Form und Gestalt und ermöglicht Kitsch in Architektur, Mobiliar, Kleid, Gebärde, Wort und Musik, ja drängt solchen Kitsch viele Male geradezu auf: Seine Proponenten halten ihn aus ökonomischen Gründen oder auch guten Glaubens für ausreichend, ja angemessen, und werden durch den verbreiteten Mangel an Widerstand in ihrem Tun bestärkt.

„Edle Einfachheit“ im Sinne des Konzils entsteht heute meist nicht ohne die Vermittlung durch Eliten. Solche Eliten können der Kirche die Einnistung von Kitsch in die Liturgie ersparen. Sie müssen sich aber davor hüten, durch Drängen auf Abstraktion eher Kopflastiges statt Herzbewegendes zu fördern. Die postkonziliare Liturgie sollte jedenfalls nicht ein „Grau in Grau“ malen, sondern Farbe und andere Mittel der Festlichkeit in sich aufnehmen, um den seelisch oft müde gewordenen Teilnehmern etwas österlichen Glanz und Klang zu vermitteln. Eine entsinnlichte Liturgie trägt zur Schrumpfung der Gottesdienstgemeinden bei, wenn ihre Kargheit nicht durch die ethisch-spirituelle Herzkraft der Gemeinde und der Liturgen kompensiert wird. Sonst entsteht leicht ein moralischer Leistungsdruck, der die Liturgen und die Gemeinde belastet. Liturgie soll aber zuerst und zuletzt nicht das Gesetz, das moralische Gebot verkünden, sondern die alles umgreifende und tragende Gnade Gottes.

„Von Sion geht der schöne Glanz Gottes aus“, sagt einer der biblischen Psalmen. Das gilt auch von der Kirche, dem neuen Sion, und sollte zumal in ihrer Liturgie erfahrbar sein.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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