Schön fürs Leben - Teil 04
Die Welt schön gestalten

Heilsam:Sich etwas Schönes gönnen!

 

Es geht nicht nur darum, das Schöne wahrzunehmen, sondern auch Schönes zu schaffen.

Gott hat uns Anteil an seiner schöpferischen Kraft geschenkt. So ist es unsere Aufgabe, diese Welt schön zu gestalten und uns selbst das Leben schön zu machen. Wir können auch anderen Menschen das Leben schöner machen, indem wir schöne Räume gestalten, schöne Feste feiern, ein schönes Bild malen, eine schöne Musik spielen. Es ist unsere Verantwortung, dass wir diese Welt im Sinne Gottes gestalten und die Schönheit, die Gott in die Welt gelegt hat, durch unser Handeln nicht verdecken, sondern zur Geltung bringen.

Eine Erzieherin erzählte mir, dass sie als Kind immer mit Puppen gespielt habe. Ihr war es wichtig, dass die Puppen schön angezogen waren. Ihr Lebenstraum war: Schönheit vermitteln. Sie hat den Raum schön gestaltetet, in dem die Kinder sich am Morgen versammelt haben. Sie hat die Gruppe schön geordnet und die Kinder Schönes erleben lassen. Sie hat schöne Lieder mit ihnen gesungen, Schönes gebastelt. Die Kinder waren bei dieser Kindergärtnerin viel ruhiger als bei anderen, die ständig geschimpft haben, dass sie endlich Ruhe geben sollen. Indem die Kinder sich vom Schönen berühren ließen und Lust bekamen, Schönes zu gestalten, kamen sie mit der Schönheit in ihrem Herzen in Berührung. Sie kamen bei sich selber an.

So besteht für mich Spiritualität auch darin, etwas Schönes zu schaffen. Mir ist es wichtig über das Schöne auch in einer schönen Sprache zu schreiben. Andere gestalten ihre Wohnung schön oder ihren Garten. Andere decken täglich den Tisch schön und genießen so die Schönheit des Mahles. Oder sie machen es den Gästen schön und gewähren ihnen so einen Raum von Heimat. Schönes um sich zu schaffen und zu gestalten ist nicht eine Frage der Ästhetik, sondern der Spiritualität. Letztlich ist es priesterliches Tun, dass wir als Priester und Priesterinnen das Heilige und Schöne nicht nur hüten, sondern es auch darstellen, diese Welt schöner machen, indem wir dort, wo wir sind, Schönheit verbreiten.

Ein Priester, der seine Wohnung so verstellt, dass er kaum noch die Treppe hinaufkommt, wird auch keine schöne Liturgie feiern. Wenn die Sekretärin das Büro des Chefs schön herrichtet, ist das immer auch ein spirituelles Tun. Sie schafft eine schöne Atmosphäre und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer guten Arbeit.

Unsere Würde als Menschen besteht darin, dass wir an der Schöpferkraft Gottes teilhaben. So besteht Spiritualität auch darin, dass wir uns dankbar dem Schöpferischen in uns zuwenden. In uns ist eine Quelle des Schöpferischen, in uns ist eine Quelle des Schönen. Und unsere Aufgabe ist es, diese Quelle des Schönen und Kreativen in uns sprudeln zu lassen, zum Segen für uns selbst und für die Menschen, damit durch uns Schönes entsteht, das heilsam für die Menschen ist. Und so können wir selbst dazu beitragen, dass „Schönheit die Welt rettet“.

Aus: Anselm Grün, Schönheit. Eine neue Spiritualität der Lebensfreude, Münsterschwarzach: 
Vier-Türme-Verlag 2014, Seite 8, 169–170.

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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