Kulturjahr 2020 - Graz
Für ein besseres Miteinander

Das Grazer Kulturjahr 2020 läuft unter dem Titel „Wie wir leben wollen“ Gertraud Schaller-Pressler und Alois Kölbl haben mit dem Programm-Manager Christian Mayer (links) über seine Intentionen gesprochen.
3Bilder
  • Das Grazer Kulturjahr 2020 läuft unter dem Titel „Wie wir leben wollen“ Gertraud Schaller-Pressler und Alois Kölbl haben mit dem Programm-Manager Christian Mayer (links) über seine Intentionen gesprochen.
  • Foto: Foto: Andriichenko
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Wie wir leben wollen. Unter diesem Motto steht das Grazer Kulturjahr 2020, das auch mit kirchlichen Projekten aufwartet.

Im Jahr 2003 war Graz Europäische Kulturhauptstadt. Was unterscheidet das Kulturjahr 2020 vom Kulturhauptstadtjahr 2003?
Die Eigenheit des Kulturjahres 2020 ist, dass wir uns mit dem städtischen Leben vor Ort beschäftigen. Das heißt, es geht um uns. Dieses Uns öffnet gleich in den gesellschaftlichen und nicht rein künstlerischen Raum. Es ist kein Kunstfestival, sondern eine Einladung an die Bürgerinnen und Bürger, sich mit ihren Lebenswelten zu beschäftigen, die aber auch durch Künstler und Wissenschaftler aufgeschlossen werden.
Es geht dabei auch um die emotionale Erfahrung, was urbanes Leben ausmacht oder ausmachen könnte: also um Verkehrsprobleme genauso wie um leistbaren Wohnraum oder die Angst vor dem Abbau von Arbeitsplätzen durch Technologisierung. Und – da wir in einer sehr vitalen Stadt leben – bin ich davon überzeugt, dass das auch Menschen von außerhalb interessieren wird und natürlich auch Folgen für die Zeit nach dem Kulturjahr haben soll.

Eine Folge des Kulturhauptstadtjahres 2003 war die Veränderung eines ganzen Stadtviertels um das Kunsthaus herum. Gibt es auch für das Kulturjahr 2020 so eine virulente urbane Zone, in der man speziell intervenieren möchte?
Wir haben Projekte in allen Grazer Stadtbezirken und keinen besonderen Fokus auf ein bestimmtes Viertel. Das ist Teil unseres Konzeptes. Wir wollen diese Erfahrungsräume möglichst niederschwellig anbieten.
Ein gutes Beispiel dafür ist etwa „The Graz Vigil“ am Schloßberg. Ich brauche mich da nur anzumelden und kann eine Stunde die Stadt von oben erleben und aus dem eigenen Alltag heraustreten. Ganz ähnlich funktioniert der Klima-Kultur-Pavillon des „Breathe Earth Collective“ am Freiheitsplatz, wo in Zeiten steigender Temperaturen gerade im sommerlichen Stadtraum ein visionäres Modell zur Stadtkühlung erfahrbar gemacht werden soll. Ich fand es sehr spannend, dass hier von einer erst im Entstehen begriffenen neuen Klimakultur die Rede ist. Wir haben sie noch nicht, aber die Menschheit steht an einem Punkt ihrer Entwicklung, an dem unbedingt darüber nachgedacht werden muss, sagen die Initiatoren dieses Projektes. Sie schaffen einen Raum, der auch von anderen genutzt werden soll. Das ist ganz im Sinne unseres Konzeptes des Kulturjahres.

Woran erkennen und messen Sie für sich das Gelingen des Kulturjahres?
Auf keinen Fall will ich ein Feuerwerk
initiieren, das dann am Ende dieses Kulturjahres einfach verpufft ist. Die Projekte
dieses Jahres sollen vielmehr etwas aus-lösen: etwas Nachhaltiges! Das ist natürlich nur sehr schwer zu messen. Ich denke, in den Kooperationen und Ideenentwicklungen über Fachgrenzen hinaus ist da bereits vor dem Start des Kulturjahres schon sehr viel passiert.
Natürlich würden wir uns freuen, wenn wir Ideen liefern könnten, um auch Bleibendes für ein besseres Miteinander in der Stadt zu schaffen, auch wenn wir kein Budget haben wie Europäische Kulturhauptstädte, aus dem heraus architektonische oder städtebauliche Projekte finanziert werden könnten. Aber Ideen dafür wollen wir liefern!
Interview: G. Schaller-Pressler und A. Kölbl

Christian Mayer, 1977 in Ludwigshafen geboren, wurde im August 2018 zum Programm-Manager des Grazer Kulturjahres 2020 bestellt. Der studierte Theaterwissenschaftler, Germanist und Soziologe kam 2011 als Dramaturg ans Schauspielhaus Graz und arbeitete als Dozent an der Karl-Franzens-Universität sowie als Projektmanager an der Kunstuniversität Graz.

