Zeitdiagnose - Teil 11
Privat und ganz privat

Klassische und soziale 
Medien machen täglich sichtbar, dass eine strikte Grenzziehung zwischen „privater“ und „öffentlicher“ Meinung unmöglich ist.Foto: iStock
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Medien machen täglich sichtbar, dass eine strikte Grenzziehung zwischen „privater“ und „öffentlicher“ Meinung unmöglich ist.Foto: iStock
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von Hans Putzer

Vorweg: Diese „Zeitdiagnose“ wurde durch den Redaktionsschluss bedingt geschrieben, als das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl noch nicht festgestanden ist. Und wenn Sie dies lesen, sind schon längst alle Analysen zum Ausgang der Wahl Vergangenheit. Nun ja, alle vielleicht, doch noch nicht alle!

Wahlempfehlungen?
Im Abstand einer Woche gilt es doch noch einmal genauer hinzuschauen, wie dieser Wahlkampf, aber auch der Kanzlerwechsel eine Woche zuvor innerhalb der Kirche kommentiert oder auch nicht kommentiert worden ist. Noch ein Stück größer und grundsätzlicher gedacht: Sichtlich inspiriert von den – in dieser Weise lange Zeit nicht üblichen – Wortmeldungen des Papstes, hat sich auch die österreichische Kirche – vielstimmig und vor allem öffentlich wahrnehmbar – zu politisieren begonnen. Ein Phänomen dieses Wahlkampfes war zudem, dass zwar einerseits fast schon beschwörend von den unterschiedlichsten Seiten festgehalten wurde, dass die Bürger längst mündig genug sind, ihre eigene Entscheidung zu treffen, doch gab es andererseits kaum jemals so viele direkte oder zumindest indirekte Wahlempfehlungen. Kaum jemand, der das Licht der Öffentlichkeit erblickte, konnte oder wollte seine dahingehende Meinung bei sich behalten. Natürlich immer nur „ganz privat“ – und das im Zeitalter klassischer und sozialer Medien, die wie riesige Lautsprecher und Scheinwerfer alles in die Öffentlichkeit zerren. Und spätestens hier beginnt eine Risiko-Gemengelage, die unserer Kirche wohl noch einiges an Lernbereitschaft abverlangen wird. Wir erinnern uns an Kommentare, die allen politischen Repräsentanten, die sich in der Flüchtlingsfrage nicht uneingeschränkt – und somit natürlich auch undifferenziert – auf die Seite der „Willkommenskultur“ gestellt haben, ziemlich unverblümt das „Christsein“ abgesprochen haben. Auch Kardinal Schönborns adorierender „Nachruf zu Lebzeiten“ an den scheidenden Kanzler Faymann ließ nicht nur manche Christinnen und Christen ein wenig ratlos zurück.

Apropos Kardinal, apropos Wahlempfehlungen: Nachdem der Salzburger Weihbischof Laun sich für den Kandidaten Norbert Hofer öffentlich stark gemacht hat, reagierte Schönborn, assistiert von Erzbischof Lackner, mit der Feststellung, dass die römisch-katholische Kirche keine Wahlempfehlung abgebe. So weit, so begrüßenswert. Bloß als Tage zuvor sich Laienorganisationen wie die Frauenbewegung, der AkademikerInnen-Verband und die Jungschar an die Seite des Kandidaten Alexander van der Bellen gestellt hatten, blieb eine vergleichbare Klarstellung aus.

Was ist „Privatmeinung“?
Wenn wir davon ausgehen können, und das sollten wir auch, dass diese sinnvolle offizielle Erklärung zur kirchlichen Neutralität gegenüber den Kandidaten dieser Wahl erst im Falle einer Bischofsäußerung relevant wird und die Aussagen von Laienorganisationen sichtlich eher als „Privatmeinungen“ eingeordnet werden, dann haben wir in Sachen Deutungskompetenz einen doch gar nicht so geringen innerkirchlichen Diskussionsbedarf; und sicherlich nicht um die Frage, wer von den beiden Kandidaten zu präferieren gewesen wäre.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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