Ordensleben in der Steiermark - Teil 8
Gutes tun 
und es gut tun

Im Herzen der Stadt liegt das Grazer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Marschallgasse. – 
In Brüssel erhielt der internationale Orden der Barmherzigen Brüder in diesen Tagen den „Europäischen Bürgerpreis“, auch für den Einsatz gegen die Ebola-Epi
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  • Im Herzen der Stadt liegt das Grazer Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Marschallgasse. – 
In Brüssel erhielt der internationale Orden der Barmherzigen Brüder in diesen Tagen den „Europäischen Bürgerpreis“, auch für den Einsatz gegen die Ebola-Epi
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Bei euch ist etwas anders!“ Diese Rückmeldung bekomme er häufig von Patienten, erzählt Frater Paulus Kohler, Prior des Grazer Konvents der Barmherzigen Brüder. Was den Unterschied zu anderen Spitälern ausmacht, könne er selbst nicht so genau benennen: „Ich glaube, die Menschen spüren, dass bei uns die Hospitalität gelebt wird.“

Hospitalität ist das Schlüsselwort in diesem Orden, den der hl. Johannes von Gott im 
16. Jahrhundert ins Leben gerufen hat. Neben Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit verpflichten sich die Barmherzigen Brüder als viertes Gelübde zur Hospitalität. Es bedeutet wörtlich „Gastfreundschaft“, ist aber viel mehr als das, nämlich die umfassende Sorge dafür, dass die Kranken sich angenommen und wohl fühlen. Das hat nicht nur für die Brüder in ihrem Dienst oberste Priorität, der Hospitalorden legt auch großen Wert darauf, die Grundhaltung seiner Spiritualität an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterzugeben. Die „Schule der Hospitalität“ wirkt sich unmittelbar auf das Arbeitsklima, den Umgang mit-einander und mit den Patienten aus.

„Ein Heiliger aus schlechtem Holz“ wird Johannes von Gott in einer Biografie genannt. Der gebürtige Portugiese kam als Hirtenjunge nach Spanien, ließ sich als Söldner anwerben und landete schließlich als Hausierer und Straßenhändler in Granada. Nach einem dramatischen Berufungserlebnis wurde Johannes kurzerhand für wahnsinnig erklärt, landete im Irrenhaus und erlebte am eigenen Leib die menschenunwürdige Behandlung geisteskranker Menschen. Nach seiner Entlassung nahm er sich der Kranken an, erbettelte ein Haus und richtete darin ein armseliges Hospital ein, über dessen Eingang er schrieb: „Das Herz befehle“.

Menschenwürde und Barmherzigkeit prägten seine Haltung – besonders im Umgang mit Geisteskranken –, mit der er die Krankenpflege revolutionierte. Nach dem Tod des Johannes von Gott am 8. März 1550 entwickelte sich in der Weiterführung seiner Werke der Hospitalorden, eine geistliche Gemeinschaft von Brüdern, die sich besonders jenen Menschen verpflichtet wissen, für die sonst niemand da ist. Sie wollen „Gutes tun und es gut tun“, also mit größtmöglicher Professionalität den Bedürfnissen der Kranken gerecht werden. Immer hat den Orden ein offensiver Umgang mit neuen Erkenntnissen auf medizinischem, technischem und humanwissenschaftlichem Gebiet oder im Spitalswesen ausgezeichnet, oft waren Einrichtungen der Barmherzigen Brüder ihrer Zeit weit voraus und setzten Pionierleistungen.

Bei allen gravierenden Veränderungen in der Medizin dürfe sich eines nicht verändern, betont Fr. Paulus: „Die menschliche Zuwendung, mit der wir die Liebe Christi sichtbar machen.“ Er ist dankbar für viel Gutes, das mit vielen guten Mitarbeitern getan wird. Heute sind an den Standorten Marschallgasse und Eggenberg nahezu 800 Mitarbeiter um die Patientinnen und Patienten bemüht. Noch mehr sind im Pflegezentrum Kainbach für über 600 geistig und mehrfach beeinträchtigte Bewohner da. In den drei Häusern leben derzeit zehn Brüder. Das Grazer Krankenhaus feiert heuer im Juni sein 400-jähriges Bestehen. Ein Festgottesdienst am 7. März um 11 Uhr in der Barmherzigenkirche mit Altbischof Johann Weber bildet den Auftakt dazu.

 

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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