Ketzer - Unruhestifter des Glaubens - Teil 14
M.-Dominique Chenu und die Kirche in der Welt von heute

„Alle Lebensangst, die die Menschen quält, brennt uns auf der Seele. Unsere erste Sorge eilt deshalb zu den ganz Schlichten, zu den Armen und Schwachen“.
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Der Mittelalterforscher war Zeuge des 20. Jahrhunderts und fand mit „heiliger Neugier“ neue theologische Orte.

Marie-Dominique Chenu trat jung in den Dominikanerorden ein. Nach dem Noviziat absolvierte er das Theologie- und Philosophiestudium. 1920 begann er als junger Professor, „Geschichte der christlichen Lehren“ in Le Saulchoir zu unterrichten. Das war der Studienkonvent der Pariser Ordensprovinz der Dominikaner, damals im Exil in Belgien.

Lehren und Leben
Chenus Studenten behaupteten von ihm, der hl. Thomas von Aquin selbst spräche durch ihn. Als Rektor reformierte Chenu den Studienbetrieb und öffnete ihn ökumenisch und pastoral. Ab 1932 wurden Gruppen der in Belgien gegründeten Christlichen Arbeiterjugend zu Einkehrtagen aufgenommen. Diese Begegnungen wurden für Chenu zu einer Schlüsselerfahrung. Es ging ihm um gelebten und nicht nur um gelehrten Glauben.

Le Saulchoir und die erste Sanktion
1937 veröffentlichte Chenu eine Denkschrift, die zu seiner ersten Verurteilung in Rom führen sollte. Im allein für den ordensinternen Gebrauch bestimmten schmalen Band Le Saulchoir. Eine Schule der Theologie beschrieb Chenu Geist und Methoden der dort gelehrten Theologie und Philosophie. Die vatikanischen Behörden zogen das Büchlein bereits nach wenigen Wochen aus dem Verkehr. Chenu wurde nach Rom zitiert und die Schrift kam 1942 auf den Index der verbotenen Bücher. Chenu wurde als Rektor abgesetzt und verlor seinen Lehrstuhl.

13. Jahrhundert und 13. Arrondissement
Chenu zog nach Paris und lehrte und forschte weiter zum 13. Jahrhundert. Er schrieb Bücher, die zu Standardwerken der Mittelalterforschung wurden. Gleichzeitig engagierte er sich in Arbeiterclubs, Laien- und Priestergruppen, insbesondere im 13. Pariser Stadtbezirk. Chenu begleitete die französische Arbeiterpriesterbewegung als theologischer Berater und geriet dadurch auch in den gefährlichen Verdacht, Marxist zu sein.

Die zweite Sanktion
1954 musste das Experiment der Arbeiterpriester auf römischen Druck hin abgebrochen werden. Die Arbeiterpriester hätten (angeblich) Verrat am Priestertum begangen. Chenu als einer der führenden theologischen Köpfe der Bewegung wurde von Paris nach Rouen versetzt. Alle französischen Dominikaner wurden mit Ausreisesperre belegt.

Der Konzilstheologe
1962 konnte Chenu nach Paris zurückkehren. Am Konzil fungierte er als persönlicher Berater von einem seiner Schüler, Bischof Rolland von Madagaskar. Zwei Dokumente des Konzils tragen Chenus Handschrift. Chenu trat in den folgenden Jahrzehnten weiter für den konziliaren Aufbruch ein. Offiziell rehabilitiert wurde er nicht, während andere seiner Mitstreiter für theologische Erneuerung mit Kardinalspurpur gewürdigt wurden. Fast völlig erblindet starb Chenu im Februar 1990 im Kloster Saint-Jacques in Paris.

 

„Alle Lebensangst, die die Menschen quält, brennt uns auf der Seele. Unsere erste Sorge eilt deshalb zu den ganz Schlichten, zu den Armen und Schwachen“.
Marie-Dominique Chenu, OP. (1895–1990), geboren als Marcel Chenu in Soisy-sur-Seine, gestorben in Paris.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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