Wege entstehen im Gehen -
„Ich wollte nicht nach Graz betteln gehen“

 

Die Ausgegrenzten. Roma wollen arbeiten, doch die Chancen sind in der Slowakei gering.

Die Österreicher sind gute Menschen, haben ein gutes Herz.“ Ernö Danyi, ungarischstämmiger Rom aus dem slowakischen Hostice, gibt ein klares, positives Urteil ab über die Leute, denen er Tag für Tag begegnet, wenn er in Graz ist.

Zur Zeit ist eben das Betteln seine Arbeit geworden: „Ich möchte nicht, aber ich brauche das Geld. Ich muss Geld machen. In der Slowakei sind zu viele Prozent arbeitslos.“ Deshalb sind die Straßen und Plätze hier irgendwie eine Art Arbeitsplatz geworden. Vor allem jetzt, wenn es kalt wird. „Muss schauen Geld für Holz, aber auch für Lebensmittel und Strom.“ 120 Euro bekommt er zu Hause Sozialgeld, und die Chance, noch einmal Arbeit zu finden, ist gering. Er habe sich bemüht, aber als Rom … Ernö zuckt mit den Schultern und bringt den Satz irgendwie nicht zu Ende. Früher war er Hauptkoordinator im Bürgermeisterbüro von Hostice, aber danach konnte er nichts anderes mehr finden. Die Jobs würden eher an junge Leute und an Leute mit größeren Familien und kleinen Kindern vergeben. Mit seinen 54 Jahren ist er da schon nicht mehr unter den Favoriten.

Er selbst hat kein Auto. Mit einem seiner „Kollegen“ macht er sich gemeinsam auf den Weg. „Drei Wochen hier bringen 200 Euro.“ Dann geht es wieder nach Hause. 550 Kilometer, sechs Stunden, je nach Lage auf den Straßen, manchmal auch sieben, wenn es in Wien und Bratislava viel Stau gibt.

In Graz geht er natürlich immer zu Fuß oder fährt mit der Straßenbahn. „Die Österreicher haben ein gutes Herz“, und so hat er sich an den Wechsel „ungefähr drei Wochen hier und dann wieder eine Woche zu Hause“ gewöhnt. Froh ist er über die Möglichkeit, im Vinzinest übernachten zu können: Dusche und gutes Essen erleichtern die schwierige Lage.

Natürlich komme jetzt der Winter, was alles noch schwieriger macht. „Es ist auch jetzt schon kalt“, und draußen zu sitzen bei Regen und Schnee ist nicht gerade das, was man sich so wünscht, aber es helfe eben nichts: „Ich brauche das Geld.“ Wenn die Rechnungen kommen, bleibe eben nichts anderes übrig – für seine Familie, auch zwei schon erwachsene Söhne, die in Wien leben. „Ich will auch immer für meine fünf Enkel etwas mitbringen.“ Süßigkeiten kauft er im Supermarkt – hier sind sie billiger als zu Hause. „Was soll ich machen, ich möchte besser leben und habe keine andere Möglichkeit.“ Das ist der immer wiederkehrende Refrain, auf den alles hinausläuft.

Ein Mann der großen Worte und der langen Geschichten ist Ernö Danyi nicht. Eine kurze Zusammenfassung der Situation gibt er ab, und dann folgt bald ein Schweigen, wo er nicht mehr weiter weiß und meint, alles erzählt zu haben. Es heißt dann: „Das ist alles, ich muss Geld verdienen.“ Also: Eine ganz einfache Sache. Wenn er jetzt wieder nach Hause kommt, muss er sich entscheiden: Lebensmittel oder Holz. Das Leben in der Slowakei sei mittlerweile sehr teuer geworden. Für 400 Euro gebe es 10 Meter Holz.

 

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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