Einfach Glauben - Teil 5
Die Stille ist der Vorraum Gottes

Menschen brauchen die Stille, damit die Seele Flügel bekommen kann.
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Wir leben in einer lauten Welt. Das ist mir immer wieder bewusst geworden, wenn ich in meiner Heimat Tirol aus dem Lärm des Tales in die Einsamkeit der Berge gewandert bin. Die Straßenschluchten der Stadt sind so mit Verkehrslärm ausgefüllt, dass sich die Kirchenglocken kaum mehr durchsetzen. Moderne Straßen haben kein Echo, weil Motoren, quietschende Reifen, Straßenbahnen und Flugzeuge mit ihrem Lärmpegel alles zudecken.

 

Zivilisationslärm dringt bis in die Seele

Manchmal ist das Herz des modernen Menschen wie ein Instrument ohne Klangkörper, eine Harfe ohne Resonanz. Es bleibt keine Zeit zum Ausschwingen des Erlebten. Wir leiden unter einer Vielfalt der Außenwelt und einer Verarmung des Inneren. Wir sind nicht nur der akustischen Belastung ausgesetzt. Laut ist die Reklame, deren lateinische Wurzel „dagegen schreien“ bedeutet. Sie ist überall präsent, drängt sich auf, muss „Trommel rühren“ und die schönsten Filme rücksichtslos unterbrechen. Selbst die Erotik, die eine gewisse Verhaltenheit verlangt, wird laut, aufdringlich und ordinär.

 

In der Stille kommt uns Gott entgegen

Der Muslim rollt seinen Gebetsteppich aus. Wir müssten in dieser Welt manchmal den Teppich des Schweigens ausrollen, damit wir einen Hauch von Ewigkeit zu spüren bekommen. So wie der Gestresste einen Gang durch den Park oder die Bank am Flussufer braucht, benötigen wir gewisse Räume der Stille, damit wir Menschen bleiben.

Aber der lärmverlorene Mensch unserer Zeit hat auch Angst vor der Stille. Er flüchtet sich in das ständige Abgelenktsein und Unterhaltenwerden durch Bildschirme und alle Formen zeitgemäßen Amusements. Er möchte gar nicht „zu sich kommen“. Der Grund liegt wohl darin, dass in einer stillen Stunde zunächst die „dunkle Wolke“ aufsteigen kann: Belastendes, Ungelöstes, Verdrängtes, Enttäuschungen, Scham, Misserfolg, Zorn über erlittenes Unrecht. Jeder und jede kann das erleben. Ich habe es schon oft erlebt. Man soll diese „dunkle Wolke“ ruhig aufsteigen lassen. Sie gehört zur Therapie der Stille und damit zum Weg zu Gott. In der Fragwürdigkeit und Brüchigkeit des Lebens soll man sich an das Wort des großen Augustinus halten: „Suche in Liebe zu betrachten, was nicht von Liebe zeugt – und du wirst daraus Liebe ernten.“

 

Stille, die lähmt

Es gibt auch ein Verstummen, eine Sprachlosigkeit, eine Isolation, die keine Einsamkeit, sondern eine Vereinsamung ist. Durch ein lösendes Gespräch, Sorge für andere, Eintauchen in das Leben und manchmal auch mit Hilfe des Therapeuten oder Arztes muss man ihr versuchen zu entkommen. Dieses Verstummen aller menschlichen Bezüge im Dunkel des Ich oder der Depression hat nichts mit der Stille zu tun, die man als Mensch von heute in der überbeanspruchten Welt suchen muss. Um diese Stille können wir mit dem Propheten Jesaja (30,15) beten: „Nur in der Stille und im Vertrauen liegt eure Kraft!“

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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