Steirische Missionare, Serie_4
Ich fühle mich als Missionar

Bild der Zukunft. Die Träume der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen.
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Politik der Geschwisterlichkeit nach Afrika zu bringen, ist das Ziel für den Fokolar Ernst Ulz.
Ich bin als letztes von acht Kindern in Markt Hartmannsdorf aufgewachsen“ und von dort ziemlich weit gekommen. Heute lebt Ernst Ulz in Kenia und betreut Projekte für Jugendliche im östlichen Afrika.

Er wurde als Jugendlicher von der Spiritualität der Fokolar-Bewegung ergriffen, „von einem Jugendlichen berührt, der mich sehr ernst genommen hat, und das hat mein Leben völlig verändert“. Vor 13 Jahren, als in Hartmannsdorf aus Anlass der Hungersnot in Äthiopien ein Benefizkonzert stattfand.
Zur Zeit läuft gerade eine ganz besondere Summer School in Kenia, bei der Ernst Ulz stark beteiligt ist. Es ist ein neues Projekt namens „Back to Africa – Together for a New Africa“, das von einigen Unis und Institutionen (auch von der UNESCO) unterstützt wird. (Siehe: https://togetherforanewafrica.org/) Es ist ein Pilotprojekt, bei dem in einer Art positivem Schneeballsystem Jugendliche ausgebildet und motiviert werden, die negativen Umstände zurückzudrängen, um miteinander ein neues Afrika mit Zukunftsperspektive zu schaffen. Das erste Training brachte in Nairobi über 140 Teilnehmer aus Ost- und Zentralafrika zusammen. Vertretene Länder sind Kenia, Tanzania, Uganda, Burundi, Südsudan oder Kongo.
Gestaltet wurde das Programm von Professoren verschiedener Universitäten der Region gemeinsam mit Absolventen und Professoren des Sophia-Universitätsinstituts in Florenz/ Italien. Ziel ist eine kulturelle Umformung für einen neuen Führungsstil. „Der Ansatz ist, durch Interaktion zu lernen und zum Frieden zu erziehen, ohne zu predigen.“ In Workshops für Erwachsene und Animatoren kamen bis jetzt 150 Erwachsene und 1100 Kinder in drei Ländern zusammen. Gerade auch bei den verfeindeten Stämmen in Nordkenia soll so eine geschwisterliche Gesellschaft entstehen.
Die steirische Caritas finanzierte sechs Teilnehmer und ist so an dem Projekt der Hoffnung beteiligt. „Ja, ich möchte die jungen Menschen auch begeistern und sie motivieren, sich für ein neues Afrika zu engagieren.“ Dabei kommt Ernst Ulz auf eine Aussage zurück, die ihn selbst an der Fokolar-bewegung immer besonders beeindruckt hat: „Jeder hat etwas zu geben.“ Nur in dieser Kultur des Gebens verwirkliche sich der Mensch. Wenn junge Menschen diese Erfahrung machen können, dann werden diese Veränderungen, wie sie dieses aktuelle Afrika – bestimmt von Unruhe, Auseinandersetzungen, Kriegen, Armut und Unterdrückung – so dringend braucht, auch möglich, ist er sich sicher. Denn abgesehen von materieller, finanzieller und wirtschaftlicher Hilfe insgesamt leidet der Kontinent seiner Meinung nach an einem Mangel an leadership (Führungsqualität). Deshalb ist es mit der üblichen Entwicklungshilfe allein nicht mehr getan. Der klassische Missionar brachte Essen, Bildung und Glauben. Auch dies habe sich schon lange verändert.
„Die Verknüpfung von Leben und Spiritualität wollen wir nach Afrika bringen.“ Anders sind keine Lösungen für den Kontinent möglich, ist Ernst Ulz überzeugt. „Einheit dorthin zu bringen, wo die größte Uneinheit ist.“ In seinen Projekten stellt sich immer wieder heraus, „dass alle Jungen dieselben Hoffnungen, dieselben Träume haben“. Sie haben Sehnsucht, suchen die Veränderung, möchten ein neues Afrika aufbauen. Allein das sei schon eine große Hoffnung. Mit der Formung des Gewissens und der sozialen Haltung muss schon bei den kleinen Kindern begonnen werden.
So ist für Ernst Ulz ernst genommen zu werden eigentlich eine Lebenserfahrung, die zu seinem Lebensmotto geworden ist: Das Ernst-Nehmen als Schlüssel, um im Anderen die besten Eigenschaften und Fähigkeiten aufzuwecken.
Gisela Remler

Ein Brückenbauer
1973 in Graz geboren, aufgewachsen in Markt Hartmannsdorf.
Nach dem Magister-Studium der Theologie an der Karl-Franzens-Universität Graz war Ernst Ulz Redaktionsvoluntär und Redakteur beim Monatsmagazin NEUE STADT in Augsburg, von 2010 bis 2016 Finanzkoordinator der Pastoralabteilung der Diözese Rumbek im Südsudan.Seit 2016 ist Ernst Ulz Projekt- und Jugendkoordinator der Fokolar-Bewegung im östlichen Afrika. Er ist gottgeweihtes Mitglied der internationalen christlichen Fokolar-Bewegung und lebt derzeit in einer Fokolar-Gemeinschaft in der Modellsiedlung „Mariapolis Piero“ in Juja, Kenia.
Seine Arbeit ist geprägt von der Überzeugung: „Jeder hat etwas zu geben. Jeder Mensch ist gerufen, Missionar zu sein, die frohe Botschaft zu verkünden. Die Heiligkeit steht für jeden offen.“

Kenia
Kenia in Ostafrika grenzt an den Sudan, Äthiopien, Somalia, Tansania, Uganda und den Indischen Ozean. Das Land ist knapp siebenmal so groß wie Österreich und hat ca. 48,4 Millionen Einwohner. Fast 40 % der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre, über 75 % sind Christ/innen. Es herrscht tropisches Klima mit geringen Unterschieden zwischen den Jahreszeiten.

Die Fokolar-Bewegung
Der innere Weg – Die Sehnsucht des Menschen nach dem, was über seine irdische Existenz hinausgeht, ist Antrieb für seine Suche.
Die Fokolar-Bewegung wurde 1943 von der damals 22-jährigen Chiara Lubich in Trient gegründet. Weltweit sind mittlerweile rund 2.000.000 Menschen in Verbindung und die Bewegung in 182 Ländern verbreitet. 140.000 Mitglieder, 50.000 Christen, 30.000 Angehörige anderer großer Religionen wie Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus, 60.000 Menschen ohne religiöses Bekenntnis. Die Bewegung gründet in der Bibel – genauer im Johannesevangelium, wo Jesus in 17,21 seinen Vater bittet: „Alle sollen eins sein.“
Das Engagement für eine lebendige Beziehungskultur, für Verständigung und friedvolles Miteinander kennzeichnet auf unterschiedliche Weise das Leben von Mitgliedern und Freunden der Fokolar-Bewegung. An der Spitze steht immer eine Frau.
Ziel: Auf allen Ebenen und in allen Bereichen sollen Respekt und Toleranz gestärkt und ein Beitrag für mehr Geschwisterlichkeit und Einheit in der Welt gegeben werden.

EINBLICKE
Mission ist Dienst an der Einheit.
Was die junge Chiara Lubich inmitten der Zerrissenheit des 2. Weltkrieges intuitiv als ihre Mission erkannte und die Fokolar-Bewegung heute auf ökumenischer und interreligiöser Ebene zu leben versucht, das braucht die Welt notwendiger denn je.
„Die Kirche ist in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit.“ Diese Vision des 2. Vatikanischen Konzils bedarf der Umsetzung. Einen lebendigen Beweis dafür, dass Menschen mit ihrer verschiedenen Herkunft und Hautfarbe, Konfession und Religion es gut miteinander können, sollen wir als Kirche liefern, und nicht das Schauspiel eines in sich zerstrittenen Haufens, an dem unser Papst Franziskus wohl genau so leidet wie am millionenfachen Unrecht und Leid, das Menschen einander zufügen.Am sonst so vitalen Leib der Völker und Kulturen des afrikanischen Kontinents wuchert ein Krebsgeschwür: Ethnozentrismus und unversöhnlicher Hass lassen alte Konflikte zwischen Stämmen und Staaten immer wieder aufbrechen. Von politischen und wirtschaftlichen Machtinteressen angeheizt, von einer schamlosen Waffenlobby geschürt, bringen sie Leid und tausendfachen Tod über unsere Brüder und Schwestern in einigen Teilen Afrikas.
Viele Menschen werden es dem steirischen Missionar Ernst Ulz danken, dass er ihre Träume von einem versöhnten Afrika wahrnimmt, dass er in seinen Projekten Afrikanerinnen und Afrikaner miteinander vernetzt und sie in der Hoffnung bestärkt, dass aus der versöhnenden Kraft des Geistes Gottes ein anderes Afrika möglich ist.
Franz Weber

Autor:

Ingrid Hohl aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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