Menschen Wege - Teil 05
Quirlige Blumenfrau 
von den sanften Hügeln

 

Versteckt liegt das Haus, kaum sichtbar zwischen Wald und Maisäckern schmiegt es sich an den Hügel. Darunter erstreckt sich ein Blumenacker, der selbst bei 35 Grad unter brennender Sonne ohne Düngung und ohne Bewässerung auskommt. Ein erstaunliches Experiment, das Margrit De Colle hier in Erbersdorf kurz vor Eichkögl seit 2011 wagt und das viele für unmöglich gehalten haben. Die 39-Jährige aus dem Lavanttal hat einige Kurven genommen, bis sie in der Oststeiermark Anker geworfen hat.

„Mein Leben ist turbulent.“ Nach dem Studium der Soziologie begann die junge Margrit im Welthaus der Diözese als Bildungsreferentin. Später sammelte sie Erfahrungen in einer Eventagentur und lebte ab 2001 eineinhalb Jahre in Nigeria.

Blumen haben ihr Herz immer berührt. Deshalb schien eine zweijährige floristische Meisterausbildung im Waldviertel danach gut zu passen. Sie war allerdings sehr handwerklich orientiert. „Ich war die einzige ,Voll-Quereinsteigern‘.“ Floristen kaufen im Großhandel. Wie und wo die Blumen hergestellt werden, ist kaum interessant. Die Vorstellung von Margrit De Colle war eine andere: „Wie Blumen behandelt werden, so geht das nicht.“ Fair, biologisch, saisonal und regional sollen sie kultiviert werden, und sie wollte zeigen, dass das möglich ist. „Wir arbeiten das ganze Jahr hindurch mit eigenen Blumen. Es wird nicht bewässert, und die Vielfalt regiert.“ Man müsse den Biogedanken ausweiten. „Die Blumen wollen anders wahrgenommen werden.“ Sie selbst sieht sich heute darum als Blumenbäuerin, nicht als Floristin.

„Gehen wir doch gleich aufs Feld“, schlägt Margrit De Colle vor. Heute muss einiges vorbereitet werden, weil sie am Nachmittag auf dem Bauernmarkt in Gleisdorf steht. Die Blütenfülle am trockenen Feld überrascht. Üppige Dahlien in jeder Farbe, Form und Größe wetteifern mit dem Gelb der Sonnenblumen. Dazwischen Löwenmäulchen, Minze, Karde.

Wenn es um Blumen und unseren Umgang mit ihnen geht, gerät die lebendige, quirlige Mutter von Marco (12) und Maria (10) leicht in Rage, wie sie selbst zugibt. Aber der Erfolg gibt ihr recht. Viele junge Paare wünschen sich für ihre Hochzeit einen Schmuck, bei dem Blumen nicht aus dem Großhandel kommen und quer durch Kontinente befördert werden, bis sie im Brautstrauß und auf der Hochzeitstafel landen. „Sie wünschen sich Blumen von hier, die in der Erde gewachsen sind.“

Bei ihren Seminaren entstehen Meisterwerke. Kränze, Gestecke, in denen sich Blumen mit Gräsern, Kräutern und anderen Gewächsen vom Waldrand zu lebendigen Kompositionen zusammenfinden, die Augen und Nase erfreuen. „Zwei Werkstücke kann man nach einem Nachmittag mit nach Hause nehmen.“

Die Arbeit geht allerdings nicht aus. Die Beete müssen betreut werden, was nicht verkauft wird, wird fürs Trocknen geschnitten. Sechs Hektar Blumen brauchen Pflege, die körperliche Beanspruchung ist also nicht zu unterschätzen. Heute hat das Unternehmen „Vom Hügel“ (www.vomhuegel.at) bereits zwei Mitarbeiterinnen.

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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