Menschengerecht - 3. Teil: Der Mensch und seine Mitwelt
Das Sterben der 
Wälder und des Wassers

Die „ewigen Wälder“ sterben, um Platz etwa für Biodiesel-Produktion oder Futtermittel-Soja zu schaffen.
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Tausende Quadratkilometer tropischer Regenwald fielen in den vergangenen Jahrzehnten den Flammen zum Opfer. Vor 150 Jahren bedeckten die Tropenwälder noch zwölf Prozent der Erdoberfläche. Mehr als die Hälfte hat der Mensch bereits zerstört. Großflächiges Weideland, Soja- oder Zuckerrohr-Plantagen haben den Wald ersetzt. Dort, wo es ihn noch gibt, geht die hemmungslose Schlägerung der Edelhölzer weiter. Die „ewigen Wälder“ fallen. Und schon beginnt der Angriff auf die „ewigen Wasser“. Die großen Ströme werden aufgestaut und in tote Seen verwandelt. Immer mehr Flüsse sind vergiftet. Die Luft ist verpestet. Die polaren Eisschilde schmelzen, die Gletscher schrumpfen und lassen in den kommenden Jahren den Meeresspiegel bedeutend höher steigen, als der Weltklimarat noch 2007 vorausberechnet hat. Der Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro erkor „Nachhaltige Entwicklung“ zum Prinzip der Agenda 21. Die Ansprüche der jetzigen Generation dürfen die Lebensqualität der kommenden Generationen nicht gefährden, hieß es. 1997 legt das Kyoto-Protokoll erstmals verbindliche Ziele für Emissionshöchstmengen für Industrieländer 
fest.

Eine Konferenz folgt auf die andere. Wenn es jedoch um konkrete Entscheidungen geht, tun die Großen nicht mit.

In Durban, Südafrika, wurde 2011 das 
Kyoto-Protokoll zwar verlängert, aber konkrete Maßnahmen bleiben bis 2020 „vorerst“ offen. Was wird „Rio + 20“ im kommenden Juni tatsächlich zuwege bringen?

 

Das große Geld. Wir wissen heute, dass die tropischen Regenwälder im globalen Kohlenstoffkreislauf eine sehr wichtige Rolle spielen. Die internationale Klimaschutzpolitik schlägt nun den Industrienationen Ausgleichszahlungen an Länder vor, die bereit sind, die Entwaldung und Degradierung von Wäldern zu reduzieren (REDD-Modell).

Jahrzehnte andauernde Umweltdelikte verlangen Schadenersatz. Die Wiedergutmachung oder ein Ausgleich geschieht aber nicht im eigenen Land, sondern wird ins Amazonasbecken ausgelagert. Indigene Völker treten plötzlich in den Mittelpunkt des Interesses der Industrienationen. Sie sollen ihre Wälder als „Kohlenstoffspeicher und CO2-Senken“ zur Verfügung stellen. Dafür erhalten sie spektakuläre Geldbeträge. Die Zerstörung ihrer Lebens- und Gemeinschaftsformen ist damit vorprogrammiert. Das große Geld ist allemal der Todesstoß ins Herz einer indigenen Kultur und zerreißt die Kind-Mutter-Beziehung der Indios zum Land ihrer Vorfahren.

 

Gott überträgt Verantwortung. Gott hat den Menschen nicht zum unumschränkten Gewaltherrscher über seine Mit-Welt eingesetzt. Das so oft strapazierte Bibelwort „Macht euch die Erde untertan“ (Gen 1,28) muss endlich dem Urtext gemäß ausgelegt werden. Der Auftrag Gottes ist kein Freibrief für eine gewaltsame Inbesitznahme und skrupellose Plünderung der Natur. Der hebräische Urtext „Setzt euren Fuß auf die Erde“ will sagen: Gott überträgt dem Menschen Verantwortung und bestellt ihn, alle Dinge und Lebewesen zu betreuen, zu pflegen und zu schützen. „Und Gott sah alles, und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31).

Es war sehr gut! Auf einmal zerreißt der Mensch das Band zwischen ihm und seiner Mit-Welt. Er bricht den Bund mit der Schöpfung, beginnt die Natur zu manipulieren und zu vergewaltigen und quält sie bis aufs Blut. Die Folgen sind verheerend. An die Stelle verbindlicher ethischer Richtlinien und gemeinsamer Maßnahmen zum Schutz der geschundenen Mit-Welt treten Konzessionen für den Raubbau an den ­Naturreichtümern und Lizenzen für umweltzerstörende Mammutprojekte.

 

Eintreten für die Schöpfung. In unseren Kirchen haben wir allzu lange geschwiegen und Grundsatzfragen der Ökologie verdrängt. Die Sorge um die Mit-Welt, die Bewahrung und Verteidigung der Schöpfung sind jedoch in unserem Glauben begründet. Es ist an der Zeit, zusammen mit den Schwestern und Brüdern aller Religionen und Bekenntnisse für die bedrohte Schöpfung einzutreten und todbringende Mechanismen anzuprangern. Das allein aber genügt nicht! Jede und jeder von uns hat sich zu fragen, inwieweit sie oder er für den langsamen Tod unseres Planeten mitverantwortlich ist.

 

Genügsam leben. Ein bescheidener, maßvoller und genügsamer Lebensstil ist das Gebot der Stunde, Mut zum Verzicht und bewusste Abkehr von der durch Werbung immer neu geschürten Konsumgier. Auch die Kinder und Kindeskinder dieser Generation wollen leben! „Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden“ (Weish 1,13).

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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