Gerecht leben - Fleisch fasten - Teil 06
Global denken –
solidarisch fasten!

In Argentinien konnte nur das vorübergehende Export-Verbot von Weizen Unruhen im Land verhindern. Der globale Fleischkonsum verschlingt immer größere Anteile der Ernten.

  • In Argentinien konnte nur das vorübergehende Export-Verbot von Weizen Unruhen im Land verhindern. Der globale Fleischkonsum verschlingt immer größere Anteile der Ernten.

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Argentinien 2007/2008: Wie weltweit in 36 anderen Ländern kommt es zu Gewaltausbrüchen, weil Teile der ärmsten Bevölkerung keinen ausreichenden Zugang zu Lebensmitteln mehr haben. Im Gegensatz zu Haiti, Bangladesh, der Elfenbeinküste und Mauretanien bleibt das Land zwischen Rio Plata und Patagonien zumindest von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen verschont, nicht zuletzt weil die Regierung vorübergehend den Export von Weizen weitgehend zu stoppen vermag. Dass sich zur gleichen Zeit auch die russische Regierung zu einer ähnlichen Maßnahme entschließen muss und in Ägypten nach der Verdoppelung des Brotpreises und einer Inflation von über 15 Prozent bei gleichbleibenden Löhnen 25.000 Arbeiter im Textilzentrum Mahalla 
al-Kubra in den Streik treten, zeigt die globale Dimension der weltweiten Hungerkrise 2008.

Gründe dafür gab und gibt es eine Vielzahl. Der Klimawandel führt zu vermehrten Ernteausfällen, auf den Börsen sind agrarische Rohstoffe zu einem beliebten Spekulationsobjekt geworden, die Lebensmittelnachfrage in den bevölkerungsreichen Schwellenländern wächst, und vor allem der globale Fleischkonsum lässt immer größere Anteile der weltweiten Ernte in die Futtertröge der Tiere und nicht auf die Teller der hungernden Menschen gehen.

Doch bleiben wir in Argentinien: Das Land mit dem nach Französisch-Guayana höchsten Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt Südamerikas ist nicht nur einer der wichtigsten Global Player im Bereich der Agrarrohstoffe, die nationale Wirtschaft ist insgesamt weitgehend exportabhängig. In den Jahren vor der Hungerkrise wurden bis zu 95 Prozent der Ernten ausgeführt. Und damit standen Präsidentin Kirchner und ihre Regierung vor einem faktisch unlösbaren Interessenkonflikt: Zwar konnte ein Großteil der Hungernden durch den Exportstopp kurzfristig versorgt und somit beruhigt werden. Doch die zur nachhaltigen Sicherung der heimischen Lebensmittelversorgung geplante Exportsteuer auf Agrarprodukte brachte nicht nur die mächtige Agrarlobby wegen der daraus resultierenden Wettbewerbsnachteile auf dem Weltmarkt auf die Barrikaden. Zudem hätten die damit in Kauf zu nehmenden ausbleibenden Devisen auch das nationale Budget schwer beeinträchtigt. Wo Hunger droht, wird der soziale Frieden eben zu einem kostbaren Gut.

Letztlich ist es immer der gleiche postkoloniale Mechanismus: Der wirtschaftlich reiche Norden, der mit seinen eigenen Ressourcen schon lange nicht mehr das Auslangen findet, nützt das ökonomische Gefälle zu den ärmeren Schwellen- und Entwicklungsländern, um sich dort billig zu versorgen. Und weil kein anderes Lebensmittel so viel Energie und natürliche Ressourcen verbraucht, ist Fleischfasten auch ein wesentlicher Beitrag zur globalen Solidarität!Hans Putzer

 

Hören Sie dazu auch den Beitrag auf sonntagsblatt.tv

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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