Ketzer - Unruhestifter des Glaubens - Teil 07
Die Waldenser

Denkmal in Steyr. Steyr war im Mittelalter ein Zentrum der Waldenserbewegung in Österreich. Das 1997 von Gerald Brandstötter gestaltete Kunstwerk erinnert an deren Verfolgung.
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  • Denkmal in Steyr. Steyr war im Mittelalter ein Zentrum der Waldenserbewegung in Österreich. Das 1997 von Gerald Brandstötter gestaltete Kunstwerk erinnert an deren Verfolgung.
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Eine Gruppe der im 12. Jahrhundert entstandenen Armutsbewegungen waren die Waldenser. Valdes zählte zu den vornehmen Kaufleuten der Stadt Lyon, ihm gehörten u. a. zwei Backstuben. Um 1175 entschloss er sich zu einem Leben als Jünger Jesu. Anlass dafür war ein Lied über das Leben des heiligen Alexios, das ein fahrender Sänger auf dem Markt vortrug: Ein reicher junger Mann gibt seine Karriere auf, wird Bettler und vollbringt Wunder. Valdes sorgte für den Unterhalt seiner Frau und seiner Töchter, bevor er sie verließ. Er verkaufte seinen Besitz, gab das Geld den Armen und wurde Wanderprediger. In Lyon und Umgebung fand er bald begeisterte Zuhörerinnen und Zuhörer.

Die Armen von Lyon

Valdes und diejenigen, die sich ihm anschlossen, wurden auch „Arme von Lyon“ genannt. Beim Dritten Laterankonzil 1179 wurde ihre Lebensform bestätigt, im Unterschied zur Verdammung der Katharer am selben Konzil. Die Waldenser bekamen die Zusage, in Armut leben und zudem predigen zu dürfen, wenn es die jeweils lokalen Kirchenmänner erlaubten.

Gott mehr gehorchen als dem Bischof

Als der Bischof von Lyon die von seinem Vorgänger gegebene Zusage zurückzog, widersetzte sich Valdes mit dem biblischen Wort: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29). Der Bischof verstand das als Ungehorsam, er verbot Valdes und seiner Gruppe Predigt und Sakramente und wies sie aus Lyon aus. Am Konzil von Verona 1184 wurde dann gegen die Waldenser verfügt, dass sie mit dem Kirchenbann belegt würden, wenn sie ohne Erlaubnis predigten.

Wandernde Ausbreitung

Die Waldenser gewannen im Lauf der nächsten Jahrzehnte viele Anhänger und Anhängerinnen in Südfrankreich, Oberitalien und den deutschsprachigen Gebieten, so auch im Donauraum. Die Zahl der österreichischen Waldenser um 1315 wird auf 80.000 geschätzt.

Verfolgung

Gegen die Waldenser wurde zunächst mit Predigt und Polemik, später mit Inquisition und Verfolgung vorgegangen. In Hartberg in der Oststeiermark gab es im Februar 1401 einen Inquisitionsprozess, bei dem drei Waldenserinnen der weltlichen Obrigkeit zur Verbrennung übergeben wurden: „die Wendel, die Els Persteyner und die Peters.“

Waldenser heute

Als einzige der verurteilten Ketzerbewegungen überstanden die Waldenser das Mittelalter, in entlegenen Gegenden und unteren Gesellschaftsschichten. 1532 schlossen sie sich der schweizerischen Reformation an. Die größten waldensischen Gemeinden gibt es heute in Italien, Argentinien und Uruguay.

Denkmal in Steyr. Steyr war im Mittelalter ein Zentrum der Waldenserbewegung in Österreich. Das 1997 von Gerald Brandstötter gestaltete Kunstwerk erinnert an deren Verfolgung.
Das Licht leuchtet in der Finsternis.
Waldenser Wappen.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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