Anstoß - Teil 2
Mit Lob kommt man weiter

Dietmar Constantini macht heute die 
Arbeit mit Kindern viel Freude. Er betreibt im Sommer die Intersport-Camps für Kinder.
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Arbeit mit Kindern viel Freude. Er betreibt im Sommer die Intersport-Camps für Kinder.
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  • Für die Taktik ist der Trainer zuständig. Aber wie bringen Sie Spieler dazu, dass sie nach Ihrem Plan spielen?

Dietmar Constantini: Am wichtigsten ist, dass ich den Spielern Respekt entgegenbringe. Auf der anderen Seite muss jeder seinen Beitrag leisten, damit wir zum Erfolg kommen. Ich muss also zeitweise als Spieler mein Ego im Sinne des Ganzen zurückstellen. Dadurch, dass ich in anderen Ländern wie Saudi-Arabien und Griechenland gearbeitet und so auch andere Mentalitäten kennen gelernt habe, gelingt mir das ganz gut.

 

  • Mit welchen Methoden gelingt Ihnen das?

Mit Lob und Kritik. Aber mit Lob kommt man meist weiter. Das ist das Wichtigste. Und es braucht Geradlinigkeit, dass ich auch sage, was mir nicht passt. Lob und Kritik zur richtigen Zeit! Das habe ich ganz gut drauf.

 

  • Wann ist die richtige Zeit?

Ich rede mit jedem, und zwar unter vier Augen. Die Geschichte ist die: Du musst dem Spieler, der nicht spielt, wie du es dir vorstellst, das auch sagen! Es kann ja einmal einen Grund geben. Ein Spieler kann sich oft schwer selbst einschätzen. Es ist wichtig, dass ich da nicht herumbrülle, sondern möglichst klar mit ihm rede.

 

  • Wie gelingt es, in der kurzen Spielpause eine andere Spielweise ins Spiel zu bringen?

Na ja. Das Geheimnis ist, dass du das Spiel erklärst. Dass ich drei, vier, fünf Sachen, die in der ersten Halbzeit passiert sind, beim Namen nenne. Da merke ich, dass die Spieler sagen: Hoppla, das habe ich auch so gesehen.

Ich war in meiner aktiven Zeit Defensivspieler. Als solcher habe ich immer das ganze Spielgeschehen praktisch vor mir gehabt. Ich habe als Spieler gesehen, wie sich die Spieler bewegen, und das bringt mir als Trainer sehr viel.

 

  • Womit sind Sie erfolgreicher: mit Motivation oder mit Strafe?

Strafe ist sicher kein falsches Wort. Ich habe schon Spieler hinausgeworfen, weil sie sich nicht eingesetzt haben. Innerhalb drei, vier Minuten kann das passieren. Ich kann nicht immer nur „seelsorglich“ einschreiten. Wenn einer überhaupt nicht will, ist er bei mir weg. Die Frage ist immer: Wie bringe ich den Spieler dazu, dass er alles gibt? Ernst Happel war sehr streng, aber ein unheimlich guter Charakter. Vor ihm haben alle viel Respekt gehabt.

 

  • Kann auch ein zu guter Einzelspieler zum Problem werden?

Das gibt es. Es gibt Trainer, die nur die schwachen Spieler antasten und kritisieren, die jungen, die sich nichts sagen trauen. Spieler, die einen Namen haben, rühren sie nicht an. Aber für mich ist wichtig, dass eine Gleichbehandlung da ist. Das ist nicht leicht. Den einen hast du lieber, dann bereitet dir einer Sorgen, weil er niedergedrückt ist – er ist aber ein sehr wichtiger Spieler.

Ich bin fast immer positiv überrascht gewesen: Wenn du gerade mit so genannten „schwierigen“ Spielern redest und dich mit ihnen abgibst, wenn du sie auf die Probleme wirklich ansprichst, dann machen sie fast immer mit.

 

  • Wie begleiten Sie Spieler in einem Formtief?

Wenn einer viele Tore macht und dann keine mehr schießt, fällt ja das gleich auf. In der Abwehr merkst du es, wenn einer auf einmal viele Fehler macht. Das muss man ganz offen ansprechen, besprechen, was man besser machen kann.

Wenn einer von drei, vier Metern das Tor nicht trifft, gibt es keinen Spieler, der dann nicht zum Trainer schaut, was er macht. Da wird man bei mir nie sehen, dass ich auf den Kopf greife. Da schrei ich eher hinein: Macht nichts! Weiter! Ich schau, dass ich im Positiven etwas weiterbringe. Wenn einer überhaupt nicht mehr trifft, lasse ich ihn mit dem Ko-Trainer einmal ein paar Tage nur aus kurzer Distanz den Ball ins Netz spielen. Im Grunde muss eine gewisse Lockerheit da sein.

 

  • Interessiert Sie das Privatleben der Spieler?

Es passiert immer wieder, dass du einen kritisierst – dabei hat er private Probleme: Liebeskummer, eine Scheidung, Geldprobleme. Aber wenn Spieler zu mir kommen mit privaten Problemen, das ist für mich das größte Kompliment an mich als Trainer, das ich überhaupt kriegen kann. Da ist einmal einer mit seiner Freundin und dem Koffer dagestanden. Und ich hab ihnen helfen können, eine Wohnung zu finden.

 

  • Haben Sie eine Methode, mit Druck umzugehen?

Ja. Ich lasse mich von meiner Lebensfreude nicht abbringen. Ich bin mit 19, 20 bei Innsbruck in die Mannschaft gekommen. Da sind wir beim Hineinlaufen auf das Spielfeld immer an sieben, acht Rollstuhlfahrern vorbeigelaufen. Damals habe ich mir gedacht: Ich kann vor 15.000 Leuten Fußball spielen, und die können nicht einmal allein aufs Klo gehen. Da denke ich bis heute oft daran. Ich bin nicht einer, der 24 Stunden nur an Fußball denkt. Man muss das Glück erkennen, das man hat.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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