Leben im Heiligen Land - Teil 2
Ein Besuch im 
Haus des Kleophas

Das Innere des Hauses war in zwei Bereiche unterteilt: unten eine Grotte, die als Stall diente. Vier Stufen führten hinauf zum Obergemach.
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Lassen wir uns gleichsam wie in einer Zeitraffer-Kapsel zurückkatapultieren und stellen Mirjam, der Frau des Kleophas, einige Fragen:

 

Mirjam, man sagt, das Reich der biblischen Frau waren ihre vier Wände. Wie sah euer Haus in Emmaus damals aus?

Die Wände waren aus unbehauenen Steinen und Lehmziegeln. ­Das Dach bestand aus Balken, die mit einer dicken Lehmschicht bedeckt waren. Im Sommer schlief häufig die Familie dort oben, oder ich nutzte den Platz zum Trocknen von Trauben, Feigen und Flachs.

 

Wie stand es mit der Möbeleinrichtung?

Diese spiegelt den jeweiligen Wohlstand einer Familie wider. Wir als Durchschnittsfamilie be­­saßen ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und einen Leuchter.

 

Waren Schlafstätte, Küche und Wohnzimmer getrennt?

Nein. Alles bestand aus einem einzigen Raum. Hier verwahrte ich für meine Familie all unsere Habe: ausreichende Lebensvorräte für den Winter, das Futter der Haustiere, Vorratskrüge. Das Bett bildete eine Schilfrohrmatte auf dem Boden. In der kalten Jahreszeit kochte ich drinnen, um das Haus warm zu halten. Wenn es draußen stürmte, füllte ich ein Ton- oder Bronzebecken mit glühender Holzkohle.

 

Könntest du uns nicht einmal durch dein Haus führen?

Ja, gerne. Siehst du da die Vertiefung an der Türschwelle? Sie war das einzige nächtliche Kommunikations-System zwischen den Bewohnern drinnen und der Außenwelt. Das Hohelied der Liebe erinnert daran, wenn es die Braut sprechen lässt: „Mein Geliebter steckte die Hand durch die Luke; da bebte mein Herz ihm entgegen. Ich stand auf, dem Geliebten zu öffnen. Da tropften meine Hände von Myrrhe am Griff des Riegels.“

Das Innere des Hauses ist in zwei Bereiche unterteilt: Unten eine Grotte, die als Stall für das Kleinvieh, aber auch für das Reit- und Lasttier, den Esel, diente.

Wir steigen jetzt die vier Stufen hinauf zum Obergemach. Da siehst du es: Ein einziger Raum. Küche und Schlafzimmer für die Familie zugleich. Während des Tages wurden die Matten in dem Bett-Kasten gestapelt. Darauf stand die Lampe für die Nacht.

 

Bei ihrem Anblick geht mir plötzlich das Wort der Schrift ganz neu auf: „Zündet man etwa ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber oder stellt es unter das Bett?“ (Mk 4,21).

Na, siehst du. Des Nachts breiteten wir die Matten auf dem Fußboden aus. Die ganze Familie, Vater, Mutter und die zahlreichen Kinder, schliefen wie die Heringe nebeneinander. Und da kommt in einem der Gleichnisse Jesu um Mitternacht ein Freund und klopft nervös an die Tür. Er bittet um drei Brote, weil unerwartet ein Gast eingetroffen ist. Was ist die Antwort von drinnen?

 

„Die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir. Ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben“ (Lk 11,58).

Genau. Schließlich erhebt sich der Hausvater doch von seinem Lager und erfüllt die Bitte des zudringlichen Freundes.

An den Wänden siehst du die für den Alltag notwendigen Utensilien und Geräte. Ein hölzerner Pflug erinnert an ein anderes Wort der Schrift: „Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes“ (Lk 9,62). Die Felder in Palästina sind steinig. Wer da beim Pflügen zurück-schaut, dessen Pflug hat keine lange Lebensdauer.

 

Warum habt ihr hier eine Doppelwand eingebaut?

Diese bildete die so genannte Scheune. Darin befanden sich nämlich Getreide-Sorten aller Art. Wie du siehst, erhebt sich die Wand etwa einen halben Meter vom Fußboden. Dort sind unten Löcher angebracht und mit konisch zugeschlagenen Steinen verstopft. Benötigte ich beispielsweise Gerste, um Mehl mit der Handmühle zu mahlen, dann löste ich den entsprechenden Stein, und die Körner rieselten heraus. Diese Art von „Scheune“ meint das Evangelium, wenn es von dem reichen Mann spricht. Er hatte eine gute Ernte und überlegte bei sich: „Ich werde meine Scheune abreißen und eine größere bauen. Dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.“ Der Mann hätte also nichts anderes getan, als diese Doppelwand zu verbreitern.

 

Bildete dieses Loch oben im Flachdach eine Art „Ventilator?“

Richtig. Während der Regenperiode wurde das Loch mit passenden Steinen verschlossen. Durch solch eine Öffnung wurde übrigens der Gelähmte in Kafarnaum im Hause des Petrus zu Füßen Jesu herabgelassen. Da sie den Kranken „wegen ·der vielen Leute nicht zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo Jesus war, das Dach ab und ließen den Gelähmten auf einer Tragbahre herab“(Mk 2,1-12).

Danke, Mirjam, für diesen Einblick in dein Reich vor 2000 Jahren.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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