Wem schreibt Paulus seine Briefe? - Teil 5
Paulus überschreitet die Schwelle nach Europa

Das Taufbecken einer oktogonalen Kirchenanlage aus dem späten vierten Jahrhundert ist in Philippi noch gut erhalten.
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  • Das Taufbecken einer oktogonalen Kirchenanlage aus dem späten vierten Jahrhundert ist in Philippi noch gut erhalten.
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Die Apostelgeschichte erzählt davon, dass ein Traum Paulus zu jenem Schritt bewegt hat, der für ihn und die Ausbreitung des Christentums zentrale Bedeutung erlangte. Es war in Troas, unweit der sagenumwobenen Stadt Troja, dass Paulus von einem Mazedonier träumte, der ihn um Hilfe bat. Diese Vision und wohl auch seine guten Erfahrungen mit den aus Europa stammenden Galatern gaben Paulus den Impuls und die Kraft dazu, in ein Schiff zu steigen, das ihn nach Neapolis an der Nordküste der Ägäis brachte, wo er um das Jahr 50 erstmals europäischen Boden betrat.

Von hier folgte er der Via Egnatia über eine Passhöhe nach Philippi, das sich ihm als das Idealbild einer griechisch-römischen Stadt präsentierte. Auch Kleinasien war von der hellenistischen Kultur geprägt, doch blieb dort der Charakter des Landes orientalisch. Nun ist der Apostel ganz in Europa angekommen, in der Heimat Alexanders des Großen. Dessen Vater Philipp hatte hier die Sümpfe trockenlegen und eine befestigte Stadt errichten lassen, die er – erstmalig in der Geschichte – nach sich selbst benannte.

Kaiser Augustus, der vor den Toren dieser Stadt in zwei Schlachten die Legionen von Brutus und Cassius, der Mörder seines Onkels Cäsar, besiegte, machte Philippi zu einer steuerfreien römischen Kolonie mit einem Rechtsstatus, wie wenn die Stadt in Italien liegen würde. Sie wurde nach griechisch-römischem Vorbild, ausgestattet mit einem Forum, Tempeln, einer Akropolis und einem Theater, angelegt und mit Veteranen aus der Legion und italischen Bürgern besiedelt. Paulus fand hier ein „Rom im Kleinen“ vor.

Herzlich wurden er und seine Begleitung von der Händlerin Lydia, die sich taufen ließ, in ihrem Haus aufgenommen, und bald bildete sich in Philippi eine Christengemeinde, zu der Paulus eine besonders innige Beziehung pflegte und die ihn und seine Sammlungen großherzig unterstützte. Der kurze, aber sehr persönlich gehaltene und von überschwänglicher Herzlichkeit geprägte Brief an die Philipper zeugt davon.

Sechzig Jahre nach Paulus kam Bischof Ignatius von Antiochia nach Philippi – jedoch als Gefangener römischer Soldaten, die ihn nach Rom brachten. Nach der Anerkennung des Christentums im 4. Jahrhundert wurde die Stadt selbst Bischofssitz. Mehrere Kirchenbauten im Stadtgebiet dokumentieren durch ihre Größe und Architektur den besonderen Stellenwert der Gemeinde von Philippi.

Das Taufbecken einer oktogonalen Kirchenanlage aus dem späten vierten Jahrhundert ist in Philippi noch gut erhalten.
Ins Gefängnis geworfen wurde Paulus auch in Philippi. Ein Erdbeben – in dieser Gegend keine Seltenheit – soll ihn und seinen Gefährten Silas befreit haben.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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