Christentum - Ein Reiseführer - Etappe 008
Neue Zugänge 
zur Bibel entdecken

Jesus mit seinen Jüngern, gezeichnet im japanischen Manga-Stil.
  • Jesus mit seinen Jüngern, gezeichnet im japanischen Manga-Stil.
  • Foto: Bild: The Manga Bible – Siku
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Moderne Methoden der Schriftauslegung
Neben den traditionellen Auslegungsformen der Schrift hat sich mittlerweile eine Anzahl verschiedener Zugangsweisen der Bibelauslegung etabliert. Der evangelische Theologe Horst Klaus Berg gibt in seinem Standardwerk „Ein Wort wie Feuer“ (München 1991) einen gelungenen Überblick über Formen lebendiger Schriftauslegung:

Die existenziale Auslegung sucht Grundfragen und Grunderfahrungen des menschlichen Lebens (Angst, Freude, Glück usw.) in den biblischen Texten aufzuspüren und auf ihre Lebensrelevanz zu befragen.

Die linguistische Interpretation sucht mittels literaturwissenschaftlicher Verfahren die unterschiedlichen sprachlichen Elemente biblischer Texte zu erfassen und zu beschreiben.

Besondere Beachtung – nicht zuletzt durch die Ausein­andersetzung um den mittlerweile aus der Kirche ausgetretenen Theologen Eugen Drewermann – hat in den letzten Jahren die tiefenpsychologische Auslegung erfahren. Sie befragt Bilder, Mythen und Texte der Bibel auf im Unterbewussten vorhandene Urerfahrungen, die für Gelingen oder Scheitern des Lebens verantwortlich sind.

Feministische Exegese will darauf aufmerksam machen, wie biblische Texte zur Unterdrückung von Frauen missbraucht wurden, und sucht, die biblische Überlieferung von patriarchalen Überlagerungen zu befreien sowie die biblischen Frauengestalten als Identifikationsfiguren heutiger Befreiung (z. B. Mirijam, Esther, Maria Magdalena und viele andere) neu zu entdecken.

Als „relectura“ bezeichnet man lateinamerikanische Interpretationsformen der Bibel, die auf die Unterdrückungserfahrungen leidender Campesinos abzielen. Der Lobpreis Mariens (Magnificat) „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ (Lk, 1, 52) gilt etwa als ein Schlüsselsatz in der Solidargemeinschaft der Leidenden und Entrechteten.

Die wirkungsgeschichtliche Auslegung geht unter der Frage „Wer hat den Text in welcher Situation mit welcher Absicht verwendet?“ ideologiekritisch dem Missbrauch biblischer Aussagen in der Praxisgeschichte nach.

Die Interpretation durch Verfremdung will – nicht selten mittels Provokation – in Literatur, Kunst, Film, Karikaturen unter anderem verhärtete Sichtweisen aufbrechen, um die Dynamik der Texte wieder freizusetzen.

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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