Kirchliche Projekte im Kulturjahr 2020

Diözesanmuseum Graz
„Leben feiern – Glauben feiern. Die Lebens- und Jahresfeste der Religionen“ wird das Zusammenleben der Menschen verschiedener Religionen und Konfessionen in Graz sichtbar machen. Dazu wird es eine Sonderausstellung im Diözesanmuseum Graz und Exkursionen zu Orten in Graz ansässiger Religionsgemeinschaften geben. Mit der Ausstellung und dem begleitenden Vermittlungsprogramm möchte das Diözesanmuseum Graz Vorbehalte gegenüber anderen Religionen abbauen und den Respekt im menschlichen Zusammenleben fördern.
Termine: 6. Mai bis 10. Oktober.

Justizanstalt Karlau (Gefängnisseelsorge):
Das „Häfntheater“ bringt die Lebensrealitäten von Haftinsassen der Justizanstalt Graz-Karlau auf die Theaterbühne. Beim Projekt „Häfntheater“ werden zehn bis fünfzehn Insassen der Justizanstalt Graz-Karlau in theaterpädagogischer Arbeit Themen, die die einzelnen Lebensrealitäten der Insassen betreffen, verhandeln und zur Aufführung bringen. Eine Werkschau wird Ende Dezember 2020 in der Justizanstalt stattfinden. Weitere Proben und Aufführungen soll es im Jahr 2021 geben.
Das gesamte Projekt wird filmisch dokumentiert.

Caritas-Akademie
Das Performance-Projekt „Digital Shadows“ will den kritischen Geist der Grazer Bürgerinnen und Bürger im Hinblick auf die (digitale) Überwachung wecken. Das Projekt besteht aus einem Theaterstück im öffentlichen Raum in Form einer digitalen Schnitzeljagd sowie aus digitalen/analogen Infotafeln mit Links zu Interview-Mitschnitten von Opfern (digitaler) Überwachung. Am Ende des „Digital Shadows“-Parcours wird den Teilnehmenden auf Basis digitaler Metadaten, die während der Schnitzeljagd gesammelt wurden, die eigene Daten-Akte präsentiert, um die Teilnehmenden für den Umgang mit persönlichen digitalen Daten zu sensibilisieren.
Termine: 18., 19., 20., 25. und 26. Mai, jeweils 9 Uhr.

„Wer schafft die Arbeit?!“ (Caritas)
Das Designerinnenkollektiv Alexandra
Fruhstorfer und Lisa Hofer erprobt im Rahmen des Projektes „Wer schafft die Arbeit?!“ Design als sozialpolitisches Gestaltungsmittel und will damit aufzeigen, dass die Grazer Bevölkerung mit kreativen Mitteln Handlungsmacht in urbanen Gestaltungsprozessen erlangen kann.
„Wer schafft die Arbeit?“ ist eine Koopera-tion des Designerinnenkollektivs mit der Caritas der Diözese Graz-Seckau und Campus 02 – Fachhochschule der Wirtschaft.
Termine: 4. März, 9 Uhr; 5. März, 17 Uhr;
28. Mai bis 7. Juni.

Zum Kulturjahr
Signifikant für „Graz – Unser Kulturjahr 2020“ ist, dass es von den Bürgern selbst gestaltet wird und viele Möglichkeiten zur Partizipation bietet. Es spannt auch einen sehr weiten Kulturbegriff auf, unter dem die großen Zukunftsfragen kreativ, mit Blick auf globale Entwicklungen und lokale Gegebenheiten, diskutiert werden: Umwelt, Klima, digitale Lebenswelten, Urbanismus, soziales Miteinander und Arbeit von morgen.
Alle Informationen:
www.kulturjahr2020.at sowie in den Vierteljahresprogrammheften, erhältlich u. a. bei Graz Tourismus, Herrengasse 16, 8010 Graz, Tel. (0 31 6) 80 75-0.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen