Ordensleben in der Steiermark - Teil 20
Herren, Seelsorger und Käferentdecker

Keinen „Club des Wohlfühlens“, aber Gemeinschaft und Beheimatung bergen die Mauern von Stift Vorau.
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Die Leute spüren vielleicht, ein Vorauer Chorherr als Pfarrer hat eine besondere Beheimatung.

Mit der „Spatzenmesse“ von Wolfgang Amadeus Mozart, mit Frühschoppen und „Mehlspeis-Preisrätsel“ im Stiftsgarten oder bei Schlechtwetter in den Stiftsgaragen feiern die Augustiner-Chorherren in Vorau am 30. August ab 9 Uhr das Augustinus- und Pfarrfest. Zwei Tage vor dem Augustini-Sonntag, am eigentlichen Fest des heiligen Augustinus, 28. August, haben sie zu einer feierlichen Konzelebration aller Chorherren eingeladen. Am Abend davor, dem 27. August, hatte der bisherige Stainzer Pastoralassistent Mag. Markus Kraxner seine feierliche Einkleidung als Vorauer Chorherr.

„Seid ihr eine Art Männer-Gesangsverein?“, werde er manchmal gefragt, schmunzelt Propst Mag. Gerhard Rechberger. Der Name „Chorherren“ komme vom Chorgebet. Deswegen werden Chorherren nicht mit Pater, sondern mit „Herr“ angesprochen. Patres waren ursprünglich Mönche und lebten zurückgezogen im Kloster. Augustinus dagegen wollte um sich herum Priester scharen, „die in der Seelsorge stehen, im Dienst am Volk Gottes, aber in einer Gemeinschaft leben“. Regularkanoniker heißen sie, CRSA., Canonici Regularis Sancti Augustini.

„Herr“ bzw. Propst Gerhard Rechberger freut sich, dass immer wieder Weltpriester für eine gewisse Zeit im Stift Anschluss suchen. „Sie finden ein bisschen Halt, Beheimatung, das gemeinsame Gebet und vielleicht Gesundung“, hofft Rechberger. Der Tagesrhythmus sei heilsam. Er selber findet es auch „spannend“, neben der Aufgabe im Stift in der kleinen Pfarre St. Lorenzen am Wechsel Pfarrer zu sein. Alle elf Pfarren des Dekanats Vorau werden von Augustiner-Chorherren betreut. Von den 15 Augustiner-Chorherren wohnt etwa die Hälfte im Stift, die anderen bleiben meist in ihren Pfarren.

Vielen Pfarrangehörigen gebe das Gefühl, „wir gehören zum Stift“, eine gewisse Sicherheit. Der Propst räumt ein, kritische Stimmen werden laut, weil das Stift auch Grundbesitzer sei. Es habe 3000 Hektar Wald im Wechselgebiet. Doch diese Finanzkraft ermögliche Renovierungsarbeiten im Stift oder günstige Pensionspreise im 1977 gegründeten Bildungshaus. Das Stift wolle auch wertschätzend mit den 35 Beschäftigten umgehen.

Die Chorherren seien nicht bessere Priester als andere, „aber die Leute spüren vielleicht, der hat eine Beheimatung“, schält Rechberger ein mögliches „Plus“ seiner Mitbrüder heraus. Nicht „ein Klub des Wohlfühlens“ sei der Orden, aber die Herren sollen nach dem Willen von Augustinus „ein Herz und eine Seele sein auf Gott hin“ (Apostelgeschichte 4,32).

Wie er die Herren leite? Das lateinische Wort „Autorität“ komme von „augere“, fördern, wachsen lassen, bemerkt der Propst (dieser Titel stammt auch aus dem Lateinischen, von „praepositus“, Vorsteher). Der „Stiftsvorsteher“ versucht, dem Einzelnen Aufgaben zu geben, für die er eine besondere Begabung hat. Die Gemeinschaft heißt auch „Stiftskapitel“. Bei der Kapitelsitzung alle zwei Monate fallen wichtige Entscheidungen.

Apropos Begabungen: Stiftsarchivar und Bibliothekar Mag. Stefan Reiter erwähnt als besondere Chorherren etwa den Moraltheologen und Grazer Universitätsrektor Marcellin Schlager, den Direktor im Taubstummeninstitut Raimund Pötz (beide um 1900) sowie den Naturwissenschaftler Gottfried Schreitter, der im 19. Jahrhundert eine Käferart entdeckte.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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