Die Botschaft von Weihnachten
Gott wird einer von uns

Die österreichischen Bischöfe appellierten zu Weihnachten unter anderem an die Politik, sich der Flüchtlingskatastrophe auf europäischem Boden (links) endlich anzuenhmen. Eine Weihnachtskrippe (rechts) zeigt die Heilige Familie im 2016 von Erdbeben gebeutelten Amatrice/Italien. | Foto: Alea Horst, KNA
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  • Die österreichischen Bischöfe appellierten zu Weihnachten unter anderem an die Politik, sich der Flüchtlingskatastrophe auf europäischem Boden (links) endlich anzuenhmen. Eine Weihnachtskrippe (rechts) zeigt die Heilige Familie im 2016 von Erdbeben gebeutelten Amatrice/Italien.
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Die Botschaft von Weihnachten – ein Lebenstil sich verschenkender Liebe bis zum Gott der Abstandsregeln bricht – von den Bischöfen Österreichs durchbuchstabiert.

Das Feiern des Weihnachtsgeschehens verpflichtet Christen im Corona-Jahr 2020 erst recht dazu, den Blick auf Notleidende, Einsame, Benachteiligte und Flüchtlinge zu richten und sich für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen: Das haben Österreichs Bischöfe in ihren Predigten bei den Christmetten hervorgehoben.

Wer hat Weihnachten gerettet?

Im Grazer Dom widersprach Bischof Wilhelm Krautwaschl energisch den Darstellungen der Regierungen, die Corona-Maßnahmen der vergangenen Tage hätten es zustandegebracht, „Weihnachten zu retten“. In Wirklichkeit sei es umgekehrt, so der Diözesanbischof: „Weihnachten und damit die Geburt Jesu rettet uns.“ Trotz allen Fortschritts schreie vieles in der Welt förmlich nach Heil und Rettung, auch wenn es sich der Mensch oft nicht eingestehen und nicht von Hilfe abhängig sein wolle. Wie Gott den Menschen rette, werde in den Evangelien geschildert, so Krautwaschl weiter: „Die Rettung geschieht nicht durch Selbstbehauptung, sondern im Geschenk.“
Das Weihnachtsfest 2020 sei „die Gelegenheit, dem auf die Spur zu kommen, was eigentlich in Betlehem geschehen ist“, so der Linzer Bischof Manfred Scheuer. Weihnachten sei eine „Sternstunde“ der Menschheit, die von zwei Ebenen bestimmt ist: Von „Armut, Klage und Ausgesetztsein“ wie auch von „Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen“.
Auch wenn das Jahr 2020 unter anderem von Terror und der Corona-Krise geprägt war, hob Kardinal Christoph Schönborn die weihnachtliche Botschaft „Fürchtet euch nicht!“ hervor. „Was ist die Alternative? Ständig in Furcht zu leben? Ich glaube, jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass Angst kein guter Berater ist“, so Schönborn.

Gott bricht die Abstandsregeln
„Gott macht zu Weihnachten nicht einen kurzfristigen Ausflug auf die Erde, um dort nach dem Rechten zu sehen, sondern es geht ihm um einen bleibenden Traum für seine Welt: dass wir alle ein menschenwürdiges Leben führen können“, sagte der Vorarlberger Bischof Benno Elbs. „Gott wird einer von uns, damit er uns den Weg zu einem erfüllten Leben zeigt“, beschreibt der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz Weihnachten.
Gott hat zu Weihnachten nach dem Innsbrucker Bischof Hermann Glettler „alle Abstandsregeln gebrochen und sich selbst in die Futterkrippe gelegt“. Gottes selbst gewählte Verletzlichkeit sei ein Geschenk und schaffe eine „Nähe, die tröstet und heilt“.
Als einen „Kniefall Gottes“ bezeichnete der Klagenfurter Bischof Josef Marketz die Menschwerdung Gottes. Im Kind von Betlehem beuge sich der Himmel zum Menschen herunter. „Mit ihm begibt sich Gott auch ins Gefängnis, ins Altenheim, neigt sich zu den Obdachlosen, friert mit den Flüchtlingen in den griechischen Lagern“, so Marketz.
Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics sieht im zu Weihnachten gefeierten Kind in der Krippe einen „Test unseres Menschseins“. Er verstehe es als eine Aufforderung, „den Umgang mit den Armen, Kleinen und Benachteiligten“ zu überprüfen.
Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner formulierte den Auftrag der Christen: „Im Sinne Jesu Mensch zu werden“ und sein Werk der Verkündigung und Nächstenliebe weiterzuführen. Dies sei, so Lackner, die „frohe Botschaft von Weihnachten“ und solle nicht nur einmal im Jahr, sondern als „Normalfall“ umgesetzt werden.

KATHPRESS

Beten mit den Bischöfen
„Mit Gott-Vertrauen das Neue Jahr beginnen!“ – unter diesem Motto laden die österreichischen Bischöfe ab 1. Jänner zu einem 9-Tage-Gebet (Novene) während des Corona-Lockdowns ein.

Mit Gottvertrauen das neue Jahr beginnen
Die Österreichische Bischofskonferenz lädt ein, beim 9-Tage-Gebet von 1. bis 9. Jänner Gottes Hilfe zu erbitten und im Glauben zu wachsen. Alle Texte unter www.bischofskonferenz.at
Aufbau des Novene-Gebetes für jeden Tag: Kreuzzeichen – Gebetsmotto des Tages – Stille oder Liedruf – Wort aus der Hl. Schrift – Meditation mit dem vorgeschlagenen Text – Bitten, Anliegen – Vater unser und Gegrüßet seist du, Maria – Gebet zum Jahresbeginn:
Du Gott des Friedens,
am Beginn des neuen Jahres legen wir alles in deine Hand.
Angesichts von Ohnmacht und Nervosität, Unsicherheit und Fragen wagen wir Schritte des Vertrauens. Von dir und nicht von einem blinden Schicksal wird unser Leben geleitet.
Erklärungen und Debatten über den Zustand der Welt greifen zu kurz.
Mit deinem Frieden wollen wir einen Weg der Zuversicht wählen.
Du Gott der Vergebung,
hilf uns, auf deine leise Gegenwart zu achten, die uns begleitet.
Angesichts der Pandemie, die immer noch nicht besiegt ist, widersagen wir der Versuchung, Schuldige zu benennen und uns auf das Versagen von Menschen und Institutionen zu fixieren. An deiner Hand wollen wir Wege der Versöhnung gehen, bereit zu einer Umkehr des Herzens – im Denken, Reden und Tun.
Du Gott des Lebens,
wir bitten für alle, die von Bitterkeit und Enttäuschung erfüllt sind.
Mit deiner heilsamen Nähe stärke alle Kranken und Leidenden.
Lehre uns in diesem neuen Jahr, mit Respekt und Wertschätzung dem Leben in seiner Schönheit und Zerbrechlichkeit zu begegnen.
Aus Dankbarkeit für alles, was uns geschenkt ist, stärke unser Mitgefühl und die helfende Kreativität für Bedürftige und Einsame.
Du Gott der Liebe,
schenke uns Ausdauer im Guten, Trost in der Bedrängnis und Geduld in den Herausforderungen dieser schwierigen Zeit.
Hilf uns, dich in allem zu suchen, zu finden und zu lieben. Mit Jesus, unserem Herrn und Bruder, der den Tod besiegt hat, bist du uns Zuversicht und immer neue Quelle tiefer Freude. Wir vertrauen auf dich und die Geisteskraft deiner Liebe. Amen.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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