Hagia Sophia
Politische Provokation

Die Hagia Sophia, Wahrzeichen Istanbuls, 537 als Patriarchatskirche eingeweiht, 1453 zur Moschee umgewandelt und später mit Minaretten versehen, seit 1934 Museum, wird nun instrumentalisiert für politische Zwecke.
  • Die Hagia Sophia, Wahrzeichen Istanbuls, 537 als Patriarchatskirche eingeweiht, 1453 zur Moschee umgewandelt und später mit Minaretten versehen, seit 1934 Museum, wird nun instrumentalisiert für politische Zwecke.
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Die Hagia Sophia soll wieder Moschee werden. Enttäuschung und Proteste.

Tiefe Betroffenheit löst in Zeiten einer schweren globalen Krise die türkische Entscheidung, die Hagia Sophia wieder zu einer Moschee zu machen, aus. „Jetzt, wo es darum ginge, sich den großen Herausforderungen gemeinsam – und im Dialog auch zwischen den Religionsgemeinschaften – zu stellen, werden durch diese Entscheidungen Spaltungen vertieft. Religionsausübung sollte verbinden und nicht spalten.“ So äußerte sich der Präsident der Ökumenischen Stiftung Pro Oriente Österreich, Botschafter a. D. Alfons M. Kloss, zur Entscheidung, die Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen. Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am 10. Juli den Museums-Status der einstmals größten Kirche der Christenheit, die 1453 von den Osmanen in eine Moschee umgewandelt worden war, aufgehoben. Präsident Recep Tayyip Erdogan unterzeichnete daraufhin ein Dekret zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee.

Von einem „höchst bedauerlichen Schritt der türkischen Politik“ sprach auch der Salzburger Ostkirchenexperte Prof. Dietmar Winkler. Die Türkei verstehe sich oft als Brücke zwischen Ost und West, allerdings werde diese Brückenfunktion im konkreten Fall alles andere als wahrgenommen. Es handle sich vielmehr um eine Art „Retro-Politik erster Güte“, so Winkler. Anders ausgedrückt: Dies sei kein Schritt vorwärts in die Zukunft, sondern zurück. Winkler äußerte sich in der ORF-Radiosendung „Religion aktuell“.

Für die orthodoxe Kirche und vor allem für das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel sei die türkische Entscheidung ein „Schlag ins Gesicht“. Winkler erinnerte daran, dass die Kirche bis zur Eroberung Konstantinopels 1453 der Sitz des Patriarchats gewesen sei. Dem Patriarchen werde nun die Hagia Sophia gleichsam ein zweites Mal weggenommen.
Wenn man schon von einem Museum wegkommen wolle und die Hagia Sophia in einen Gottesdienstraum umwidmet, dann wären Schritte zu mehr Versöhnung und interreligiöser Begegnung zwischen Christentum und Islam angebracht gewesen. Die Umwandlung in eine Moschee sei hingegen „ein provozierendes Zeichen der Trennung“, so Winkler.

Er empfinde „großen Schmerz“ über diese Entwicklung, hatte sich Papst Franziskus beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom lapidar in dieser Frage geäußert.
Der in Rom lehrende Jesuit und Islamwissenschaftler Felix Körner bezeichnete es als „ärgerlich“, dass ein Gotteshaus zur „politischen Provokation“ werde. Es gehe dabei aber nicht um eine islamische Aggression, sondern um den Versuch einer innenpolitischen Selbstprofilierung des türkischen Präsidenten Erdogan. Nicht erst heute, sondern 1453 habe die Christenheit diese Kirche verloren, erinnerte Körner an die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen. „Die gesamte westliche Christenheit schaute damals weg. Auch darüber sollte man traurig sein. Keiner half.“

Der Nahostkirchenrat appellierte an die Vereinten Nationen und die Liga der arabischen Staaten, sich gegen die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu stellen. Die angekündigte Umwidmung des Wahrzeichens sei ein Angriff auf die Religionsfreiheit und gefährde den Dialog.

kathpress

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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