Ordensleben in der Steiermark | Teil 29b
Draußen zu Hause

Die Werkwoche ist für die Gemeinschaft der Ort für Fortbildung, Stärkung und Beratung. Hier trifft sie auch Entscheidungen.
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Die Frauen vom Werk der Frohbotschaft sind keine Ordensgemeinschaft und versprechen doch Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam, wie Ordensleute es tun. Sie haben sich an ihre gemeinsame Regel gebunden, und doch leben viele von ihnen allein.

Das Werk der Frohbotschaft Batschuns ist eine Weltgemeinschaft, ähnlich einem Säkularinstitut. In der Steiermark gehören ihr vier Frauen an: Edith Lencek, Hilde Hochrießer, Franziska Stachl und Lisbeth Behm. Meist leben die Frohbotinnen allein oder in kleinen Wohngemeinschaften. Man braucht Vertrauen in einer Gemeinschaft, die nicht zusammenlebt, und Treue, um dem gemeinsamen Auftrag immer wieder das ganz eigene, persönliche Gesicht zu geben. „Und einen ‚Schnauf‘“, ergänzt Lisbeth Behm, den langen Atem, um in der Spannung zwischen individuellem Gefordertsein und der Bindung an die Gemeinschaft der Berufung Gestalt zu verleihen: „Den Armen die Frohe Botschaft zu bringen …“

Dieses Wort aus Lk 4,18 ist Kern und Programm und wird in der Regel in sieben Grundzügen entfaltet: „Ein Leben in Christus, ein Leben mitten in der Welt, ein apostolisches Leben, ein Leben nach dem Evangelium, ein Leben in der Kirche, ein Leben in Schwierigkeiten, ein Leben in Gemeinschaft.“ In ihrem Wirken formuliert die Gemeinschaft den Grundauftrag vielfältig: als Gastfreundschaft, als Option für Benachteiligte und Einsatz für Gerechtigkeit, als Wertschätzung für andere Kulturen und Religionen.

Sehr unterschiedliche Wege haben Frauen zu den „Batschunser Schwestern“, wie die Gemeinschaft landläufig auch genannt wird, geführt. Franziska Stachl erzählt, sie habe als junge Fabriksarbeiterin den Wunsch verspürt, für die Mission zu arbeiten, als sie eine Frohbotin kennen lernte. Sie war dann nach der gemeinschaftsinternen Ausbildung 30 Jahre lang in einer Wohngemeinschaft für Mädchen und Frauen in Krisensituationen in Graz tätig, viele Jahre als deren Leiterin. „Das war dann eh eine Art von Mission“, sagt sie. Jetzt ist Franziska Stachl in Pension und ehrenamtlich in der Hospizarbeit aktiv.

Viele Frauen stehen, wenn sie zur Gemeinschaft kommen, schon mitten im Beruf. Und das ist ganz im Sinn der Frohbotinnen, die ihre Berufung ja als Einsatz „mitten in der Welt“ verstehen. Möglichst nahe bei den Menschen wollen sie sein, möglichst direkt deren Sorgen mittragen. Um dafür frei zu sein, haben sie sich an ein Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam gebunden.

Zur Gründungszeit in den 1940er Jahren war dieses Lebensmodell sehr ungewöhnlich: eine ordensähnliche Gemeinschaft ohne die bekannten äußeren Erkennungszeichen wie etwa das Ordenskleid. Aufs Neue bestärkt wurde die Gemeinschaft durch das Zweite Vatikanische Konzil, als viele Katholikinnen und Katholiken neu ermutigt nach ihrem Weg gesucht haben, das Evangelium zu leben. Das hat auch den Frohbotinnen eine starke Generation gebracht, die das Werk jahrzehntelang kraftvoll getragen und geprägt hat.

Stets wach auf das zu reagieren, was sich „in der Welt“ gerade tut, das ist auch für eine kleine Gemeinschaft ein hoher Anspruch. Es gab nie eine lange Tradition, auf die man zurückblicken und in die man sich selbstverständlich einfügen konnte. Vieles musste „neu erfunden“ werden. Das bedeutet Freiheit und Herausforderung.

Derzeit begleitet die Sorge um neue Eintritte auch die Frohbotinnen. Der Grundauftrag jedenfalls ist keineswegs alt und grauhaarig geworden: die Frohbotschaft dort mitten hinein zu tragen, wo Menschen Begleitung und Engagement brauchen.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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